Im Kino: Inception

Ich habe es tatsächlich geschafft, den meisten Informationen zu diesem Film vor dem Kinobesuch aus dem Weg zu gehen. Dass ich ihn sehen will, war ohnehin klar, denn von Christopher Nolan hat mir bisher eigentlich alles gefallen (hier meine Texte zu Following, Batman Begins, The Prestige und The Dark Knight. Die Grundkonstellation war mir zwar bekannt, ansonsten wusste ich recht wenig über Film und Inhalt. Und das lohnt sich auch, denn Inception macht auch deshalb viel Spaß, weil man selber viel rätseln, entschlüsseln und kombinieren kann.

Eine vertiefte Zusammenfassung, Rezension oder gar Analyse will ich hier nicht liefern, die gibt es an anderer Stelle zur Genüge (ein guter Startpunkt wäre zum Beispiel bei the-gaffer.de, wo auf zahlreiche lesenswerte Texte verwiesen wird). Stattdessen nur ein paar lose Gedankensplitter zu Inception. Spoiler? Vielleicht ein paar kleine.

  • Leonardo di Caprio, der ewige Bubi, wird nun doch langsam erwachsen. Auch wenn er schon länger reifere Figuren spielt, ich habe sie ihm bisher nie so ganz abgenommen, weder in The Departed noch in Revolutionary Road. Hier dagegen schon. Reife Leistung, in jeder Hinsicht. Die paar Kilo mehr, die er inzwischen auf den Rippen hat, schaden da auch nicht.
  • Überhaupt ist der Film sehr fein besetzt. Leos Dream-Sharing-Team besteht mit dem smarten Joseph Gordon-Levitt ((500) Days of Summer), dem coolen Tom Hardy (Bronson), dem sympathischen Dileep Rao und der wunderbaren Ellen Page (Juno) aus lauter unverbrauchten Gesichtern, die guten und aufstrebenden Schauspielern gehören, von denen man noch einiges hören wird. Blauauge Cillian Murphy (der in Nolans Batman-Filmen als Bösewicht dabei war) überzeugt in der Rolle des „Opfers“, in dessen Kopf die ganze Aktion, um die der Film sich dreht, stattfinden soll. Und mit den Altstars Michael Caine und Pete Postlethwaite kann man eh nix falsch machen. Nur mit Ken Watanabe war ich nicht zufrieden. Haben Hollywoods Schauspielagenten unter J wie „Japaner“ wirklich nur diesen einen Schauspieler in der Kartei?
  • Herausragendes Merkmal des Films, das so ziemlich von allen betont wird, die von ihm sprechen: seine Cleverness. Inception hat einen sehr gut durchdachten Plot und verlangt das Denken auch von seinen Zuschauern, wenn sie dem Film folgen wollen. Trotzdem ist Inception kein kruder Mindfuck, kein verschwurbelter Psychotrip und kein intellektueller Überflieger. Nolan ist weder Lynch noch Cronenberg noch Kaufman. Sein Film bleibt Mainstream, zugänglich und nachvollziehbar. Seine Geschichte mag komplex sein, aber sie ist nicht kompliziert. Am Ende fügt sich alles recht klar und stringent zusammen.
  • Sehr gut gefiel mir, dass Nolan das richtige Maß zwischen zu viel und zu wenig Erklären findet. Der Zuschauer bekommt in knapper Form alle wichtigen Parameter mitgeteilt, die Regeln dieser Welt, und wie das Träume-Teilen funktioniert. Geschickt wird die Figur von Ellen Page dafür verwendet: Sie ist der Rookie, dem diese Informationen mitgeteilt werden, sie ist unsere Stellverterin. Mehr als diese Basis-Infos gibt’s allerdings nicht, mehr muss man auch nicht wissen. Wie und wann Cobb seine Fähigkeiten erworben hat, was genau sich hinter dem roten Knopf verbirgt, wie das mit dem „Kick“ und dem „Limbo“ nun ganz genau funktioniert, wird nicht erklärt. Basil Exposition hat nicht viel zu tun.
  • Bei Dark Knight bemängelte ich die Unübersichtlichkeit der Action-Szenen. Bei Inception ist es weniger schlimm, aber zum Teil immer noch der Fall, wenn die Action nicht gerade in Super-Zeitlupe abläuft. Allerdings ist die Action auch das Unwichtigste am Film. Gerade im letzten Drittel, bei den Szenen im Schnee, habe ich das Geballer geistig abwesend an mir vorbeiziehen lassen. Es spielt eigentlich keine Rolle (durchaus ein Schwachpunkt des Films).
  • Einige bemängeln, dass Nolans Traumwelten viel zu wenig nach Traum aussehen, und da ist durchaus was dran. Es gibt hier keine fliegenden rosa Elefanten, keine tanzenden Möbel und auch sonst wenig auffällig Surreales. Stimmt schon, aber dann wäre Inception auch ein völlig anderer Film geworden. Der würde dann vielleicht The Imaginarium of Doctor Parnassus heißen.
  • Richtig gut gefiel mir der Soundtrack von Hans Zimmer. Viel Pomp und Bombast, der hier aber nicht stört, sondern wunderbar passt. Wuchtige Bilder, wuchtige Sounds.
  • Am Ende muss man sagen: Halleluja! Inception ist ein sauteurer Big-Budget-Film, der kein Sequel ist, nicht auf einer erfolgreichen Roman-, Comic- oder TV-Serie basiert, auch nicht auf Spielzeug oder Achterbahnen. Man muss sein Hirn nicht an der Kasse abgeben, sondern wird durchaus intellektuell gefordert, auch wenn der Film viel Action zu bieten hat. Er hat keinen bescheuerten deutschen (Unter-) Titel und ist noch nichtmal in 3D! Und trotzdem ist er ein Erfolg an der Kasse, beliebt bei den Kritikern und beim Publikum. Wann hat es das zuletzt gegeben? Inception ist vielleicht nicht der Film des Jahres, aber einer der besten Blockbuster dieses Jahrtausends und damit auch ein Zeichen der Hoffnung: Man kann auch aus intelligenten, originären Stoffen einen erfolgreichen Eventfilm produzieren. Blockbusterkino mit Anspruch funktioniert auch noch im Jahr 2010. Wenn das keine gute Nachricht ist.

     

3 Gedanken zu „Im Kino: Inception

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  3. Gestern seit Jahren mal wieder im Kino gewesen und Inception im OmU gesehen – schön wars :)
    Ein bisschen mehr zum mitdenken hätte schon sein dürfen und das geballere im Schnee war dann doch sehr shooter mäßig und hat mich extrem einen Videospiel Trailer der genau diese Szenario hatte erinnert

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