Nicht die Beatles

Früge man mich nach meiner Lieblingsband, die Antwort wäre recht unoriginell (wobei, für Jahrgang ’75 vielleicht gar nicht mal sooo unoriginell): Die Beatles. Das ist bis heute die einzige Band, mit der ich mich wirklich ausgiebig beschäftigt habe, von der ich alle Alben besitze, über die ich mehrere Bücher gelesen, Zeitschriftenartikel gesammelt, über Songtexten gebrütet habe undsoweiter.

Es begann mit einem merkwürdigen Geburtstagsgeschenk meiner Tante, es war der 11. Geburtstag, glaube ich. Das Geschenk bestand aus zwei Doppelalben, aber nur geliehen! Dazu gab es noch einen Satz Leerkassetten (die guten von BASF). Besagte Alben waren natürlich das Rote und das Blaue, die vielleicht besten popmusikalischen Einstiegsdrogen der Welt. Ich hörte sie rauf und runter. Das blieb dann auch für ein paar Jahre mein einziger Bestand an Beatlesmusik, ehe ich mit dem Ende der 80er erworbenen CD-Player begann, den Komplettkatalog der (offiziellen) Beatles-Alben auf CD zu sammeln. Ein paar gute Freunde teilten diese Leidenschaft, und während sich die vermeintlich cooleren Altersgenossen mit Nirvana oder Pearl Jam beschäftigten, ergründeten wir die Wurzeln, kauften Rock-Lexika und kamen von Hölzchen auf Stöckchen. Hey, das ist Eric Clapton, dessen Guitar auf dem Weißen Album so gently weept! Und schon war man bei Cream angelangt. Und davor war der doch bei den Yardbirds, und daraus wurde dann Led Zeppelin, und so weiter quer durch die Rock’n’Roll Hall of Fame. Eine herrliche Entdeckungsreise.

Später, als ich alle Beatles-Alben komplett hatte und dazu noch die drei „Anthology“-Doppelalben, gönnte ich mir ein kleines Nerdprojekt, das ich „The Beatles Chronology“ nannte. Alle Beatles-Songs in chronologischer Reihenfolge auf Kassette fürs Autoradio. Die Chronology fiel längst dem großen Audiokassetten-Wegwerfen zum Opfer, aber ein paar Tapes haben überlebt. Darunter der Mitschnitt eines Radiospecials, das in den frühen 90ern an zwei Weihnachtstagen auf Bayern 2 lief und ausschließlich aus obskuren Beatles-Coverversionen bestand. Daran musste ich heute wieder denken, als ich diesen Blogeintrag von Gunnar Geller las: Er hat akribisch Beatles-Coverversionen zusammengesucht, und zwar so, dass er jedes einzelne Album in Coverversionen nachbauen konnte. Großartig. Fantastisch. Eigentlich total naheliegend, wenn man’s recht bedenkt, aber was für ein Aufwand! Toll. Noch fantastischer: Es gibt ein Label, das tatsächlich über eine reguläre Veröffentlichung dieser „Not The Beatles“-Alben nachdenkt. Wobei die Wahrscheinlichkeit der Realisierung eher klein ist. Um sie etwas zu erhöhen, hat Gunnar für kurze Zeit eine kleine Kostprobe ins Netz gestellt. Dort drüben gibt es das Rote Album und Rubber Soul nicht von den Beatles. Ich bin begeistert!

 

6 Gedanken zu „Nicht die Beatles

  1. Eine solche Beatles-Chronologie auf Kassette habe ich früher auch mal angefertigt. Noch vor Anthology-Zeiten. (Nur die Chuck-Berry-Songs hatte ich weggelassen)
    Danke für das Lob und den schönen Text!

  2. Du hast noch einen wichtiges Stöckchen Deiner Beatlesmusikentdeckungsreise vergessen: Das Selbstcovern. Ich hab die entsprechenden Tapes noch rumliegen; die sollte man eigentlich noch digitalisieren bevor sie der langsam waltende Entmagnetisierungsgott gefressen hat. Frage: Wie macht man sowas?

  3. Hab sowas selbst noch nie gemacht, aber zumindest theoretisch dürfte das ganz einfach sein: Passendes Kabel besorgen, Kassettendeck mit Line-In vom PC verbinden. Kassette abspielen und mit Audacity o.ä. das Signal vom Line-In aufnehmen.

  4. Hab das vor Jahren mal mit ein paar Tapes gemacht–Kassettendeck mit dem Rechner verkabelt, ein entsprechendes (kostenloses) Programm verwendet, und los. Musste damals etwas mit den einstellungen des Pegels experimentieren, wenn ich mich recht erinnere, aber das geht heute vielleicht auch einfacher.

    Hab die mp3s jedenfalls noch; hören sich fürs bloße Ohr immer noch ganz brauchbar an.

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