Auf DVD: The Haunted World of El Superbeasto (Rob Zombies El Superbeasto)

Rob Zombie ist ein echter Hansdampf in allen Gassen des (un-) gepflegten Entertainments. Schon seit den 80ern als Heavy-Metal-Musiker aktiv, widmet er sich seit einigen Jahren als Regisseur dem Horrorfilm (House of 1000 Corpses und zuletzt zwei Halloween-Remakes). Zwischen 2003 und 2004 schrieb er die nicht besonders langlebige Comicserie Rob Zombie’s Spookshow International. Dort tauchte regelmäßig El Superbeasto auf, ein mexikanischer Lucha-Wrestler, der zwischendurch immer mal wieder als Superheld gebraucht wird (ein Sammelband erschien 2007 bei Image Comics, auf Deutsch sind die Comics nicht erhältlich).

Bereits 2006 begann Rob Zombie mit der Produktion eines Zeichentrickfilms, der direkt auf DVD erscheinen sollte. Nach etlichen Verzögerungen ist dies im letzten Herbst auch gelungen und ab sofort ist der Film auch bei uns zu bekommen. El Superbeasto ist ein völlig überdrehter, 75minütiger Comedy-Trip, bei dem es vor allem darum geht, Dinge zu präsentieren, die man in Zeichentrickfilmen in der Regel nicht sieht: Blut, Splatter, Kraftausdrücke und enorme unverhüllte weibliche Brüste. Echten Horror oder echte Erotik will man hier aber nicht präsentieren, hier werden einfach alle verfügbaren Trash-Klischees geplündert, um soviele Gags wie möglich aneinander zu reihen.

Dass die Handlung bei einem Projekt wie diesem eine eher unwichtige Rolle spielt, dürfte klar sein, trotzdem gibt es einen roten Faden, der sich durch den Film zieht: Der fiese Bösewicht Dr. Satan (Ziel: Weltherrschaft, logisch) muss eine unheilige Braut finden, um die Macht der Hölle zu entfesseln, und lässt zu diesem Zweck die Stripperin Velvet von Black entführen, die daraufhin von El Superbeasto gerettet werden muss. Dabei hilft ihm sein sexy Sidekick Suzi X, die sich allerdings auch noch gegen eine Armee von Nazi-Zombies und einen notgeilen Roboter wehren muss.

Die Gags in El Superbeasto sind größtenteils sehr albern und pubertär (Pupswitze gibt’s auch!), auf jeden gelungenen Scherz kommt mindestens ein halbes Dutzend miese Kalauer. Allerdings legt der Film ein derart rasantes Tempo und eine ausgesprochen hohe Gagdichte an den Tag, dass man unterm Strich trotzdem sehr gut unterhalten wird. Am gelungensten sind sicher die immer wieder eingestreuten Musical-Einlagen, gesungen vom Comedy-Musikduo Hard ’n Phirm. Wenn diese zum Beispiel den Kampf von Suzi X gegen die Nazi-Zombies im Stil der „literal music videos“ musikalisch begleiten, ist das tatsächlich äußerst komisch. Sehr schade, dass man davon nur mit guten Englischkenntnissen etwas hat: Für die deutsche Version erstellte man zwar eine ordentliche und prominent besetzte Synchronfassung mit Oliver Kalkofe und Martina Hill aus Switch Reloaded, verzichtete jedoch komplett auf eine Übersetzung der Musikstücke. Sicher, eingedeutschte Songs wären bestimmt sehr gruselig geworden, aber für Untertitel hätte es schon reichen können.

Was die Animation angeht, orientiert sich El Superbeasto an TV-Serien wie Spongebob oder Rockos modernes Leben. Gelegentlich erinnert der Stil auch mal an Ren & Stimpy, jedoch ohne die grandiose Verrücktheit dieser Trickserie zu erreichen. Interessant für alle, die sich genauer mit der Animation befassen wollen, ist das Special Feature auf der DVD: In der „Work in Progress Fassung“ lässt sich der komplette Film in einer Version ansehen, die aus Rohmaterial in verschiedenen Stadien der Produktion zusammengeschnitten wurde. Insgesamt ist der Film vergleichsweise aufwendig produziert und kann auch im Original mit prominenten Sprechern aufwarten (allen voran Paul Giamatti als Dr. Satan).

Unterm Strich ist Rob Zombies El Superbeasto wahrlich kein Meilenstein des Erwachsenen-Zeichentrickfilms geworden – subtilen Humor sucht man vergebens und die parodistischen Elemente sind eher platte Verarsche als feinsinnige Hommage. Immerhin sorgt das hohe Tempo dafür, dass kaum Langeweile aufkommt und man zwischen allerlei Busen- und Peniswitzen auch immer wieder gute Gags serviert bekommt. Wer gehobene Ansprüche sausen lassen und seinen inneren 15jährigen freilassen kann, wird hier vortrefflich unterhalten.

Zuerst erschienen bei Comicgate.