Im TV: Erntedank – Ein Allgäukrimi

Ich habe vor Jahren den ersten Kluftinger-Roman von Volker Klüpfel und Michael Kobr gelesen. Der war damals noch beim Allgäuer Zeitungsverlag erschienen und machte mir gar keinen Spaß. Zu banal, zu klischeehaft, sprachlich alles andere als aufregend, und ein Kommissar, der mir allzu plump als liebenswert-tolpatschiger Brummbär dargestellt war. Die Kombination aus relativ simpler Krimihandlung, Klischees über das Allgäu und die Allgäuer sowie der sympathisch-kauzigen Hauptfigur wurde wenig später zum deutschlandweiten Bestseller, inzwischen gibt es fünf Bücher, und im Allgäu werden sogar eigene Führungen zu Schauplätzen der Romane angeboten.

Eine Verfilmung eines der Romane war also irgendwie fällig. Der Bayerische Rundfunk, der das Thema „Regionalkrimi“ mit einem fränkischen Film startete und weiterführen will, produzierte, Rainer Kaufmann (Stadtgespräch) führte Regie. Als Hauptdarsteller konnte man Herbert Knaup gewinnen — ein Glücksfall. Denn die Regionalkrimis sollen bewusst möglichst im originalen Dialekt gehalten sein, und dazu braucht man Schauspieler, die diesen beherrschen. Knaup ist ein prominenter, anerkannter und erfahrener Mime, der im Allgäu geboren und aufgewachsen ist. Obwohl Kommissar Kluftiger in den Büchern eher als eine Art Otti Fischer mit Bart beschrieben ist, Knaup also phänotypisch der Figur nicht ganz entspricht, vermag Knaup den Film mit seiner Performance zu tragen.

Leider scheint es nicht allzu viele zu geben, die unverfälschten Allgäuer Dialekt beherrschen UND gute Schauspieler sind (oder der BR hat einfach sehr schlampig gecastet) — bis auf Jockel Tschiersch als Kollege Hefele kann keiner der übrigen Darsteller überzeugen. Bei Johannes Allmayer, der einen ungeliebten überehrgeizigen Kommissar spielt, liegt der badische Singsang noch in der Rolle begründet, aber Michaela Caspar als Kluftingers Frau spricht in einem eigenartigen allemannischen Sound, der mit dem Allgäuerischen wirklich nichts zu tun hat und völlig deplatziert wirkt. Kluftingers Chef spricht wiederum oberbayerisch.

Dabei wäre eine stimmige Mundart der große Trumpf eines solchen Regionalkrimis, mit dem man sich von sonstiger TV-Krimiware abheben kann. Der Kriminalplot ist es jedenfalls nicht, der ist arg konventionell und überraschungsarm. Die Inszenierung von Kaufmann, der dem Film stellenweise eine mystisch-düstere Stimmung mitgibt, ist auf dem Niveau eines besseren Tatorts und durchaus gelungen. Kaufmann verkneift es sich glücklicherweise, das typische Toursimus-Allgäu-Klischee abzubilden und setzt die Landschaft und ihre raueren Aspekte eher beiläufig in Szene.

Insgesamt bleibt ein gemischter Eindruck. Erntedank ist weniger katastrophal, als er hätte werden können, durchaus solide TV-Krimikost, die mit den meisten Tatort-Episoden mithalten kann. Wirklich originell und ungewöhnlich ist hier aber kaum etwas. Hätte man den Dialekt konsequenter und stimmiger verwendet, hätte der Film deutlich gewinnen können. Aber vielleicht ist das auch nur die Ansicht von jemandem, der sich dieser Mundart besonders verbunden fühlt, weil er im Allgäu aufgewachsen ist (wenn auch im äußersten nordöstlichen Zipfel).

 

3 Gedanken zu „Im TV: Erntedank – Ein Allgäukrimi

  1. Danke für den Hinweis. Kann sein, dass der Dialekt auch Niederbairisch war (da höre ich den Unterschied nicht so gut), dann wäre das schon stimmig.
    Trotzdem war es mir einfach zu viel Sprach- bzw. Dialektgewirr in dem Film.

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