Warren Ellis: Gott schütze Amerika (Crooked Little Vein)

Wer Comics von Warren Ellis kennt (am bekanntesten: Transmetropolitan) und ab und zu sein Blog besucht, der weiß: Ellis spielt gerne mit einer zynisch-sarkastischen Arschloch-Attitüde, Ellis ist Technik-Fetischist und Ellis ist unendlich fasziniert von den Abgründen des Internets, durch die wir Dinge erfahren, die wir nie so genau wissen wollten (vor allem wenn es um „exotische“ Formen der Sexualität geht).

Alle drei Aspekte lebt der Autor nun auch in seinem ersten Roman aus. Gott schütze Amerika ist eine Art Neo-Noir-Krimi, dessen Protagonist, der heruntergekommene Privatdetektiv Mike McGill für die US-Regierung nach einem sehr wertvollen, mystischen Buch suchen soll. Die Suche nach diesem Buch führt McGill quer durch die USA, wobei er Unmengen von verkommenen, abartigen, perversen oder sonstwie schrägen Vögeln begegnet. Die Gemeinschaft von Leuten, die auf Riesenreptilien stehen und zu Godzilla-Filmen onanieren, ist hier noch das harmloseste Beispiel.

Ellis präsentiert diesen Reigen kranker Figuren wie eine Liste, die Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Ähnlich wie diese grausamen Countdown-Shows im Fernsehen. Sein roter Faden, das gesuchte Buch, erweist sich als klassischer MacGuffin: Detektiv McGill ermittelt einen ehemaligen Besitzer des Buches und erfährt von ihm, wer es danach besessen hat. Nach dieser Masche springt Ellis von Station zu Station — kein besonders originelles Storytelling. Diese Schwäche wird jedoch weitgehend wettgemacht durch die nach und nach aufgebaute Charakterisierung der Hauptfigur und durch die sich anbahnende Lovestory zu McGills Sidekick, der nymphomanen Studentin Trix. Außerdem findet Ellis einen überraschend spannenden Showdown, der sich wie ein Heist-Movie liest.

Auch wenn der böse Sarkamus und die schier endlose Aneinanderreihung von Perversionen zwischendurch etwas ermüdend wirken, ist Gott schütze Amerika doch eine unterhaltsame Lektüre, vorausgesetzt man mag schwarzen Humor. Denn Ellis moralisiert nicht, er betrachtet sein Kabinett der Abgründe mit einem Augenzwinkern, wobei seine Holzhammer-Satire nicht gerade subtil daherkommt.

Sicher keine literarische Großtat, aber allemal flott geschriebenes Roman-Fastfood der eher abseitigen Art, das mich ziemlich gut unterhalten hat.

 

2 Gedanken zu „Warren Ellis: Gott schütze Amerika (Crooked Little Vein)

  1. hmm, den roman hatte ich auch schon auf meiner liste. nach deiner kritik rutscht er auf der prioritätenliste jedoch etwas weiter nach hinten… lust drauf hab ich allerdings immer noch

  2. war ja klar bei uns in der Stadtbib gibt es nur eine Fantastic Four Comic von ihm und keinen Roman :(
    Inhalationskost mag ich sehr gerne – am liebsten dann halt ausgeliehen :)

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