Es wird Zeit, diese kleine Reihe wiederzubeleben. Erstmal mit ein paar Lernerfolgen, die schon älter sind als eine Woche:
Die sehr angenehme Münchner Kneipe Substanz hat ein eigenes Radio: substanz-fm.com, toll!
In Frankfurt gibt es einen Laden, der sehr leckere belegte Brote verkauft. Also keine Brötchen, sondern richtig Brot. Will ich hier auch!
Es gibt Tiere, die sich einemsen, und keiner weiß warum. Diese und noch mehr tolle Sachen stehen im Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig und Aleks Scholz.
Der Pachtvertrag, den Arthur Guinness im Jahr 1759 für seine Brauerei in Dublin abgeschlossen hat, hat eine Laufzeit von 9.000 Jahren, die Pacht beträgt 45 Pfund pro Jahr.
Ein unglaublich überzeugender Plan für Verliebte, wie sie die Angebetete für sich gewinnen können (via @christophkoch)
Im Kino sehen: Cloudy with a Chance of Meatballs (Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen): 3D-Animationsfilm über einen verrückten Erfinder, der es schafft, dass es Essen regnet, damit die Leute nicht immer nur Sardinen essen müssen. Der Film (basierend auf einem Bilderbuch aus den Siebzigern) ist ganz klar ein Kinder- bzw. Familienfilm, legt dabei eine sehr angenehme Schrägheit an den Tag, so dass ihn Mark Kermode als “David Lynch for Kids” bezeichnet. Das reicht mir eigentlich schon als hinreichender Grund, ihn anzusehen.
Sherlock Holmes: Gleichermaßen ersehnt wie gefürchtet: Sherlock Holmes durch die Brille von Guy Ritchie, mit Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Watson. Allzu große Werktreue darf man hier wohl nicht erwarten, dafür superschick in Szene gesetzte Faustkämpfe, tolle Kulissen und eine Prise Humor. Mag ich sehen.
Vielleicht mal im Fernsehen: Die Frau mit den 5 Elefanten (DT): Filmporträt der 76jährigen Swetlana Geier, die als die Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche gilt, u.a. hat sie Dostojewski neu übersetzt. Für Leute, die Sprache mögen, dürfte das ein sehr toller Film sein.
The Last Station (Ein russischer Sommer): Exquisite Besetzung (Helen Mirren, Christopher Plummer, Paul Giamatti, James McAvoy) für ein (für mich persönlich) eher uninteressantes Thema. Ich zitiere aus Faulheit den Pressetext: “Die bewegende, faszinierende Geschichte der großen, dramatischen Liebe zwischen Leo Tolstoi und seiner Frau Sofia. Eine Geschichte, die von Leidenschaft, Ehe, Familie, Geiz, Intrigen und Revolution handelt. Und die auf mal humorvolle, mal dramatische Weise zeigt, wie schwierig es ist zu lieben, wie gleichzeitig unmöglich es jedoch ist, ohne die Liebe zu leben.”
New York, I love you: Kurzfilm-Compilation mit elf Liebesgeschichten in New York City. Wie beim Vorgängerprojekt Paris, je t’aime gibt’s hier wieder namhafte Regisseure (Fatih Akin, Mira Nair, Natalie Portman[!]) und Schauspieler (Scarlett Johansson, Ethan Hawke, John Hurt). Bestimmt sind da ein paar Perlen drunter, ziemlich sicher aber auch mittelmäßige oder doofe Beiträge. Die Produzenten wollen das Ding derweil zum Franchise ausbauen: In Planung sind Shanghai, I Love You, Jerusalem, I Love You und Rio, Eu Te Amo.
Universalove: Der Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2009: Die wirklich tolle Band Naked Lunch aus Klagenfurt hat sich mit Regisseur Thomas Woschitz zu einem Filmprojekt zusammengetan, in dem an verschiedenen Schauplätzen Episoden über die Liebe erzählt werden. Bebilderte Musik oder andersrum? Keine Ahnung, vielleicht ist es auch völlig ausreichend, sich das Album anzuhören.
Muss nicht sein: Kan door huid heen (Can go through skin): Wieder einer dieser Filme mit nur einer Kopie. In diesem Fall ein schwermütiges Arthousedrama aus den Niederlanden, über eine Frau die sich mehr und mehr von ihrer Umwelt abschottet.
Berlin - Stettin: Dokumentarfilmer Volker Koepp fährt in die Uckermark und besucht die Protagonisten seiner früheren Filme. Das Ergebnis ist Rückschau, Metafilm und Porträt einer Landschaft und ihrer Menschen. David Siems schreibt bei programmkino.de: “Eine sehr spezielle Dokumentation über einen vergessenen Landstrich, die vor allem eines erfordert: Geduld.”
Partir (Die Affäre): Beziehungsdrama aus Frankreich mit Kristin Scott Thomas als Ehefrau, die ihrem Mann eine Affäre gesteht. Und dann wird’s dramatisch, denn der Gatte kämpft mit harten Bandagen. Vielleicht nicht schlecht, aber ganz definitiv nichts für mich.
Porgy & Me: Doku über ein Ensemble aus Harlem, das mit Gershwins Porgy & Bess um die Welt tourt. Hebt sehr stark darauf ab, dass es sich hier um schwarze Musiker handelt. Der film-dienst sah eine “zerfahrene Dokumentation, mit seltsamen Ansichten und einem konstruierten Konflikt.”
De l’autre côté du lit (Auf der anderen Seite des Bettes): Hausfrau (Sophie Marceau) und Karrieremann tauschen für ein Jahr die Rollen. Hallo Frankreich, welches Jahr schreibt ihr denn grade? Irgendwas in den Siebzigern? Unglaublich, das man mit so einem High Concept im Jahr 2010 noch durchkommt. SpOn meint: “Erschütternd geistlos”. Rochus Wolff sieht das bei critic.de differenzierter: “Auf der anderen Seite des Bettes ist klüger, als die Oberfläche zeigt, und fällt keineswegs auf ein Geschlechterverständnis hinein, das Frauen und Männern feste, angeblich biologisch begründete Eigenschaften und Aufgaben zuordnet.”
Benjamin, Anfang 20, macht Rucksackurlaub mit einem Kumpel in Kambodscha. Rumhängen mit anderen Backpackern, Ausflüge, abends Rausch und Disko in Phnom Penh. Dort lernt er ein Mädchen kennen, eine Einheimische, die Deutsch spricht. Sie spricht ihn an, sie landen im Bett, sie bittet um Geld, er zahlt. Bis hierhin vermutlich recht alltäglich. Besonders wird diese Geschichte dann, wenn sich daraus mehr als ein Urlaubsflirt entwickelt. Benjamin verliebt sich in Sreykeo, besucht ihre ärmlich lebende Familie, und als er wieder in Deutschland ist, bleiben sie in Kontakt.
Als er bei einem Anruf erfährt, dass Sreykeo HIV-positiv ist, spricht rational einiges dafür, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Aber Benjamin macht das Gegenteil. Heute sind beide verheiratet, leben abwechselnd in Deutschland und Kambodscha und halten das Virus in Schach. Benjamin Prüfer hat darüber zuerst einen Artikel in NEON und später ein Buch geschrieben, das jetzt von Detlev Buck verfilmt wurde.
Und das Ergebnis ist, wider Erwarten, ein ziemlich gelungener Film über eine unwahrscheinliche Liebe. David Kross in der Hauptrolle gefiel mir außerordentlich gut, auch Apinya Sakuljaroensuk als Sreykeo spielt toll. Sehr gut ist Same Same But Different immer dann, wenn er sich in Kambodscha aufhält. Buck findet ungewöhnliche Perspektiven und vermittelt ein Bild dieses Landes, das weder nach ZDF-Länderspiegel noch nach Fremdenverkehrsprospekt aussieht.
Von den Szenen, die in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg, spielen, lässt sich das leider nicht sagen. Fast alles wirkt hier gestellt, gequält und synthetisch, ganz besonders die Redaktion, in der Benjamin ein Praktikum macht: bevölkert von Rollkragenpulli-tragenden Hipstern, die in winzigen Cubicles sitzen und altkluge Reden schwingen. Da atmet man regelrecht auf, wenn es wieder nach Kambodscha geht. Zwar wird auch hier nicht jedes Klischee umschifft (die Backpacker!), trotzdem erscheint alles viel wirklicher (wobei das natürlich auch täuschen kann — ich war noch nie in Asien und vielleicht gehe ich dem Film hier einfach nur auf den Leim).
Seine Lovestory inszeniert der Film sehr unaufdringlich und ohne jedes Pathos. Weder Glücksgefühle noch schlimme Nachrichten werden übermäßig aufgeladen, sondern eher mit einer gewissen Beiläufigkeit präsentiert. Hier hilft auch die gelungene Musikauswahl von Konstantin Gropper alias Get Well Soon und der Humor, den Detlev Buck immer wieder mal einstreut, bevor es allzu bedeutungsschwanger wird. Ob die Promi-Cameos von Mario Adorf oder Olli Dittrich dem Film eher schaden oder dienen, darüber kann man sicher streiten (ich musste jedenfalls grinsen).
Insgesamt ist Same Same But Different kein fehlerfreier Topfilm, aber eine durchaus sehenswerte Umsetzung eines interessanten Themas, das man auch ganz schlimm an die Wand hätte fahren können. Ich meine, stellnse sich mal vor, Döris Dörrie hätte das verfilmt. Oder man hätte einen Event-TV-Zweiteiler mit Vroni Ferres draus gemacht …
Abspann: Während Buck den Detlev konsequent weglässt, lässt sich der feine Herr Dittrich tatsächlich “Oliver Dittrich” nennen.
Im Kino sehen: A Serious Man: Das Leben von Larry Gopnik, jüdischer Physikprofessor, nimmt eines Tages eine jähe Wendung — von da an stößt ihm ununterbrochen Schlimmes zu. Pflichtprogramm, der neue Film der Coen Brothers, diesmal ohne große Stars. Nicht so albern wie Burn After Reading und nicht so blutig wie No Country For Old Men, dafür aber wohl sehr böse und gleichzeitig sehr komisch. Coen eben.
Auf die DVD warten: Same Same But Different: Der neue Film von Detlev Buck, wieder mit David Kross, den er vor ein paar Jahren als Hauptdarsteller von Knallhart quasi entdeckt hat. Der Film basiert auf dem autobiografischen Buch Wohin Du auch gehst von Benjamin Prüfer, welches wiederum seinen Ursprung in dieser NEON-Reportage von 2006 hatte. Ich hab den Film schon vorab gesehen (Review folgt) und muss sagen: Er ist zwar nicht perfekt, funktioniert aber als überzeugende, interessante, gut gemachte und gut gespielte Liebesgeschichte. Kann man sich anschauen.
It’s Complicated (Wenn Liebe so einfach wäre): Je älter die Protagonisten, desto erträglicher/amüsanter ist die RomCom. Klingt nach gewagter These, ist aber gar nicht so abwegig, finde ich. Autorin und Regisseurin Nancy Meyers hat dieses Feld schon mit Something’s Gotta Give recht erfolgreich bearbeitet. Hier spielen Glenn Close Meryl Streep und Alec Baldwin ein geschiedenes Paar, das sich neu verliebt, und diesen beiden sieht man eigentlich immer sehr gerne zu. Steve Martin ist auch noch dabei.
Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich): Comicverfilmung mit Bruce Willis, die ihrer gelungenen Vorlage wohl nicht das Wasser reichen kann, wie Christian Meyer im film-dienst sehr schön herausarbeitet. Das Setting klingt jedenfalls ziemlich cool: Im Jahr 2054 bleiben die Leute zuhause und lassen die täglichen Verrichtungen von künstlichen Avataren erledigen. Man führt sein Leben mit perfekten Ersatzkörpern. Einschließlich Mord und Polizeiarbeit, womit wir wieder bei Bruce Willis wären.
Vielleicht mal im Fernsehen: La Vida Loca (La Vida Loca - Die Todesgang): Doku über brutale Jugendgangs in El Salvador. Dürfte harter, aber interessanter Stoff sein. Der Regisseur lebt inzwischen nicht mehr, er wurde im Herbst 2009 auf offener Straße erschossen.
Élève libre (Privatunterricht): Ein Teenager erhält Nachhilfestunden von den drei Freunden seiner Mutter, einschließlich Sexualkunde. Läuft nur in einem Kino (Frankfurt) und wurde bisher kaum besprochen. Frédéric Jaeger schreibt bei critic.de: “[Regisseur Lafosse] wiegt den Zuschauer zunächst in Sicherheit, um ihn dann mit umso mehr Wucht mit einem aufkeimenden Unbehagen zu konfrontieren.”
Muss nicht sein: Vorstadtkrokodile 2: Ich bin nicht die Zielgruppe und habe hier gar nichts zu melden. Teil 1 war wohl erfolgreich genug für eine Fortsetzung, die nun sehr wie ein deutsches Update der Goonies daherkommt. Für mich alten Herrn ist der Trailer jedenfalls von Anfang bis Ende peinlich.
Ich bin kein großer Freund der amerikanischen Sitcom, habe nie eine Folge Friends oder King of Queens gesehen, aber mir gefallen die etwas moderneren, pfiffigeren Varianten wie Scrubs sehr gut. Von 30 Rock hatte man schon viel Gutes gehört, so dass ich mich sehr freute, dass der neue Sender ZDFneo die Serie in sein Programm zum Sendestart genommen hatte. Schon allein dafür hat sich die Sendergründung für mich gelohnt.
Tina Fey (Erfinderin, Hauptdarstellerin, Autorin und Produzentin der Serie) hatte ich zum ersten Mal bei einer Emmy-Verleihung gesehen (ihre Sarah-Palin-Parodie kenne ich bis heute nicht) und wusste auf Anhieb, dass mir ihre Serie gefallen würde. 30 Rock spielt hinter den Kulissen einer fiktiven Late-Night-Show, die auf dem (nicht fiktiven!) Network NBC läuft, und schöpft einen guten Teil ihres Humors daraus, dass Realität und Drehbuch hier recht nah beieinander liegen. Die Serie macht sich ständig über die Fernsehbranche und deren Figuren lustig, und dabei spielt es eine wichtige Rolle, dass nicht alles frei erfunden ist. NBC gibt es eben wirklich, und deshalb treffen Gags, die auf Kosten des Senders gehen (der 30 Rock ja selbst ausstrahlt) gleich viel besser ins Schwarze.
Tina Fey ist Liz Lemon, Chefautorin der Comedy-Show TGS with Tracy Jordan und hat eine sehr stressige Aufgabe, denn sie muss ständig vermitteln zwischen eitlen, exzentrischen Fernsehstars (allen voran Tracy Jordan, gespielt von Tracy Morgan), den Autoren, die für die Show Gags und Sketche schreiben, und ihrem Boss Jack Donaghy aus der NBC-Chefetage, großartig gespielt von Alec Baldwin.
Die gute Besetzung ist schonmal das erste Plus von 30 Rock. Die Sitcom punktet außerdem mit hohem Tempo und sehr spritzigen Dialogen, in denen die gesamte Palette vom leicht zotigen Schenkelklopfer über die angekündigte Punchline bis zum nebenbei fallengelassenen, absurden Nebengag ausgeschöpft wird. Hauptthema (neben Woody-Allenesken New Yorker Großstadt-Neurosen) ist natürlich das Entertainment-Business mit all seinen Abgründen. Hier macht sich das Fernsehen permanent über sich selbst lustig, Tina Fey hat jahrelang den gleichen Job ausgeübt, den nun ihre Figur Liz Lemon hat: Sie arbeitete als Chefautorin bei Saturday Night Live, weiß also genau, wovon sie redet. Und man kann davon ausgehen, dass auch alle anderen Autoren, die an 30 Rock mitschreiben, entsprechende Erfahrung haben. Die Sendung ist also wunderbar meta, was natürlich für das Publikum nur dann toll ist, wenn es über genügend Kenntnisse verfügt, um die ganzen Insidergags, Fernseh- und Popkultur-Referenzen wenigstens teilweise zu verstehen. Dem deutschen Zuschauer entgeht ganz sicher die ein oder andere Anspielung (was bestimmt mit dazu beigetragen hat, dass lange Zeit kein deutscher Sender die Reihe zeigen wollte), ein wenig Grundwissen über US-TV und die Entertainment-Industrie sollte man schon mitbringen.
Das wichtigste aber, wie wahrscheinlich bei jeder guten Sitcom, sind die Figuren, und die funktionieren bei 30 Rock perfekt. Natürlich ist jeder einzelne Charakter eine Karikatur, mal mehr (Kenneth) und mal weniger (Pete) stark überzeichnet. Das tolle aber ist, dass selbst Figuren, die anfänglich als totale Kotzbrocken angelegt sind (allen voran Jack Donaghy), im Laufe der Serie immer sympathischer werden und dem Zuschauer ans Herz wachsen, ohne dass ihr Charakter eine 180-Grad-Wendung macht. Hier belohnt die Reihe ihr Stammpublikum, das nicht nur gelegentlich einschaltet. Anders als die meisten anderen (mir bekannten) Sitcoms arbeitet 30 Rock auch dezent mit Continuity, also mit fortlaufenden Handlungssträngen, die über mehrere Folgen laufen. Ebenfalls ein Bonus für Stammzuschauer, aber nichts, was den Gelegenheitsgucker stören muss.
Ich finde übrigens, dass die deutsche Synchronfassung hier überraschend gut funktioniert. Das Voice-Cast passt, und man hat den Eindruck, dass hier keine lieblose Fließbandarbeit gemacht wurde, sondern Leute an der Synchro saßen, die die Serie ebenfalls sehr mögen.
Im Original läuft die Serie bei NBC, derzeit in der vierten Staffel. Auf ZDFneo startete letzte Woche die zweite Staffel, morgen abend laufen Episode 2 und 3, dann u.a. mit Gaststar Steve Buscemi. Ich freu mich schon.
Auf die DVD warten: The Visitor (Ein Sommer in New York - The Visitor): Richard Jenkins (der tote Vater aus Six Feet Under) spielt einen Witwer, der in seiner Wohnung eines Tages zwei illegale Einwanderer vorfindet. Er freundet sich mit ihnen an und wird durch deren Offenheit und Lebenseinstellung zu einem besseren Menschen. Das riecht verdammt streng nach einem gutmenschelnden, nach Oscars schielenden Stück Hollywood-Kitsch, um das man besser einen Bogen macht. Der Autor und Regisseur jedoch lässt Besseres erwarten, Thomas McCarthy hat vor Jahren den schönen Station Agent gemacht und außerdem am Drehbuch von Pixars Up mitgeschrieben. Und die Kritiken sind fast durchgehend positiv.
Vielleicht mal im Fernsehen: Jagdzeit - Den Walfängern auf der Spur: Die Dokumentation begleitet das Greenpeace-Schiff Esperanza auf seinem Einsatz gegen Walfang im Südpolarmeer. Message-Film, Greenpeace-PR, Heldenverehrung? Angenehmerweise wohl nicht, denn die Mission war ein Fehlschlag. Der film-dienst schreibt: “Die bodenständig-ungeschönte, glaubwürdige Darstellung lässt den Idealismus der Umweltschützer umso sympathischer erscheinen.”
Muss nicht sein: Süt - Milk: Nicht ganz meine Tasse Tee, aber qualitativ vielleicht der beste Film der Woche. Süt ist anspruchsvoller türkischer Autorenfilm über einen jungen Mann, der mit seiner Mutter auf dem Land lebt und arbeitet — bedacht mit Festivalpreisen und Kritikerlob. Der Trailer hilft dem potentiellen Zuschauer leider nicht weiter, wie so oft bei europäischem Kunstkino gibt’s da nur Bilder und keinerlei Text.
Oscar Niemeyer - a vida é um sopro (Oscar Niemeyer - Das Leben ist ein Hauch): Doku über den inzwischen 102-jährigen Architekten Oscar Niemeyer. Very Special Interest.
Friendship!: Zwei Ossis reisen kurz nach dem Mauerfall in die USA. Semi-autobiographisches Buddy-Roadmovie, das mit Klischees nicht geizt und zwischendurch immer wieder in American-Pie-Humor abdriftet, diesen Eindruck macht zumindest der Trailer.
Nanga Parbat: Okay, Bergfilme haben durchaus ihren Reiz, die umstrittene Geschichte der Überschreitung des Nanga Parbat 1970 bietet genug menschliches Drama für eine Verfilmung. Leider dient der Film auch als persönliches Rechtfertigungsinstrument von Yeti-Kumpel Reinhold Messner (natürlich unterstützt mit öffentlichen Geldern aus allerlei FIlmförderungstöpfen) und dann wird das Ding auch noch von Josef Vilsmaier inszeniert, was dann endgültig als Gegenargument reichen sollte.
Old Dogs (Old Dogs - Daddy oder Deal): Sowohl Robin Wiliams als auch John Trawolta haben irgendwann einen Pakt mit dem Teufel abgeschlossen, der besagt, dass für jeden besseren Film, in dem sie dabei sind, mindestens fünf Gurken fällig sind. So wie diese Komödie hier zum Beispiel, in der die beiden wegen irgendeiner doofen Drehbuchidee zur Kinderbetreuung eingespannt werden und sich natürlich als komplett ungeeignet erweisen. Wer’s im Jahr 2010 noch lustig findet, wenn Golfbälle in männliche Weichteile fliegen, gehört zur Zielgruppe. Tomatometer-Wert: 6 Prozent.
Im Kino sehen: The Imaginarium of Doctor Parnassus (Das Kabinett des Dr. Parnassus): Der neueste Streich von Terry Gilliam. Was ihm bei den Dreharbeiten zum Verhängnis wurde (der plötzliche Tod von Hauptdarsteller Heath Ledger), hat er auf kreative Weise gelöst (Ledgers Parts werden teilweise ersetzt durch Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell) und dient jetzt in den Medien als Super-Aufhänger für die Berichterstattung, so dass vermutlich auch Gala- und Bunte-Leser von dem Film erfahren dürften. Wobei diese mit Gilliams surreal-überkandidelt gesponnenem Garn vermutlich wenig anfangen können. Ich aber freue mich drauf.
Auf die DVD warten: Nord: Wenn Filme aus Skandinavien zu uns kommen, sehen sie meistens so aus: Karge Landschaften und überaus sympathisch verkorkste Vögel. So auch hier, in dem selbsternannten “anti-depressiven Off-Road-Movie”. Ein depressiver Alki fährt mit dem Schneemobil durchs winterliche Norwegen, um seinen Sohn zu suchen. Könnte mir gefallen.
Gamer (Gamer - Play or be played): Überstilisierte Action von den Crank-Schöpfern Neveldine/Taylor: Gerald Butler als Häftling, der sich in einem Realität gewordenen Ego-Shooter von einem Jugendlichen am PC fernsteuern lässt. Großartig oder totaler Mist? Die einen sagen so, die anderen so. Interessieren tut’s mich allemal, allerdings frage ich mich, ob man ohne jede Videospielerfahrung Spaß an dem Film haben kann.
Cirque du Freak: The Vampire’s Assistant (Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire): Hurra, die nächste Teenager-Vampir-Filmreihe kommt! Allerdings sieht das hier — zum Glück — eher nach Buffy als nach Twilight aus, mit viel Ironie und John C. Reilly als Vampir. Ist wahrscheinlich weder großes Kino noch große Filmkunst, aber unterhaltsam könnte es durchaus sein.
Vielleicht mal im Fernsehen: El niño pez (Das Fischkind): Lesbische Coming-of-Age-Geschichte aus Argentinien. Regisseurin Lucia Puenzo hatte zuvor mit XXY recht viel Aufmerksamkeit erregt. Den Kritiken zufolge scheint der Film recht komplex zu sein und den Zuschauer zu fordern. Was ja nichts Schlechtes ist.
13 Semester: Deutsche Komödie, die ein komplettes Studentenleben abbilden möchte und dabei genau so cool sein will wie ein amerikanischer Highschool-Film. Und den Zuschauer garantiert nicht besonders fordert.
Muss nicht sein: Das Zimmer im Spiegel: Deutsche Low-Budget-Produktion (ohne TV- und Fördergelder) über eine Jüdin, die in der Nazizeit auf einem Dachboden versteckt gehalten wird. Der Film spielt komplett auf diesem Dachboden und ist laut film-dienst ein “surreales, klaustrophobisches Kammerspiel, das sein geringes Budget durch seine einfallsreiche und suggestive Inszenierung wett macht”. Für mich ist das nichts, aber vielleicht für jemand anders.
Joueuse (Die Schachspielerin): Zimmermädchen lässt sich von einem gutsituierten Professor Schachspielen beibringen und wird dadurch zu einem anderen Menschen. Europäisches Feelgood-Drama für etwas ältere Kinogänger, banale Küchentischweisheiten inklusive: “Wenn man ein Risiko eingeht, kann man verlieren. Wenn man kein Risiko eingeht, verliert man auf jeden Fall”, heißt es im Trailer. Ja genau, und nachts ist es kälter als draußen.
Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya: Der gefühlt hundertfünfzigste Dokumentarfilm über Tibet und weise buddhistische Mönche. Irgendwann muss da doch mal ein Sättigungseffekt eintreten?
Did you hear about the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?): Die nächste belanglose RomCom, diesmal mit einem knapp vor der Scheidung stehenden Ehepaar (Grimassenschneider Hugh Grant und Sex-and-the-City-Ikone Dingsbums), das in ein Zeugenschutzprogramm kommt und deshalb von der Polizei zu einem gemeinsamen Aufenthalt auf dem Lande genötigt wird. Den Rest kann man sich ja denken.
Feiertag in Bayern. Saukalt draußen. Eine gute Gelegenheit, mal wieder eine Reihe von Kurzfilmen und Clips wegzugucken. Bei mir waren das heute nachmittag diese hier:
Sicher kein Geheimtipp mehr, wurde ja bereits überall herumgereicht. Ein wunderbar geschnittener Rückblick auf das (US-) Filmjahr 2009. Dijkhuizen ist allerdings nicht der Erfinder dieses Genres, sondern nur ein sehr guter Epigone. Vorreiter ist Matt Shapiro, der diese Form des Jahresrückblicks schon länger betreibt. Angefangen hat der 2006 mit 14 Jahren, und er wird immer besser. Sein 2009-Clip ist noch eine Spur eleganter als der von Dijkhuizen:
Diese Clips sind wirklich gut zum mehrmals gucken. Während man beim ersten Mal vermutlich damit beschäftigt sein wird, möglichst viele Filme zu erkennen, kann man beim Nochmal-Schauen besser auf den Schnitt achten, und wie sich die einzelnen Ausschnitte zueinander und zur Musik verhalten. Freue mich schon auf die 2010er-Ausgaben.
(via filmtagebuch)
Sehr schöner Animations-Kurzfilm eines Pixar-Mitarbeiters über ein Mädchen, das eine Puppe in einem Schaufenster entdeckt, die genau aussieht wie sie selbst. Zuerst recht niedlich, dann ganz schön unheimlich.
(via Butt-Kicking Babes)
Belgischer Zeichentrick von 2004: In einem vierfach geteilten Split-Screen blicken wir 10 Minuten auf das Geschehen in vier benachbarten Mietwohnungen. Sehr minimalistisch und sehr witzig.
(via the gaffer)
Sehr nette Agentenfilmparodie mit Taube. Natülich nicht ganz so großartig animiert wie ein Pixar-Film, und auch nicht ganz so charmant, aber nahe dran. Für ein Freizeitprojekt sehr beachtlich.
(via Woohoomania)
Ein Mann kommt in die U-Bahn und beginnt eine Ansprache. Es ist jedoch nicht die übliche Bettelnummer, sondern eine live gesprochene Kontaktanzeige. Schöner Kurzfilm mit einer feinen Pointe.
(via the gaffer)
Wunderschön animierter, sehr abgründiger Stop-Motion-Puppentrickfilm über die nächtliche Zugfahrt einer alleinstehenden Dame.
(via Filmtagebuch)
Sigg Jones von Douglas Lassance, Jonathan Vuillemin und Matthieu Bessudo
Rasante und ideenreiche, digital animierte Kampf-Action. Großer Spaß. Oder, mit den Worten der Macher: “A 3D urban tale with men and magic.”
(via Glaserei)
Eine 2-minütige Sachgeschichte über die Firmenhistorie von Google. Großartig animiert und so vollgepackt mit Infos, dass man das Ding eigentlich in Zeitlupe gucken müsste.
(via Spreeblick)
Die österreichische Sendung ohne Namen, die ich 2006 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt entdeckt hatte, nämlich kurz vor ihrer Einstellung, erscheint wieder ein bisschen auf der Bildfläche. Für eine Greenpeace-Aktion zum Klimaschutz schnipselten David Schalko und Fred Schreiber in bewährter Manier ein Video zusammen. Zwar mit mainstreamtauglicher moralischer Botschaft und nicht allzu subversiv, aber trotzdem mit dem typischen SoN-Touch: ca. 1 Schnitt pro Sekunde und eine fröhlich auf- und zuschnappende Text-Bild-Schere.
Und das Schöne ist: diesmal ist es auch im Internet zu sehen. Genau das ist nämlich das Problem bei Schalkos und Schreibers Beiträgen: Es ist wohl unmöglich, sich bei all den kleinen Einzelteilen urheberrechtlich entsprechend abzusichern, drum gibt es (offiziell) kein SoN-Material im Netz. Das ist wohl auch der Grund, dass in der Online-Ausgabe der schönen Show Willkommen Österreich (mit Stermann und Grissemann) regelmäßig ein Element fehlt: nämlich der obligatorische Einspieler vom Schneidetisch der Herren Schalko und Schreiber.
Hier nun aber der angekündigte Beitrag für Greenpeace: