Archive for August, 2010

Im Kino: Toy Story 3

Das Trickfilmstudio Pixar verdankt seinen guten Ruf nicht nur der herausragenden technischen und inhaltlichen Qualität seiner Filme, sondern auch der Tatsache, dass es als ein kreativer Leuchtturm gilt, der immer wieder durch neue Ideen und originelle Geschichten überzeugt — Fortsetzungen sind bei Pixar eher verpönt, obwohl man vermutlich aus jedem einzelnen Pixar-Film eine oder mehrere erfolgreiche Fortsetzungen pressen könnte.

Der einzige Film des Studios, der bislang ein Sequel bekommen hatte, war Toy Story, mit dem vor 15 Jahren die Pixar-Erfolgsgeschichte begonnen hatte. Mit Toy Story 2 legte man einen zweiten Teil vor, der dem Original das Wasser reichen konnte, vielleicht sogar noch eine Steigerung darstellte. Dass nun auch der dritte Teil ebenfalls so überzeugen kann wie seine Vorgänger, macht Toy Story zu einer der ganz wenigen Trilogien der Filmgeschichte, deren Qualität über alle drei Teile konstant hoch ist.

Toy Story 3 bringt uns zurück zu der Spielzeugbande rund um Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear. Viel zu tun haben sie nicht mehr, denn ihr Besitzer Andy ist kein Kind mehr. Bald geht er aufs College und zieht von zuhause aus. Die Spielsachen müssen zuerst befürchten, auf dem Müll zu enden, landen aber schließlich als Sachspende in einem Kindergarten. Ihre Vorfreude, endlich wieder für leuchtende Kinderaugen sorgen zu können, schlägt bald in Horror um: dass die Kinder alles andere als pfleglich mit dem Spielzeug umgehen, wäre noch zu verschmerzen. Doch der Kindergarten entpuppt sich bald als regelrechtes Gefängnis, das vom rosa Kuschelbären Lotso wie von einem Diktator geführt wird.

Der Film entwickelt sich damit zu einem astreinen Knastdrama, das alle Zutaten dieses Genres enthält. Ein Ausbruchsplan muss geschmiedet werden, Loyalitäten werden auf die Probe gestellt, und der Weg in die Freiheit ist voller Rückschläge und höchst bedrohlicher Situationen. Regisseur Lee Unkrich inszeniert dieses familientaugliche Prison Break in rasantem Tempo und mit viel Suspense, gelegentlich scheinen sogar kleine Horror-Elemente durch: die Babypuppe mit dem kaputten Auge ist gruseliger als es Chucky je war, wird aber noch getoppt durch den Schellenaffen mit dem irren Blick, vor dem man wirklich ein wenig Angst bekommen kann.

Doch Toy Story 3 lebt längst nicht allein von Action und Spannung, sondern vor allem von witzigen Dialogen, schönen Charaktermomenten und von ein paar wunderbaren, neu eingeführten Figuren: allen voran Barbie und Ken, denen die Autoren eine ganze Reihe herrlicher Gender-Gags auf den Plastikleib geschrieben haben. Auch die Spielzeuge, die sich als Schauspieler am Theater verstehen, sind eine tolle Idee. Und der Kniff, den despotischen Kindergarten-Diktator ausgerechnet ins Gewand eines rosaroten Plüschbären, der nach Himbeeren riecht, zu stecken, ist ebenfalls großartig.

Das alles würde schon für einen ordentlichen Film reichen, zum sehr guten Film wird TS3 aber erst durch die extreme Sorgfalt und Detailliebe, die Pixar immer wieder an den Tag legt. Die gilt natürlich für die technisch perfekte Animation, auch für kleine Details im Hintergrund (u.a. eine liebevolle Hommage an Miyazakis Totoro), aber eben auch für den Plot, für die Charaktere und die Dialoge. Klar, diese Filme sind ein hochkommerzielles, quietschbuntes und ein bisschen glattes Produkt für einen globalen Markt, das nicht nur im Kino und auf DVD, sondern auch als Merchandise-Grundlage und Happy-Meal-Beigabe funktionieren muss. Und trotzdem schaffen es die Macher, diesem Produkt Herz und Seele zu geben. Weil sie eben keine kalten Dienstleister sind, die nur einen Markt bedienen, sondern zu großen Teilen große Kinder, die wirklich lieben, was sie da tun.

Dass das Ende ein bisschen zu süßlich und sentimental ausfällt, lässt sich verschmerzen, weil man 100 Minuten lang gut und höchst professionell unterhalten wurde. Ich habe sogar vergessen, dass ich die ganze Zeit diese unbequeme 3D-Brille tragen musste. Die 3D-Technik wird im Film eher unauffällig verwendet, könnte genauso gut auch weggelassen werden. Anders sieht es dagegen beim Vorfilm Day & Night aus: dieser nutzt die Dreidimensionalität endlich mal auf eine innovative Weise, die originell ist und den Film tatsächlich auf eine Ebene hebt, die er in 2D nicht ganz erreichen würde.

Trailerschau für Filmstarts vom 26.8.

Im Kino sehen:
Mary & Max (Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?): Sie suchen noch einen Kandidaten für den Film des Jahres? Ich hätte da einen Vorschlag. Mary & Max ist ein ganz und gar wunderbarer australischer Knetfiguren-Animationsfilm, der längst nicht so niedlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint (FSK 12!). Es geht um die Brieffreundschaft zwischen zwei Außenseitern: ein kleines australisches Mauerblümchen-Mädchen und ein alter, fettleibiger New Yorker Jude mit Asperger-Syndrom. Gleichzeitig sehr komisch und sehr traurig, böse und anrührend. Im Original mit den Stimmen von Toni Collette und Philipp Seymour Hoffman. Konnte ich schon im Frühjahr beim Trickfilmfestival in Stuttgart sehen und war begeistert.

Enter The Void: Kino-Extremerfahrung für Mutige und Experimentierfreudige. “Skandalfilmer” Gaspar Noé kommt nach Irréversible mit einem stilistisch einzigartigen, über zweineinhalb Stunden langen Trip daher, der reichlich Drogen, Sex und Gewalt enthält und letztlich vom Leben nach dem Tod erzählt. Ob das Spaß macht, weiß ich nicht, eine schwer interessante Seherfahrung dürfte es allemal sein.

Auf die DVD warten:
Me and Orson Welles (Ich & Orson Welles): Richard Linklaters neuer Film ist kein Biopic, das sämtliche Karriere- und Lebensstationen seines Helden abklappert. Er konzentriert sich vielmehr auf einen bestimmten Abschnitt in Orson Welles’ Karriere, als er mit nur 22 Jahren Shakespeares Julius Caesar am Theater in New York inszenierte. Eigentliche Hauptfigur des Films ist jedoch ein junger Schauspieler, gespielt von Teeniestar Zac Efron — ein genialer Besetzungscoup, der dem Film sicher zu einigen Zuschauerinnen verhilft, die sowas sonst nicht ansehen würden.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Die Hummel: Ein Debütfilm aus Bayern, der von einem erfolglosen Kosmetikvertreter erzählt. Das sieht schön lakonisch und angenehm unspektakulär aus. Läuft vorerst ausschließlich in bayerischen Kinos.

Die Liebe der Kinder: Deutsches Beziehungsdrama, das klingt schonmal ganz furchtbar, aber die Stärke scheint hier zu sein, dass der Film seine Geschichte eher undramatisch erzählt. Zwei nicht mehr ganz junge Menschen finden zusammen und heiraten, er bringt einen Sohn mit, sie eine Tochter, und kurz darauf stellen sie fest, dass auch die Kinder sich ineinander verliebt haben.

Le Petit Nicolas (Der kleine Nick): Die Verfilmung der berühmten Geschichten von Goscinny und Sempé war in Frankreich ein Bombenerfolg. Familienunterhaltung mit Retrocharme, die aber die Klasse der Vorlage nicht ganz erreicht und anders als die Bücher nicht konsequent aus dem Blickwinkel des kleinen Nick erzählt.

Muss nicht sein:
The Expendables: Sylvester Stallone fährt mit seinem Hummer vor dem Altersheim der Actionhelden vor, nimmt noch Jason Statham als Zivi mit und geht mit den alten Herren auf einen Selbsthilfetrip für Anabolika-Spätfolgen-Geplagte. Dazu lauter Heavy Metal. Worum es hier geht, spielt absolut keine Rolle, die komplette Film-PR funktioniert einzig und allein über die Besetzungsliste, auf der fast alle Allstars des 80er-Testosteron-Kinos vertreten sind.

Das Leben ist zu lang: Dani Levy hat mit Alles auf Zucker eine ziemlich gute und mit Mein Führer eine ziemlich ungute Komödie gedreht. Sein neuer Film ist eine Art überzeichnetes Selbstporträt und handelt von einem jüdischen Regisseur in der Krise, der eine Komödie über den Karikaturenstreit drehen will. Sämtliche deutschen FIlm-Promis geben sich hier für Gastauftritte die Klinke in die Hand, aber viel genutzt hat das wohl eher nicht: die Rezensenten sprechen von Larmoyanz und “Metaebenen-Murks” und finden den Film eher weinerlich als lustig.

Step Up 3D: Dritter Streich der Tanzfilmserie, diesmal mit räumlicher Tiefe. Würde ich gerne mal in 20 Jahren sehen, der altert bestimmt nicht sehr gut.

The Ultimate Wave Tahiti 3D: Wellenreiten in der Südsee, Tourismuswerbung im Kino.

Im Kino: Inception

Ich habe es tatsächlich geschafft, den meisten Informationen zu diesem Film vor dem Kinobesuch aus dem Weg zu gehen. Dass ich ihn sehen will, war ohnehin klar, denn von Christopher Nolan hat mir bisher eigentlich alles gefallen (hier meine Texte zu Following, Batman Begins, The Prestige und The Dark Knight. Die Grundkonstellation war mir zwar bekannt, ansonsten wusste ich recht wenig über Film und Inhalt. Und das lohnt sich auch, denn Inception macht auch deshalb viel Spaß, weil man selber viel rätseln, entschlüsseln und kombinieren kann.

Eine vertiefte Zusammenfassung, Rezension oder gar Analyse will ich hier nicht liefern, die gibt es an anderer Stelle zur Genüge (ein guter Startpunkt wäre zum Beispiel bei the-gaffer.de, wo auf zahlreiche lesenswerte Texte verwiesen wird). Stattdessen nur ein paar lose Gedankensplitter zu Inception. Spoiler? Vielleicht ein paar kleine.

  • Leonardo di Caprio, der ewige Bubi, wird nun doch langsam erwachsen. Auch wenn er schon länger reifere Figuren spielt, ich habe sie ihm bisher nie so ganz abgenommen, weder in The Departed noch in Revolutionary Road. Hier dagegen schon. Reife Leistung, in jeder Hinsicht. Die paar Kilo mehr, die er inzwischen auf den Rippen hat, schaden da auch nicht.
  • Überhaupt ist der Film sehr fein besetzt. Leos Dream-Sharing-Team besteht mit dem smarten Joseph Gordon-Levitt ((500) Days of Summer), dem coolen Tom Hardy (Bronson), dem sympathischen Dileep Rao und der wunderbaren Ellen Page (Juno) aus lauter unverbrauchten Gesichtern, die guten und aufstrebenden Schauspielern gehören, von denen man noch einiges hören wird. Blauauge Cillian Murphy (der in Nolans Batman-Filmen als Bösewicht dabei war) überzeugt in der Rolle des “Opfers”, in dessen Kopf die ganze Aktion, um die der Film sich dreht, stattfinden soll. Und mit den Altstars Michael Caine und Pete Postlethwaite kann man eh nix falsch machen. Nur mit Ken Watanabe war ich nicht zufrieden. Haben Hollywoods Schauspielagenten unter J wie “Japaner” wirklich nur diesen einen Schauspieler in der Kartei?
  • Herausragendes Merkmal des Films, das so ziemlich von allen betont wird, die von ihm sprechen: seine Cleverness. Inception hat einen sehr gut durchdachten Plot und verlangt das Denken auch von seinen Zuschauern, wenn sie dem Film folgen wollen. Trotzdem ist Inception kein kruder Mindfuck, kein verschwurbelter Psychotrip und kein intellektueller Überflieger. Nolan ist weder Lynch noch Cronenberg noch Kaufman. Sein Film bleibt Mainstream, zugänglich und nachvollziehbar. Seine Geschichte mag komplex sein, aber sie ist nicht kompliziert. Am Ende fügt sich alles recht klar und stringent zusammen.
  • Sehr gut gefiel mir, dass Nolan das richtige Maß zwischen zu viel und zu wenig Erklären findet. Der Zuschauer bekommt in knapper Form alle wichtigen Parameter mitgeteilt, die Regeln dieser Welt, und wie das Träume-Teilen funktioniert. Geschickt wird die Figur von Ellen Page dafür verwendet: Sie ist der Rookie, dem diese Informationen mitgeteilt werden, sie ist unsere Stellverterin. Mehr als diese Basis-Infos gibt’s allerdings nicht, mehr muss man auch nicht wissen. Wie und wann Cobb seine Fähigkeiten erworben hat, was genau sich hinter dem roten Knopf verbirgt, wie das mit dem “Kick” und dem “Limbo” nun ganz genau funktioniert, wird nicht erklärt. Basil Exposition hat nicht viel zu tun.
  • Bei Dark Knight bemängelte ich die Unübersichtlichkeit der Action-Szenen. Bei Inception ist es weniger schlimm, aber zum Teil immer noch der Fall, wenn die Action nicht gerade in Super-Zeitlupe abläuft. Allerdings ist die Action auch das Unwichtigste am Film. Gerade im letzten Drittel, bei den Szenen im Schnee, habe ich das Geballer geistig abwesend an mir vorbeiziehen lassen. Es spielt eigentlich keine Rolle (durchaus ein Schwachpunkt des Films).
  • Einige bemängeln, dass Nolans Traumwelten viel zu wenig nach Traum aussehen, und da ist durchaus was dran. Es gibt hier keine fliegenden rosa Elefanten, keine tanzenden Möbel und auch sonst wenig auffällig Surreales. Stimmt schon, aber dann wäre Inception auch ein völlig anderer Film geworden. Der würde dann vielleicht The Imaginarium of Doctor Parnassus heißen.
  • Richtig gut gefiel mir der Soundtrack von Hans Zimmer. Viel Pomp und Bombast, der hier aber nicht stört, sondern wunderbar passt. Wuchtige Bilder, wuchtige Sounds.
  • Am Ende muss man sagen: Halleluja! Inception ist ein sauteurer Big-Budget-Film, der kein Sequel ist, nicht auf einer erfolgreichen Roman-, Comic- oder TV-Serie basiert, auch nicht auf Spielzeug oder Achterbahnen. Man muss sein Hirn nicht an der Kasse abgeben, sondern wird durchaus intellektuell gefordert, auch wenn der Film viel Action zu bieten hat. Er hat keinen bescheuerten deutschen (Unter-) Titel und ist noch nichtmal in 3D! Und trotzdem ist er ein Erfolg an der Kasse, beliebt bei den Kritikern und beim Publikum. Wann hat es das zuletzt gegeben? Inception ist vielleicht nicht der Film des Jahres, aber einer der besten Blockbuster dieses Jahrtausends und damit auch ein Zeichen der Hoffnung: Man kann auch aus intelligenten, originären Stoffen einen erfolgreichen Eventfilm produzieren. Blockbusterkino mit Anspruch funktioniert auch noch im Jahr 2010. Wenn das keine gute Nachricht ist.

Trailerschau für Filmstarts vom 19.8.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Allt flyter (Männer im Wasser): Das Full Monty-Prinzip, hier in einer schwedischen Variante: Midlife-Crisis-geplagte Männer gründen eine Synchronschwimm-Gruppe und treten bei einer Meisterschaft an. Vor zehn oder 15 Jahren hätte das sicher origineller gewirkt, heute reicht’s vielleicht noch für “ganz nett”. Absoluter Pluspunkt: Die Musik kommt von meiner schwedischen Lieblingsband The Soundtrack of our Lives.

Das letzte Schweigen: Gut besetzter deutscher Krimi, der mit etwas Glück oberes Tatort-Niveau erreichen könnte, der aber laut Robert Zimmermann (critic.de) allzu viel Wert auf gewichtige Ästhetik legt.

Muss nicht sein:
Distanz: Ein verschlossener Gärtner (Ken Duken) mit Neigung zu Gewaltausbrüchen bis hin zum Mord. Und eine Frau, die sich in ihn verliebt, auch wenn man nicht versteht, wieso. Ekkehard Knörer lobt, dass der Film “fernsehtypische Sofortpsychologie verweigert”, bemängelt aber, dass der Film überhaupt nicht versucht, seine Hauptfigur zu erklären: “Unbeteiligt sieht die Nähe behauptende Kamera dabei zu. Der Zuschauer tut es auch und zuckt mit den Schultern.”

Bébés (Babys): Neugeborene sind wahnsinnig niedlich, egal aus welchem Teil der Welt sie stammen. Das weiß man auch, ohne diese Doku zu sehen, die ein bisschen One-World-Folklore mit Cute Overload vermischt. Dann doch lieber Katzenbilder im Internet gucken.

Salt: Angelina Jolie zum wiederholten Male als Action-Heldin — hier soll sie eine Art weibliche Version von James Bond geben, bei der es Wirren um ihre Identität (CIA? KGB?) gibt. Und August Diehl spielt einen deutschen Spinnenforscher , der mit Jolie verheiratet ist. Klingt ganz schön bescheuert wenn ich das hier so hinschreibe.

The Last Airbender (Die Legende von Aang): Der neue Film von M. Night Shyalaman, der erstmals gar kein “richtiger” Shyalaman ist, weil er nicht auf einer eigenen Story basiert, sondern auf einer Nickelodeon-Zeichentrickserie namens Avatar. Der Film darf aber nicht so heißen, weil James Cameron schneller war. M. Night inszeniert also einen kindgerechten Action-Fantasy-Film in fucking 3D und bekommt als Ergebnis einen noch schlimmeren Shitstorm um die Ohren als bei seinen letzten Filmen: Miese Kritiken und Rassismusvorwürfe.

Letters to Juliet (Briefe an Julia): US-Schnulze um eine junge Frau, die einen alten Liebesbrief findet und ein Traumpaar zusammenbringt, das sich seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Mit Vanessa Redgrave, aber auch mit jeder Menge Kitsch, unzähligen Postkartenbildern aus der Toskana und schlimmer Musik.

Im Flugzeug: Date Night (Date Night – Gangster für eine Nacht)

Es hätte so schön werden können: Steve Carell und Tina Fey als Hauptdarstellerpaar in einem Film! Die Stars von zwei der derzeit besten US-Comedyserien, The Office und 30 Rock. Eine vielverprechende Konstellation, deren Ergebnis aber leider nur eine schwache bis mittelprächtige Komödie geworden ist. Ein Spielfilm ist eben keine 22-Minuten-Sitcom, das Geschichten- und Witzeerzählen funktioniert in beiden Formen ganz unterschiedlich.

Date Night handelt vom Ehepaar Foster, das ein regelmäßiges Ritual pflegt: Einmal die Woche kommt der Babysitter, dann gehen Papa und Mama schön ohne Kinder aus. Bei einer dieser “Date Nights” kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung: Die Fosters werden irrtümlich für die Tripplehorns gehalten und müssen den Rest der Nacht vor allerlei zwielichtigen und unfreundlichen Typen fliehen. Was als überraschend charmante RomCom begonnen hat, wird nach einem Drittel zu einer Actionkomödie, die zwar ein recht hohes Tempo an den Tag legt, aber mit zunehmender Länge immer unlustiger wird. Gibt es zu Beginn des Films noch ein paar gelungene, teils improvisiert wirkende Wortgefechte, setzt Regisseur Shawn Levy (der zuvor die beiden Night at the Museum-Filme gemacht hat) später auf plumpen Slapstick und fade Oneliner. Teilweise wirkte Date Night auf mich wie eine dieser französischen 80er-Jahre-Streifen mit Pierre Richard (obwohl ich daran nur noch ganz verschwommene Erinnerungen habe).

Neben Carell und Fey, die ihre Sache nicht schlecht machen, enttäuscht die restliche Darstellerriege — auch weil das Drehbuch keine interessanten Figuren bereithält. Einzig Mark Wahlberg, der selbstironisch ein männliches Sexsymbol gibt, weiß noch zu gefallen. Ansonsten plätschert der Film von einer uninteressanten Verfolgungsjagd zur nächsten und findet seinen Tiefpunkt in einer albernen Tanzeinlage, deren Fremdschämpotential von Steve Carell und Tina Fey in ihren TV-Serien viel besser ausgespielt wird.

Date Night ist kein kompletter Reinfall und durchaus ansehbar, wenn sonst nichts besseres da ist, kann aber direkt danach sofort wieder vergessen werden.

Trailerschau für Filmstarts vom 12.8.

Auf die DVD warten:
Samâ wôzu (Summer Wars): Es ist schon was Besonderes, wenn mal wieder ein Anime einen regulären Kinostart in Deutschland bekommt, und der neue Film von Mamoru Hosoda (Das Mädchen, das durch die Zeit sprang) sieht nicht nur visuell hochinteressant aus. Es geht um eine virtuelle Welt und um das Verhältnis dieser zur realen Welt. Mehr im lesenswerten Review von Ekkehard Knörer. Startet leider nur in den Filmmetropolen Berlin, Leipzig und Münster. In München wird der Film leider genau dann gespielt, wenn parallel das Fantasy Filmfest Zeit und Budget frisst. Schade.

Unmade Beds (London Nights): Junge Menschen auf Sinn- und Liebessuche in London, in einer Mischung aus Wong Kar-Wai und Mumblecore. Oder, wie Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau schreibt: “Wunderbar poetisch oder eher grandios bescheuert? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen.”

Vielleicht mal im Fernsehen:
Until the Light Takes Us: Doku über die norwegische Black-Metal-Szene, die in den Neunzigern mit brennenden Kirchen und anderen Übeltaten für Aufsehen sorgte. Diese werden im Film thematisiert, insgesamt geht es aber wohl mehr darum, gegen das Klischee von den bösen Satanisten-Buben anzukämpfen. Würde ich gerne mal im Fernsehen sehen. Im Kino läuft der Film erstmal nur in Berlin und Düsseldorf.

8th Wonderland (8. Wonderland): Web-Aktivisten gründen einen virtuellen Staat im Internet, der auch die reale Welt beeinflussen soll. Filmexperiment aus Frankreich mit interessanten Ansätzen, das aber wohl nicht so recht geglückt ist, wenn man den Rezensionen glaubt.

Muss nicht sein:
Mademoiselle Chambon: Sehr ruhige und zurückhaltende Liebesgeschichte aus Frankreich, in der es (mal wieder) um die Zuneigung eines einfachen Handwerkers zu einer intellektuellen Künstlerin geht. Nicht meine Geschmacksrichtung, aber die Kritiker mögen den Film.

The A-Team (Das A-Team – Der Film): Ich gestehe: Ich habe nie eine Folge der TV-Serie gesehen und auch nicht das Gefühl, da was verpasst zu haben. Insofern zähle ich mich auch nicht zur Zielgruppe, die zu gleichen Teilen aus Action-süchtigen Teenagern und aus nostalgischen 80er-Jahre-Jugendlichen bestehen dürfte. Für diese Zielgruppenangehörigen könnte das durchaus ein spaßiges Sommerfilmchen sein.

Cats & Dogs: The Revenge of Kitty Galore (Cats & Dogs – Die Rache der Kitty Kahlohr): Späte Fortsetzung (Teil 1 lief 2001), angesichts der Zielgruppe wohl für ein komplett neues Publikum und diesmal natürlich auch in 3D. Sprechende Tiere in einer sinnlosen Action-Comedy mit platten Referenzen an James-Bond- und andere Filme.