Archive for März, 2010

Trailerschau für Filmstarts vom 4.3.

Im Kino sehen:
Alice in Wonderland (Alice im Wunderland): Tim Burton könnte auch die AGB von T-Mobile verfilmen, ich würd’s mir ansehen. Sein neuer Film ist ein Big-Budget-3D-Spektakel, das den Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll nicht direkt adaptiert, sondern fortschreibt. Mit Einschränkungen sehr gelungen und sehenswert, siehe meine Filmkritik.

The Men who stare at Goats (Männer, die auf Ziegen starren): Lose basierend auf einem Sachbuch geht es hier um eine geheime Spezialeinheit der US-Army, die sich in esoterischen Psi-Praktiken übt. Top besetzt mit Jeff Bridges, George Clooney, Kevon Spacey und Ewan McGregor. Wenn der Film humormäßig hält, was der Trailer verspricht, freue ich mich sehr darauf.

Auf die DVD warten:
Crazy Heart: Nochmal Jeff Bridges, und dazu noch die bezaubernde Maggie Gyllenhall. Es geht um einen abgehalfterten, saufenden Ex-Country-Star, der noch einmal ein Comeback angeht, weshalb der Film öfter mit The Wrestler verglichen wird. Bridges wird sich für diesen Film am Sonntag seinen Oscar abholen. Die Story scheint mit den Schauspielerleistungen nicht ganz mithalten zu können und Country ist jetzt auch nicht so mein Ding. Für einen guten DVD-Abend sollte das aber allemal ausreichen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Der Räuber: Basierend auf der wahren Geschichte von “Pumpgun-Ronnie”, der zwei Lieblingsbeschäftigungen hatte: Marathonlaufen und Banken ausrauben. Von Benjamin Heisenberg im Stil der “Berliner Schule” umgesetzt als sehr nüchternes und kühles Drama über einen Getriebenen, der nicht anders kann. Einer der wenigen Filme auf der letzten Berlinale, die fast einhellig gelobt wurden, z.B. von Lukas Foerster beim Perlentaucher. Sicher ein bisschen sperrig, aber bestimmt sehenswert.

Boxhagener Platz: Der “Berliner Heimatfilm” spielt 1968 in Ost-Berlin, im Mittelpunkt stehen ein 12-jähriger Junge und seine Oma. Die komische Milieustudie wird von der Kritik überwiegend gelobt, vor allem auch deshlab, weil sie ohne nervige Ostalgie auskommt.

Pink Taxi: In Moskau gibt es ein Taxiunternehmen, dessen Fahrezuge rosa angestrichen sind, alle Fahrer sind weiblich, und die Passagiere meistens auch. Der Dokumentarfilmer Uli Gaulke porträtiert Chauffeurinnen und Fahrgäste.

Muss nicht sein:
Hier kommt Lola!: Ordentliches Kinderkino für Mädchen, basierend auf einer erfolgreichen Buchreihe. Zum Glück weit weg von rosaroter Lillifee-Niedlichkeit: “Kotzkacke blöde, fett fischig stinkende, furzfiese Kuh!” Hätte ich kleine Nichten, würd ich mit ihnen reingehen.

Henri 4: Deutsch-französischer Historienschinken von Jo Baier nach dem Romanzweiteiler von Heinrich Mann (der auch in anderer Schnittfassung als TV-Mehrteiler kommen wird). Es geht um König Henri IV von Frankreich, der sich um ein vernünftiges Miteinander von Katholiken und Protestanten verdient gemacht hat. Der Film scheint einen gehörigen Trash-/Camp-Faktor zu haben, was manche Kritiker durchaus toll finden, andere gar nicht. Rüdiger Suchsland meint: “Ein billig wirkender, langatmiger, in vielem hundsmiserabler Film, und eine Verschwendung von Fördergeld, wie man sie lange nicht erlebt hat.”

Zwischen Himmel und Erde – Anthroposophie heute: Schweizer Doku über die Follower von Rudolf Steiner, die sieben Einzelpersonen beobachtet und zu Wort kommen lässt, darunter immerhin auch einen Ex-Anthroposophen, der die Bewegung heute kritisiert.

Engel mit schmutzigen Flügeln: Ein recht eigenartiges Ding: unabhängig finanzierte deutsche Indie-Produktion um drei Frauen, die ein ungezügeltes Leben mit viel Motorrad und Sex führen wollen. Der Berliner Tip bezeichnet den Film als “populär-esoterischen Sexploitation-Essay”. Würde vermutlich keinen Menschen interessieren, wenn Bild hier keinen Pseudo-Skandal angezettelt hätte.

Im Kino: Alice in Wonderland (Alice im Wunderland)

DISNEYs Alice in Wonderland steht groß auf den Plakaten, und in 3D kommt er daher. Man könnte also befürchten, dass hier ein grellbuntes Popcornspektakel für Kinder auf dem Programm steht und man nicht viel davon merkt, wer Regie geführt hat: Tim Burton nämlich, der bekanntlich für eher düster-morbide Stoffe steht. Die Furcht ist allerdings unbegründet: zwar geht seine Alice durchaus als Popcornspektakel durch, aber Burton hat deutlich seine Fußabdrücke hinterlassen.

Schon in den Büchern von Lewis Carroll ist das Wunderland keine rosarote Heitidei-Welt, sondern hat seine verstörenden und erschreckenden Seiten. Diese hebt Burton nun hervor, was zur Folge hat, dass der Film für sehr kleine Kinder eher nicht geeignet ist (die FSK-Freigabe “ab 12″ finde ich trotzdem überraschend — genauere Infos für Eltern gibt’s bei der britischen BBFC, die ein PG-Certificate vergeben hat). Alice in Wonderland ist keine direkte Adaption der beiden bald 150 Jahre alten, x-mal verfilmten Bücher von Lewis Carroll, sondern eine Fortschreibung, die den Konventionen des modernen Fantasyfilms folgt und trotzdem den Geist der Carroll’schen Vorlage bewahrt.

Die Titelheldin ist hier kein kleines Mädchen mehr, sondern eine 19jährige junge Frau, die gerade einen öffentlichen Heiratsantrag von einem schnöseligen Adligen bekommt. Aus der peinlichen Situation flieht sie, indem sie dem berühmten weißen Kaninchen in seinen Bau folgt. Von nun an sind wir in Underland, wo Alice schon sehnlichst erwartet wird. Nur ganz dunkel kann sie sich erinnern, schon einmal hier gewesen zu sein. Aber eigentlich dachte sie, das sei nur im Traum gewesen (und als kleines Mädchen hatte sie offenbar den Namen “Underland” falsch verstanden). Es sieht nicht gut aus in Underland: die Rote Königin (fantastisch gemimt von Helena Bonham-Carter) hat eine Schreckensherrschaft errichtet, unterdrückt und terrorisiert ihr Volk, auch mit Hilfe des schrecklichen Monsters Jabberwocky. Alice sei auserwählt, so sagt man ihr, mit Hilfe eines magischen Schwertes das Monster zu besiegen und das Volk zu befreien.

Hier sind wir auf ganz und gar klassischem Fantasy-Terrain: Der Held, bzw. die Heldin, der es vorbestimmt ist, das Böse zu besiegen, nachdem ein magischer Gegenstand gefunden und von A nach B gebracht worden ist. Dieser allzu vorhersehbare Standardplot, der in ein etwas seelenloses Finale mündet, ist die größte Schwäche des Films. Bei Carroll ist davon nichts zu lesen: seine Bücher haben kein klares Gut-gegen-Böse-Schema und folgen keinem stringenten Handlungsfaden, sondern springen scheinbar willkürlich von Szene zu Szene. Das wollten die mächtigen Hollywood-Bosse dann wohl doch nicht. Ansonsten aber blieb bei dieser sauteuren Produktion erfreulich viel Burton- und Carroll-Geschmack übrig. Wohlbekannte Figuren wie die Cheshire-Katze, das Raupentier, Tweedledee und Tweedledum und natürlich der verrückte Hutmacher, von Johnny Depp mit viel Freude am Overacting verkörpert, sorgen für die richtige Atmosphäre, es gibt reichlich skurrilen Humor und immer wieder schöne Anspielungen auf das Original. Die englische Fassung (die ich hiermit jedem sehr ans Herz lege) ist mit wunderbaren Sprechern für die digital animierten Fabelwesen besetzt: der Bass von Alan Rickman und die schmeichlerische Stimme von Stephan Fry als Grinsekatze sind herrlich anzuhören.

Auch optisch kann sich Alice in Wonderland sehen lassen. Underland und seine Bewohner sind größtenteils am Rechner entstanden und animiert und fügen sich stilistisch gut ins Gesamtwerk von Tim Burton ein. Die Verschmelzung von Real- und Animationsfilm erreicht dabei fast Avatar‘sche Qualitäten. 3D ist hier, wie eigentlich immer, ein nettes Zusatzfeature, das aber nicht unbedingt sein muss. Es ist klar, dass dieses High-Tech-Design nicht den Charme entfaltet, den z.B. Burtons Stop-Motion-Film Corpse Bride auszeichnet. Das ist schade, aber alles in allem macht Alice in Wonderland viel zu viel Spaß, um sich darüber lange zu grämen. Down the rabbit hole!

Oscar-Prognose 2010

Die Firma, die gutschein-codes.de betreibt, hat Filmblogger eingeladen*, ihre Prognose für die Oscars 2010 abzugeben. Für richtige Tipps gibt es Punkte, für falsche gibt es Minuspunkte, deshalb sind hier nicht alle Kategorien aufgeführt. Hier sind meine Tipps für Sonntagnacht:

Bester Film: Avatar
Beste Regie: Kathryn Bigelow – The Hurt Locker
Bester Hauptdarsteller: Jeff Bridges – Crazy Heart
Beste Hauptdarstellerin: Sandra Bullock – Blind Side
Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz – Inglourious Basterds
Beste Nebendarstellerin: Mo’Nique – Precious
Bestes Originaldrehbuch: Mark Boal – The Hurt Locker
Bestes adaptiertes Drehbuch: Jason Reitman und Sheldon Turner – Up in the Air
Bester Animationsfilm: Up – Pete Docter
Bester fremdsprachiger Film: Un prophète – Frankreich
Bester animierter Kurzfilm: Wallace & Gromit: A Matter of Loaf and Death – Nick Park
Bestes Szenenbild: Avatar – Rick Carter, Robert Stromberg und Kim Sinclair
Beste Kamera: Avatar – Mauro Fiore
Bester Dokumentarfilm: The Cove – Louie Psihoyos und Fisher Stevens
Bester Schnitt: Inglourious Basterds – Sally Menke
Beste Filmmusik: Up – Michael Giacchino
Bester Filmsong: „The Weary Kind“ (Crazy Heart) – Ryan Bingham und T-Bone Burnett
Bester Ton: Avatar
Bester Tonschnitt: Avatar
Beste visuelle Effekte: Avatar – Joe Letteri, Stephen Rosenbaum, Richard Baneham und Andrew R. Jones

(Ich wünsche mir so sehr, dass ich mit meinem “Best Picture”-Tipp danebenliege. Aber ich fürchte, dass die Chancen für Avatar gut stehen, vor allem weil man in dieser Kategorie auf 10 Nominierungen aufgestockt hat. Das heißt wahrscheinlich, dass sich die Stimmen für die Konkurrenz verteilen werden und Cameron schon mal eine Dankesrede in Na’vi-Sprache einstudieren kann. Leider.)
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* Disclosure: Ich bekomme für die Teilnahme an diesem Tippspiel einen 15-Euro-Gutschein geschenkt.

Letzte Woche gelernt (14)

  • Auf Prince of Persia wird man verzichten können. Auf einer Pressevorführung letzte Woche wurden 20 Minuten vorab gezeigt. Mein Eindruck: seelenloses Effektspektakel, ein in sandgelb getauchter Mix aus Fantasy, Action und Orientklischees. Bruckheimer halt.
  • Es ist wichtig für Jörg Haider zu beten. Damit Gott uns die Kraft gibt und zum Ziel führt, aber auch damit Jörg Fürsprache für unsere Seelen einlegen kann. Je mehr wir beten, umso mehr Wunder (auch wichtig für die Selig- und Heiligsprechung) kann es geben!

    … sagt die Dr. Jörg Haider Gebetsliga. Kein Scheiß!

  • Chang and Eng Bunker, auf die der Begriff “Siamesische Zwillinge” zurückgeht, lebten nach einer Showkarriere in den 1830 Jahren als Farmer auf dem Land in North Carolina und gründeten dort zusammen mit zwei Schwestern zwei Familien. Bizarr, aber erfolgreich: sie teilten sich ein Bett für vier und bekamen zehn bzw. elf Kinder. Als sich die Frauen zerstritten, bezog man getrennte Häuser und Chang und Eng lebten jeweils drei Tage hier, drei Tage dort. Genial.
    (habe ich, zusammen mit viel anderem unnützen Wissen, aus Britannica & ich von A.J. Jacobs, steht aber natürlich auch hier.)

  • Uncoole Werbung macht coole Leute uncool. So wie Christoph Grissemann und seine Mobilfunk-Spots.
  • Man sollte wieder mehr Kinks hören.