Im Kino: G.I. Joe: The Rise of Cobra (G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra)

Was für ein blöder Film. Ich will eigentlich nicht allzu viele Worte verlieren, schließlich hat er mir bereits fast zwei wertvolle Stunden meines Lebens geraubt und das muss nicht noch unnötig verlängert werden. G.I. Joe: The Rise of Cobra basiert auf einer Puppe. Einer Puppe für Jungs, deshalb heißt sie nicht Puppe, sondern Actionfigur (now with eight articulation points!). Die Buben-Barbie kam 1964 in den USA auf den Markt, dort kennt sie jedes Kind, es gibt einen umfangreichen Figurenkosmos, TV-Serien, Comics usw. Bei uns wollte das Franchise nie so richtig populär werden, was auch daran liegen könnte, dass es sich im Endeffekt um Kriegsspielzeug handelt.

Der Film ist vor allem ein waffenstarrender Rüstungsporno, in dem es permanent kracht und scheppert. An Action herrscht weiß Gott kein Mangel, schließlich wollen die Bösen mal wieder die Erde erobern und die Guten müssen die Welt retten. Die Effekte sind aufwendig und sehen meistens leidlich gut aus (Höhepunkt ist vielleicht der „Money Shot“, in dem der Eiffelturm zerlegt wird), können aber ihre digitale Herkunft nie verhehlen und wirken daher immer wahnsinnig künstlich und blutleer.

Die Story geht ungefähr so (kann sein, dass da jetzt SPOILER kommen, vielleicht auch nicht, keine Ahnung, ist mir auch völlig wumpe): Der mächtige Rüstungskonzern M.A.R.S. hat eine extrem tolle und extrem gefährliche Nanotechnologie entwickelt, die er der NATO verkaufen will. Das klappt nicht so richtig, also will der M.A.R.S.-Boss (ein Schotte!) selbst Weltherrscher werden. Dazu muss er die Menschheit erstmal ordentlich einschüchtern und weltweite Angst säen. Deshalb hat er ein Team von extrabösen, tödlichen und gutaussehenden Spezialagenten, das „Team Cobra“ angeheuert. Und weil einer seiner Vorfahren vor 400 Jahren mal gewaltig Stress mit den Franzosen hatte, ist das erste Angriffsziel natürlich das, was dem durchschnittlichen Hollywood-Drehbuchautor beim Stichwort Frankreich einfällt: der Eiffelturm. Aber, ceterum censeo, auch Moskau und Washington müssen zerstört werden.

Das zu verhindern obliegt den Guten, dem G.I. Joe-Team, einer Spezialeinheit der Army unter der Leitung von Dennis Quaid (hölzern wie niemals zuvor). Die besteht aus supertoll trainierten, gutaussehenden Spezialsoldaten mit supertoller Spezialausrüstung (z.B. ein Anzug wo unsichtbar macht oder ein Anzug wo voll schnell macht). Neu beim G.I. Joe ist Conrad, genannt Duke. Der staunt nicht schlecht, als er als auf die Baroness alias Ana trifft, die Oberkämpferin von Cobra im sexy Kampfanzug: Mit der war er doch mal verlobt! Aber als bei einem gemeinsamen Kampfeinsatz deren Bruder sein Leben lassen musste, war Schluss mit lustig und nix mit Heiraten. Ana wechselte die Seiten (für Laien daran zu erkennen, dass sie ihre Haarfarbe von blond nach schwarz änderte). Später stellt sich raus, dass der Bruder eigentlich noch lebt und er derjenige ist, der so richtig böse ist. Die Baroness dagegen war nur manipuliert und will wieder gut sein.

Dazwischen werden eine Menge Pixel in die Luft gejagt und ein hanebüchener Plot versucht verzweifelt, das ganze notdürftig zusammenzuhalten. Dass ein Film wie dieser hirnlos sein würde, war abzusehen und wäre auch verzeihbar. Wenn er dann aber auch noch komplett geist- und witzlos ist, keinerlei Charme oder Ironie besitzt und die Schauspieler agieren wie Roboter — dann muss man mal in die Filmographie von Regisseur Stephen Sommers schauen und findet dort neben The Mummy auch den miserablen Van Helsing. Passt also wie Arsch auf Eimer.

Zu befürchten ist allerdings, dass das Machwerk (zumindest in den USA) erfolgreich sein wird. Transformers hat bereits zweimal vorgemacht, dass die Leute sich gerne doofe Action-Blockbuster ansehen, die auf Spielzeug basieren. Eine Fortsetzung ist in The Rise of Cobra auch schon deutlich sichtbar angelegt. Es ist eine Drohung.

 

7 Gedanken zu „Im Kino: G.I. Joe: The Rise of Cobra (G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra)

  1. und jetzt verat mal noch wieso du dir bitte so was anschaust und dann auch noch dazu im kino … wenn ich mal wieder ins Kino könnte dann wüßte ich nicht wo rein und du schaust dir so was an *tssss* ;)

  2. @tbee: Man hat mich eingeladen (Pressevorführung), hat mich also kein Geld gekostet, ich hatte grade Zeit und ich war einfach mal neugierig. Ansonsten meide ich diese Kategorie Filme ja auch. Aus gutem Grund, wie ich jetzt wieder weiß.

  3. Weißte, ich habe schon viele Filme gesehen, ich habe Independent aus Polen gesehen, was fürs Herz aus Indien, Underground aus Budapest und noch so manch andere Vergehen am guten Geschmack, aber als echter Mann finde ichs geil, wenns mal ordenlich *bumm* macht.
    Und nach all den Filmen, den hunderten Stunden cineastischer Unterhalten kann ich getrost sagen, Unterhaltung und Qualität eines Films gehen häufig weit auseinander. Ich habe gute Filme gesehen, bei denen ich mir dachte „Ohh Gott“ -transiberian- war zum Beispiel so einer, ich habe auch stumpfe Filme gesehen, bei denen ich mir dachte „GEIL!“ und G.I.Joe war so einer.
    Letztlich ist jede Kritik doch nur Subjektiv, was anderes haben wir einfach nicht zu bieten und was du da geschrieben hast, ist in meinen Augen pures „Gutmenschtum“. Aber selbst das ist auch wieder nur eine subjektive Sicht der Dinge, nämlich meine.
    Gute Nacht.

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