Im TV: 30 Rock, Staffel 1

Ich bin kein großer Freund der amerikanischen Sitcom, habe nie eine Folge Friends oder King of Queens gesehen, aber mir gefallen die etwas moderneren, pfiffigeren Varianten wie Scrubs sehr gut. Von 30 Rock hatte man schon viel Gutes gehört, so dass ich mich sehr freute, dass der neue Sender ZDFneo die Serie in sein Programm zum Sendestart genommen hatte. Schon allein dafür hat sich die Sendergründung für mich gelohnt.

Tina Fey (Erfinderin, Hauptdarstellerin, Autorin und Produzentin der Serie) hatte ich zum ersten Mal bei einer Emmy-Verleihung gesehen (ihre Sarah-Palin-Parodie kenne ich bis heute nicht) und wusste auf Anhieb, dass mir ihre Serie gefallen würde. 30 Rock spielt hinter den Kulissen einer fiktiven Late-Night-Show, die auf dem (nicht fiktiven!) Network NBC läuft, und schöpft einen guten Teil ihres Humors daraus, dass Realität und Drehbuch hier recht nah beieinander liegen. Die Serie macht sich ständig über die Fernsehbranche und deren Figuren lustig, und dabei spielt es eine wichtige Rolle, dass nicht alles frei erfunden ist. NBC gibt es eben wirklich, und deshalb treffen Gags, die auf Kosten des Senders gehen (der 30 Rock ja selbst ausstrahlt) gleich viel besser ins Schwarze.

Tina Fey ist Liz Lemon, Chefautorin der Comedy-Show TGS with Tracy Jordan und hat eine sehr stressige Aufgabe, denn sie muss ständig vermitteln zwischen eitlen, exzentrischen Fernsehstars (allen voran Tracy Jordan, gespielt von Tracy Morgan), den Autoren, die für die Show Gags und Sketche schreiben, und ihrem Boss Jack Donaghy aus der NBC-Chefetage, großartig gespielt von Alec Baldwin.

Die gute Besetzung ist schonmal das erste Plus von 30 Rock. Die Sitcom punktet außerdem mit hohem Tempo und sehr spritzigen Dialogen, in denen die gesamte Palette vom leicht zotigen Schenkelklopfer über die angekündigte Punchline bis zum nebenbei fallengelassenen, absurden Nebengag ausgeschöpft wird. Hauptthema (neben Woody-Allenesken New Yorker Großstadt-Neurosen) ist natürlich das Entertainment-Business mit all seinen Abgründen. Hier macht sich das Fernsehen permanent über sich selbst lustig, Tina Fey hat jahrelang den gleichen Job ausgeübt, den nun ihre Figur Liz Lemon hat: Sie arbeitete als Chefautorin bei Saturday Night Live, weiß also genau, wovon sie redet. Und man kann davon ausgehen, dass auch alle anderen Autoren, die an 30 Rock mitschreiben, entsprechende Erfahrung haben. Die Sendung ist also wunderbar meta, was natürlich für das Publikum nur dann toll ist, wenn es über genügend Kenntnisse verfügt, um die ganzen Insidergags, Fernseh- und Popkultur-Referenzen wenigstens teilweise zu verstehen. Dem deutschen Zuschauer entgeht ganz sicher die ein oder andere Anspielung (was bestimmt mit dazu beigetragen hat, dass lange Zeit kein deutscher Sender die Reihe zeigen wollte), ein wenig Grundwissen über US-TV und die Entertainment-Industrie sollte man schon mitbringen.

Das wichtigste aber, wie wahrscheinlich bei jeder guten Sitcom, sind die Figuren, und die funktionieren bei 30 Rock perfekt. Natürlich ist jeder einzelne Charakter eine Karikatur, mal mehr (Kenneth) und mal weniger (Pete) stark überzeichnet. Das tolle aber ist, dass selbst Figuren, die anfänglich als totale Kotzbrocken angelegt sind (allen voran Jack Donaghy), im Laufe der Serie immer sympathischer werden und dem Zuschauer ans Herz wachsen, ohne dass ihr Charakter eine 180-Grad-Wendung macht. Hier belohnt die Reihe ihr Stammpublikum, das nicht nur gelegentlich einschaltet. Anders als die meisten anderen (mir bekannten) Sitcoms arbeitet 30 Rock auch dezent mit Continuity, also mit fortlaufenden Handlungssträngen, die über mehrere Folgen laufen. Ebenfalls ein Bonus für Stammzuschauer, aber nichts, was den Gelegenheitsgucker stören muss.

Ich finde übrigens, dass die deutsche Synchronfassung hier überraschend gut funktioniert. Das Voice-Cast passt, und man hat den Eindruck, dass hier keine lieblose Fließbandarbeit gemacht wurde, sondern Leute an der Synchro saßen, die die Serie ebenfalls sehr mögen.

Im Original läuft die Serie bei NBC, derzeit in der vierten Staffel. Auf ZDFneo startete letzte Woche die zweite Staffel, morgen abend laufen Episode 2 und 3, dann u.a. mit Gaststar Steve Buscemi. Ich freu mich schon.

 

2 Gedanken zu „Im TV: 30 Rock, Staffel 1

  1. Hab mich sehr auf die ZDFneo-Ausstrahlung gefreut, die erste Folge gesehen, mich nur bedingt gut amüsiert und die nächste Folge verpennt, weshalb ich es dann ganz sein ließ. Vermutlich zu vorschnell und ich werde der Serie sicher noch eine zweite Chance einräumen, aber zumindest der Pilotfilm ließ meiner Ansicht nach noch nicht das vielbeschriene Genie erahnen. Und einen gelungenen Auftakt brauche ich bei einer Sitcom einfach, siehe die tolle Pilotfolge von „How I Met Your Mother“.

  2. Bei mir ist es genau umgekehrt, ganz speziell bei Comedy-Serien. Da brauche ich mindestens zwei Folgen, um mich einzuswingen. Schließlich geht es oft weniger um Plots, als um Charaktere und um Figurenkonstellationen. Und die lassen sich in 1x 22 Minuten nicht so leicht aufbauen. Bei mir hat 30 Rock auch erst ab der 3. Folge funktioniert, dann aber richtig gut.

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