Blick nach Diskursistan

1. Akt: Filmkritiker Ekkehard Knörer bespricht im Perlentaucher Michael Hanekes Das weiße Band und wirft dem Film vor allem vor, dass er dem Zuschauer genau vorschreibt, wie er zu interpretieren sei und ihm keinerlei eigenen Spielraum lasse. Eine scharfsinnige und -züngige Rezension, die sich zu lesen lohnt.

2. Akt: Wolfram Schütte, langjähriger Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau und ein großer Freund des Ampersands, antwortet darauf mit einem Text, ebenfalls beim Perlentaucher. Sein Text ist eine Kritik an der Kritik, eine Rezension der Rezension (und damit schön meta), garniert mit einigen persönlichen Angriffen gegen Knörer.

3. Akt: Die Replik auf die Replik – Knörer antwortet wiederum auf Schütte. Da wird’s dann grundsätzlich, es geht u.a. um Knörers Credo als Kritiker und sein Verständnis von Kunst. Vielleicht ist das schon eine Metaebene zuviel und ein bisschen sehr angestrengt, aber auch dieser Text enthält wieder ein paar interessante Gedanken, vor allem wenn man selbst sich ab und zu als „Kritiker“ versucht (wenn auch nicht auf diesem intellektuellen Niveau).

To be continued?

Jedenfalls: Ein verbaler Schlagabtausch wie dieser gehört zu den 999 Gründen, für die man das Internet lieben muss. Sowas gabs zwar auch früher schon im Feuilleton, aber einem Normalleser war es dort nur sehr viel schwerer möglich, alle Teile der Debatte mitzuverfolgen, wenn z.B. ein FAZ-Text auf einen ZEIT-Text von vor 9 Tagen antwortet (oder umgekehrt).

 

Ein Gedanke zu „Blick nach Diskursistan

  1. habe den film gestern gesehen und bin noch einigermaßen „beklemmt“.
    danke für die links zu der kontroversen diskussion – auch wenn hie rnatürlich vor allem viel testosteron verspritzt wird, sind viele passagen so klug wie horizonterweiternd.

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