Archive for Mai, 2010

Trailerschau für Filmstarts vom 27.5.

Auf die DVD warten:
Gentlemen Broncos: Vom Regisseur des hierzulande immer noch viel zu unbekannten “Kultfilms” Napoleon Dynamite, Jared Hess. Der erweitert sein Freak-Universum mit einem Science-Fiction-Fan, der ein Schreibseminar bei einem Bestsellerautor besucht, welcher ihm dann prompt die Romanidee klaut. Angenehm schräg neben der Spur. Stefan Höltgen meint, der Film sei “zauberhaft und man sollte ihn auf keinen Fall verpassen.” Wird leider schwer, weil er nur in sehr wenigen Kinos läuft.

Vielleicht mal im Fernsehen:
The Crazies (The Crazies – Fürchte Deinen Nächsten): Unter den unzähligen Horrorstreifen der 70er und 80er, die nun von (Ex-) Werbefilmern fürs junge Publikum neu gedreht werden, scheint dieses Remake hier ausnahmsweise eher gelungen zu sein. Ihm wird (nicht von allen, aber von einigen) bescheinigt, ziemlich sehenswert und sogar besser als das Original von George R. Romero zu sein. Die weißgott nicht mehr neue Idee vom Virus, das Infizierte zu kaltblütigen Mördern macht, funktioniert also wohl wieder mal ganz gut. Ein echtes Muss ist der Film aber bestimmt nicht.

HalbZeit – Vom Traum ins Leben: Teil 2 eines Langzeitprojekts, das verschiedene Fußballspieler über mehrere Jahre begleitet. In Die Champions (2003) ging es um junge Talente von Borussia Dortmund. Heute sind sie Mitte 20, einer von ihnen, Florian Kringe, spielt beim BVB in derBundesliga. Für die anderen lief es weniger rund. Wenn die Trilogie mal abgeschlossen ist, hat man bestimmt einen interessanten, realistischen Blick auf die nicht so glamourösen Aspekte des Profifußballs.

Postcard to Daddy: Ein Filmemacher erzählt davon, wie er als Kind vom Vater missbraucht wurde und holt ihn schließlich sogar vor die Kamera. Harter Stoff. Mehr dazu beim KulturSpiegel.

Muss nicht sein:
La Pivellina: Eine italienische Schaustellerfamilie findet zufällig ein kleines Kind, das von seinen Eltern offenbar ausgesetzt wurde. Ich kann ja mit derlei Sozialdramen nicht viel anfangen, aber die Kritik mag den Film.

Versailles: Und hier kann man fast nochmal das gleiche schreiben wie eben, nur dass es hier ein Obdachloser ist, der in der Nähe von Schloss Versailles lebt und sich unverhofft um einen kleinen Jungen kümmern muss.

Die Eroberung der inneren Freiheit (DT): Doku über das Projekt „Sokratische Gespräche“ in einer Berliner JVA. Schwerverbrecher beim Philosophieren. Interessante Idee, aber über 80 Minuten vielleicht doch etwas nervig.

Tandoori Love: Crossover aus Bollywood, Schweizer Heimatfilm und Food porn. Wenn Klischees aufeinanderprallen, kann das schöne Momente produzieren, aber am Ende bleiben’s dann doch Klischees.

Vølvens forbandelse (Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe): Familienfreundliche Fantasy aus Dänemark. Brav, bieder und billig, dem Trailer nach zu urteilen.

Sex and the City 2: Auf die erste Staffel folgte die zweite Staffel folgte die dritte folgte die vierte, fünfte, sechste, folgte der Kinofilm. Und weil die Leute immer noch nicht genug haben von dieser filmgewordenen Hochglanzfrauenzeitschrift, folgt nun die Fortsetzung, mit freundlicher Unterstützung der Tourismuszentrale der Vereinigten Arabischen Emirate. Wer Erfolg hat, hat Recht.

Trailerschau für Filmstarts vom 20.5.

Auf die DVD warten:
De helaasheid der dingen (Die Beschissenheit der Dinge): Verfilmung eines autobiographischen Romans aus Belgien, in dem der Autor von seiner Jugend in einem sehr speziellen Milieu erzählt: er wuchs bei seiner Oma, seinem versoffenen Vater und dessen ebenso versoffenen Brüdern auf, was genug Stoff sowohl für tragische als auch komische Momente bieten dürfte.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Le père de mes enfants (Der Vater meiner Kinder): … ist ein hochverschuldeter Filmproduzent, der sich das Leben nimmt und eine Frau und drei Kinder hinterlässt. Der Film zeigt, wie die plötzlich vaterlose Familie mit diesem Verlust leben und umgehen muss.

Leningrad – Der Mann, der singt: Porträt einer sehr bekannten Punkband aus Russland, wo solche Musik und solches Auftreten wohl wirklich noch das Potential zur Provokation haben. Schaut interessant aus.

Quartier lointain (Vertraute Fremde): Ein älterer Mann wacht plötzlich im Körper seines 14-jährigen Ichs auf, zurückversetzt in die 60er Jahre. Verfilmung eines sehr guten Manga von Jiro Taniguchi, bei der allerdings alles verwestlicht und nach Frankreich verlegt wurde. Und irgendwie erweckt der Trailer den Eindruck eines gekünstelten Kitschdramas, den die Comicvorlage überhaupt nicht hat.

Keep Surfing: Wenn man in München Besuch hat und nicht weiß, was man ihnen zeigen soll, schickt man sie zum Eisbach, den Surfern zugucken. Hat zweifellos was faszinierendes, Surfer mitten in der Stadt, die Welle ist inzwischen weltbekannt, und ein Film darüber war wohl nur noch eine Frage der Zeit. Mich haben die Surfer immer nach wenigen Minuten gelangweilt, ins Kino muss ich dafür bestimmt nicht. Zumal auch dieser Film nicht ohne die quasi-religiöse Verherrlichung der ach so unangepassten, freiheitsliebenden Wellenreiter auskommt.

Einaym Pkuhot (Du sollst nicht lieben): Orthodoxer jüdischer Metzger verliebt sich in seinen attraktiven Lehrling und hat schwere Gewissensnöte. Durchweg lobende Rezensionen, wenn man auf solche schweren Dramen steht, sicher einen Besuch wert.

Muss nicht sein:
Prince of Persia: The Sands of Time (Prince of Persia – Der Sand der Zeit): Jake Gyllenhall als Held mit einem Dolch, der die Zeit zurückdrehen kann. Effektreiche Videospielverfilmung mit Orient- und 1001-Nacht-Flair, aber letztlich wohl doch bloß ein blutleerer Plastik-Blockbuster aus dem Hause Disney, produziert von Jerry Hauruckheimer. Bei der Pressevorführung von Alice im Wunderland gab’s knappe 20 Minuten draus zu sehen. War für mich völlig ausreichend.

A Nightmare on Elm Street: Die Horror-Remake-Welle ist nun bei den ganz großen Ikonen der 80er angekommen. Ich habe tatsächlich keinen der Original-Nightmare-Filme gesehen und bin auch hier schlicht und einfach desinteressiert. Rajko, einer der größten Freddy-Fans der deutschen Filmblogosphäre, schreibt bei den F5 vom “Tiefpunkt einer nicht enden wollenden Remakeflut”.

Trailerschau Nachklapp

Die letzten Wochen zerrten andere Betätigungen und Verpflichtungen leider stark an meinem Zeitbudget, so dass die letzten drei Folgen der Trailerschau ausfallen mussten. Die Filmstarts vom 20. Mai werden wieder im gewohnten Rahmen abgefrühstückt werden, zuvor noch eine kleine, ganz subjektive Auswahl von Filmen der letzten drei Wochen, die hier nicht genannt wurden, aber aus meiner Sicht interessant sind (gesehen hab ich von den genannten bisher nur Iron Man 2 und Mr. Fox):

Gestartet am 29.4.:
Sin Nombre: Mexikanischer Film, der sowohl von brutalen Streetgangs als auch von der Flucht vieler junger Mexikaner in die USA erzählt. Wird gerne mal verglichen mit City of God, hat aber nicht dessen poppig-stylishen Stil, was gar kein Mangel sein muss.

Gestartet am 6.5.:
Iron Man 2: Teil 1 fand ich wirklich toll, ein rundum gelungener Superheldenfilm, mit dem damals niemand gerechnet hätte. Diesmal sind die Erwartungen deutlich höher, und erfüllt werden sie nur zum Teil. Das Sequel ist ein solider Blockbuster ohne große Überraschung, mit einigen netten Momenten und sehr viel eher langweiliger Action.

David Wants To Fly: Filmemacher David Sieveking begibt sich auf die Spuren seines Idols David Lynch und landet beim Yogischen Fliegen, bei der Sekte des Maharishi Mahesh Yogi. Sieht nach einer ironischen und recht vergnüglichen Doku über Sektenirrsinn aus. David Lynch war angeblich nicht amüsiert.

The Exploding Girl: Kleine, leise US-Indie-Produktion über eine 20-jährige Epileptikerin und die Beziehung zu ihrem – bislang – platonischen besten Freund.

Gestartet am 13.5.:
The Fantastic Mr. Fox (Der fantastische Mr. Fox): Wes Anderson! Roald Dahl! George Clooney! Ganz, ganz wunderbarer, herrlich altmodischer und detailverliebter Stop-Motion-Animationsfilm. Weit davon entfernt, “nur” ein Kinderfilm zu sein. Ich habe ihn auf dem ITFS in Stuttgart gesehen und war sehr begeistert. Absolute Empfehlung!

Robin Hood: Ich bin kein ganz großer Ridley-Scott-Fan, aber manchmal dreht er richtig gute Filme. Gleiches gilt für Russell Crowe. Fan von Ausstattungs-intensiven Historienschinken bin ich auch nicht, aber auch hier gibt es so manche Perle. Ob Robin Hood eine solche ist, weiß ich nicht, aber der Trailer hat was. Das Wohltuende: hier geht es eben nicht zum x-ten Male um den edlen, strumpfbehosten Rächer der Enterbten, sondern mehr um seine Vorgeschichte. Und: Cate Blanchett spielt mit!

ITFS: Im Trickreich


Filmstill aus Bill Plymptons Horn Dog.
Foto: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart

Wow. So viele Filme, so wenig Zeit. Kein Wunder, dass ich das Internationale Trickfilm-Festival in Stuttgart bisher nicht angemessen im Blog würdigen konnte. Das Programm ist derart umfassend, dass man im Prinzip täglich von 11 Uhr morgens bis spät in die Nacht ohne Unterbrechung Trickfilme schauen könnte. Das ITFS ist das größte deutsche Festival seiner Art und angeblich auch das zweitgrößte der Welt (Quelle leider verschlampt), ist sehr gut besucht und bietet eine wahre Fundgrube für kreatives (Trick-) Filmemachen mit insgesamt ca. 500 Beiträgen aus aller Welt. Von kleinen, experimentellen 30-Sekunden-Clips bis zum abendfüllenden Trickfilm aus Hollywood mit Millionenbudget. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich für Animationsfilme interessiert, einmal hierherzukommen — es lohnt sich sehr!

Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Kurzfilmproduktionen. 44 davon traten — aufgeteilt auf 5 Sessions, die mehrmals wiederholt wurden — im “Internationalen Wettbewerb” an. Als ähnlich umfangreiche Nebenreihen gibt es “Young Animation” mit Beiträgen, die fast alle aus dem Umfeld von Film- und Kunsthochschulen kommen, “Tricks for Kids” mit Animationsbeiträgen für Kinder (der Preis in dieser Sektion wird von einer Jury aus sechs Kindern vergeben) sowie die Reihen “Panorama” und “Best of Animation”, in denen Beiträge gesammelt werden, die nicht mehr nagelneu sind. Außerdem gibt es eine Themenreihe zu Propaganda-Trickfilmen.

Bei den Langfilmen kann man natürlich nicht mit dieser Masse protzen. Ein paar mehr hätten es aber schon sein dürfen. Der Animovie-Wettbewerb bestand nur aus acht Beiträgen (darunter vier ausgewiesene Kinderfilme), von denen einer ohnehin nächste Woche in die deutschen Kinos kommt. Letzterer — Wes Andersons Fantastic Mr. Fox — ist dafür auch ein ganz wunderbarer und großartiger Film, den ich sofort ins Herz geschlossen habe.

Drumherum gibt es Workshops, Vorträge, Kinderprogramme, und ein kostenloses Open-Air-Kinoprogramm auf dem Schlossplatz. Ein perfekter Ort, Stuttgarts zentralster Platz, direkt neben dem Kinokomplex gelegen, in dem das Festival stattfindet. So trägt man das Festival in die Öffentlichkeit und macht Werbung für den Animationsfilm. Schade nur, dass erst am vorletzten Abend das Wetter halbwegs Open-Air-tauglich war. Zuvor herrschten Regen und nächtliche Tiefstwerte nahe dem Gefrierpunkt. Die Öffentlichkeitsarbeit scheint dennoch gut zu funktionieren, denn in den Kinosälen sieht man nicht nur das zahlreich anwesende Fachpublikum und viele Filmstudenten, sondern durchaus auch viele “normale” Zuschauer, darunter etliche Familien mit Kindern.

Soviel zu meinen allgemeinen Eindrücken. Demnächst folgt eine Auswahl aus guten Kurzfilmen, die im Web verfügbar sind, sowie Reviews zu den gesehenen Langfilmen.

Der ASB auf dem 17. Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart

Heute abend beginnt in Stuttgart das 17. ITFS, das bis einschließlich Sonntag dauert und hunderte von kurzen und langen Trickfilmen aus aller Welt zeigt. Meines Wissens ist das ITFS das größte deutsche Festival für Animationsfilm und zählt auch weltweit zu den wichtigsten Veranstaltungen auf diesem Gebiet. Ich kenne das Festival noch nicht, werde aber ab Donnerstag vier Tage lang dort sein, viele viele Filme gucken und sowohl hier im Blog als auch bei Twitter drüber schreiben.