Im TV: Interview

Der 2004 ermodete niederländische Regissseur Theo van Gogh drehte 2003 einen Film, der vier Jahre später ein amerikanisches Remake bekam, mit Steve Buscemi als Regisseur und männlicher Hauptdarsteller (als kleiner Tribut an den Urheber steht einmal ein Umzugstransporter mit der Aufschrift „van Gogh“ im Bild).

Interview ist ein klassisches Zwei-Personen-Stück, das sich überwiegend in einem Raum abspielt und problemlos auch auf einer Bühne inszeniert werden könnte. Buscemi spielt den Journalisten Pierre Peters, einen Politikreporter, der vom Boss verdonnert wird, ein B-Promi-Schauspielersternchen zu interviewen, für das er sich überhaupt nicht interessiert. Die junge Frau, Katja Schuurman, wird gespielt von Sienna Miller, der man auch nicht übermäßig unrecht täte, würde man sie selbst als B-Promi-Schauspielersternchen bezeichnen — in dieser Hinsicht eine geniale Besetzung. Nach einem desaströsen und schnell abgebrochenen Interview-Versuch in einem Restaurant landen die beiden eher zufällig gemeinsam in Katjas Wohnung, wo sich dann der Hauptteil des Films abspielt.

Unterstützt von Scotch und Koks entwickelt sich zwischen Katja und Pierre, die sich anfangs so gar nicht leiden können, ein Seelenstriptease, der in gegegenseitigen Geständnissen gipfelt. Am Ende hat jeder dem anderen ein Geheimnis anvertraut, von dem bis dahin niemand anders gewusst hatte — aber letztlich spielen beide mit gezinkten Karten, und der Twist am Ende lehrt uns, dass man in diesem Business niemals jemandem vertrauen darf.

Eine reichlich pessimistische Sicht, so pessimistisch wie der ganze Film. Naturgemäß sehr dialoglastig und trotz 80 Minuten Spielzeit in der Mitte etwas länglich geraten, gewinnt der Film durch sein hinterfotziges Ende und das gute Spiel seiner beiden Hauptdarsteller. Buscemi hat’s einfach drauf, diese Sorte von leicht abgehalfterten, aber noch nicht ganz kaputten, mittelalten Typen zu verkörpern.

Aus der Reihe Filme in zehn Sätzen.