Im Kino: Same Same But Different

Benjamin, Anfang 20, macht Rucksackurlaub mit einem Kumpel in Kambodscha. Rumhängen mit anderen Backpackern, Ausflüge, abends Rausch und Disko in Phnom Penh. Dort lernt er ein Mädchen kennen, eine Einheimische, die Deutsch spricht. Sie spricht ihn an, sie landen im Bett, sie bittet um Geld, er zahlt. Bis hierhin vermutlich recht alltäglich. Besonders wird diese Geschichte dann, wenn sich daraus mehr als ein Urlaubsflirt entwickelt. Benjamin verliebt sich in Sreykeo, besucht ihre ärmlich lebende Familie, und als er wieder in Deutschland ist, bleiben sie in Kontakt.

Als er bei einem Anruf erfährt, dass Sreykeo HIV-positiv ist, spricht rational einiges dafür, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Aber Benjamin macht das Gegenteil. Heute sind beide verheiratet, leben abwechselnd in Deutschland und Kambodscha und halten das Virus in Schach. Benjamin Prüfer hat darüber zuerst einen Artikel in NEON und später ein Buch geschrieben, das jetzt von Detlev Buck verfilmt wurde.

Und das Ergebnis ist, wider Erwarten, ein ziemlich gelungener Film über eine unwahrscheinliche Liebe. David Kross in der Hauptrolle gefiel mir außerordentlich gut, auch Apinya Sakuljaroensuk als Sreykeo spielt toll. Sehr gut ist Same Same But Different immer dann, wenn er sich in Kambodscha aufhält. Buck findet ungewöhnliche Perspektiven und vermittelt ein Bild dieses Landes, das weder nach ZDF-Länderspiegel noch nach Fremdenverkehrsprospekt aussieht.

Von den Szenen, die in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg, spielen, lässt sich das leider nicht sagen. Fast alles wirkt hier gestellt, gequält und synthetisch, ganz besonders die Redaktion, in der Benjamin ein Praktikum macht: bevölkert von Rollkragenpulli-tragenden Hipstern, die in winzigen Cubicles sitzen und altkluge Reden schwingen. Da atmet man regelrecht auf, wenn es wieder nach Kambodscha geht. Zwar wird auch hier nicht jedes Klischee umschifft (die Backpacker!), trotzdem erscheint alles viel wirklicher (wobei das natürlich auch täuschen kann — ich war noch nie in Asien und vielleicht gehe ich dem Film hier einfach nur auf den Leim).

Seine Lovestory inszeniert der Film sehr unaufdringlich und ohne jedes Pathos. Weder Glücksgefühle noch schlimme Nachrichten werden übermäßig aufgeladen, sondern eher mit einer gewissen Beiläufigkeit präsentiert. Hier hilft auch die gelungene Musikauswahl von Konstantin Gropper alias Get Well Soon und der Humor, den Detlev Buck immer wieder mal einstreut, bevor es allzu bedeutungsschwanger wird. Ob die Promi-Cameos von Mario Adorf oder Olli Dittrich dem Film eher schaden oder dienen, darüber kann man sicher streiten (ich musste jedenfalls grinsen).

Insgesamt ist Same Same But Different kein fehlerfreier Topfilm, aber eine durchaus sehenswerte Umsetzung eines interessanten Themas, das man auch ganz schlimm an die Wand hätte fahren können. Ich meine, stellnse sich mal vor, Döris Dörrie hätte das verfilmt. Oder man hätte einen Event-TV-Zweiteiler mit Vroni Ferres draus gemacht …

Abspann: Während Buck den Detlev konsequent weglässt, lässt sich der feine Herr Dittrich tatsächlich „Oliver Dittrich“ nennen.

 

2 Gedanken zu „Im Kino: Same Same But Different

  1. Doch doch. Dr. Allwissend sagt:

    „Cameos are often noncredited due to their shortness or because of a perceived mismatch between the celebrity’s stature and the film or TV show in which he or she is appearing.“

    Also „often“, nicht „always“.

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