Auf DVD: Largo Winch – Tödliches Erbe

Nerio Winch ist ein milliardenschwerer Wirtschaftsboss, einer der reichsten Männer der Erde. Als er unerwartet stirbt, herrscht Krisenstimmung in seinem Konzern. Ein russischer Finanzmogul droht mit feindlicher Übernahme. Da zaubert die stellvertretende Vorstandschefin ein Kaninchen aus dem Hut: Nerio Winch hat, was bisher niemand wusste, einen Erben: den Adoptivsohn Largo Winch.

Jener Largo Winch jedoch ist kein smarter Nachwuchs-Geschäftsmann, der mit Harvard-Diplom und Wall Street Journal unterm Arm die Zentrale der Winch-Gruppe betritt. Largo ist ein junger, sportlicher, gutaussehender Draufgänger, der für Karriere und Business nie etwas übrig hatte und lieber um die Welt zieht, um fremde Länder und schöne Frauen kennenzulernen. Klar, dass er nicht besonders scharf darauf ist, die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Obendrein sitzt er gerade in einem brasilianischen Gefängnis.

Da Largo jedoch sicher ist, dass sein Vater ermordet wurde und er dessen Mörder finden möchte, nimmt er Reißaus und reist nach Hong Kong in die Konzernzentrale. Dort verlangen die Vorstandsmitglieder erst einmal Beweise, dass Largo der legitime Erbe ist. Dazu muss er eine Handvoll Wertpapiere vorlegen, die an einem geheimen Ort versteckt sind. Doch nicht alle Beteiligten wollen, dass Largo diese Papiere gelangt. Außerdem soll die feindliche Übernahme der russischen Korsky Korporation mit einem Gegenangriff verhindert werden. Und nebenbei will Largo auch noch ungeklärte Rätsel lösen, die in seiner Vergangenheit liegen.
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Es gibt also reichlich zu tun für den Helden in dieser Comicverfilmung. Ähnlich wie ein James-Bond-Film springt die Geschichte mehrfach quer über den Globus: Von Hong Kong nach Brasilien, nach Kroatien, nach Liechtenstein und wieder zurück. Die französische Produktion hatte für europäische Verhältnisse ein recht hohes Budget zur Verfügung, was man dem Film auch ansieht: exquisite Schauplätze, waghalsige Stunts und rasante Action-Choreographien.

Denn im Kern ist Largo Winch ganz klar ein Action-Film. Die Handlung dient als roter Faden, wichtiger sind jedoch Verfolgungsjagden, Explosionen, Schießereien und Handgemenge. Das ist tatsächlich gut gelungen: Die Action ist stimmig und basiert mehr auf altmodischer Handarbeit als auf digitalen Effekten, was dem Film sehr gut tut. Tomer Sisley in der Hauptrolle macht eine gute Figur als cleverer, aber niemals zu glatter Actionheld.

Bei der Geschichte muss man das ein oder andere Logikloch und ein paar Klischeefiguren schlucken, aber insgesamt hält das Drehbuch eine gute Balance zwischen Wirtschaftssthriller, besagter Action und der Suche von Largo Winch nach seiner eigenen Herkunft. Diese Selbstsuche verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene und gibt der Hauptfigur Tiefe. So kann Largo Winch dem Vergleich mit den teuren Materialschlachten aus Hollywood durchaus standhalten. Leider kann man diesen Vergleich bei uns nicht im Kino führen – auf der großen Leinwand kommt der Film sicher noch besser zur Geltung.

Seiner Vorlage, den Comics von Jean van Hamme und Philippe Francq, bleibt der Film in den groben Zügen des Plots treu, weicht dafür in den Details aber häufig ab. Die Filmversion hat andere Schauplätze, andere Figurenkonstellationen, vor allem aber stärkere Frauenfiguren und einen insgesamt moderneren Anstrich als die Comicserie, deren erster Band nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat.

Ein absolutes Must-See ist Largo Winch sicher nicht, aber wer gepflegtes Actionkino mit internationalem Flair mag, ist hier sehr gut aufgehoben. In Frankreich lief der Streifen mit großem Erfolg, so dass ein zweiter Teil bereits in Planung ist.

Zuerst erschienen bei Comicgate.