Trailerschau für Filmstarts vom 26.8.

Im Kino sehen:
Mary & Max (Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?): Sie suchen noch einen Kandidaten für den Film des Jahres? Ich hätte da einen Vorschlag. Mary & Max ist ein ganz und gar wunderbarer australischer Knetfiguren-Animationsfilm, der längst nicht so niedlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint (FSK 12!). Es geht um die Brieffreundschaft zwischen zwei Außenseitern: ein kleines australisches Mauerblümchen-Mädchen und ein alter, fettleibiger New Yorker Jude mit Asperger-Syndrom. Gleichzeitig sehr komisch und sehr traurig, böse und anrührend. Im Original mit den Stimmen von Toni Collette und Philipp Seymour Hoffman. Konnte ich schon im Frühjahr beim Trickfilmfestival in Stuttgart sehen und war begeistert.

Enter The Void: Kino-Extremerfahrung für Mutige und Experimentierfreudige. „Skandalfilmer“ Gaspar Noé kommt nach Irréversible mit einem stilistisch einzigartigen, über zweineinhalb Stunden langen Trip daher, der reichlich Drogen, Sex und Gewalt enthält und letztlich vom Leben nach dem Tod erzählt. Ob das Spaß macht, weiß ich nicht, eine schwer interessante Seherfahrung dürfte es allemal sein.

Auf die DVD warten:
Me and Orson Welles (Ich & Orson Welles): Richard Linklaters neuer Film ist kein Biopic, das sämtliche Karriere- und Lebensstationen seines Helden abklappert. Er konzentriert sich vielmehr auf einen bestimmten Abschnitt in Orson Welles‘ Karriere, als er mit nur 22 Jahren Shakespeares Julius Caesar am Theater in New York inszenierte. Eigentliche Hauptfigur des Films ist jedoch ein junger Schauspieler, gespielt von Teeniestar Zac Efron — ein genialer Besetzungscoup, der dem Film sicher zu einigen Zuschauerinnen verhilft, die sowas sonst nicht ansehen würden.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Die Hummel: Ein Debütfilm aus Bayern, der von einem erfolglosen Kosmetikvertreter erzählt. Das sieht schön lakonisch und angenehm unspektakulär aus. Läuft vorerst ausschließlich in bayerischen Kinos.

Die Liebe der Kinder: Deutsches Beziehungsdrama, das klingt schonmal ganz furchtbar, aber die Stärke scheint hier zu sein, dass der Film seine Geschichte eher undramatisch erzählt. Zwei nicht mehr ganz junge Menschen finden zusammen und heiraten, er bringt einen Sohn mit, sie eine Tochter, und kurz darauf stellen sie fest, dass auch die Kinder sich ineinander verliebt haben.

Le Petit Nicolas (Der kleine Nick): Die Verfilmung der berühmten Geschichten von Goscinny und Sempé war in Frankreich ein Bombenerfolg. Familienunterhaltung mit Retrocharme, die aber die Klasse der Vorlage nicht ganz erreicht und anders als die Bücher nicht konsequent aus dem Blickwinkel des kleinen Nick erzählt.

Muss nicht sein:
The Expendables: Sylvester Stallone fährt mit seinem Hummer vor dem Altersheim der Actionhelden vor, nimmt noch Jason Statham als Zivi mit und geht mit den alten Herren auf einen Selbsthilfetrip für Anabolika-Spätfolgen-Geplagte. Dazu lauter Heavy Metal. Worum es hier geht, spielt absolut keine Rolle, die komplette Film-PR funktioniert einzig und allein über die Besetzungsliste, auf der fast alle Allstars des 80er-Testosteron-Kinos vertreten sind.

Das Leben ist zu lang: Dani Levy hat mit Alles auf Zucker eine ziemlich gute und mit Mein Führer eine ziemlich ungute Komödie gedreht. Sein neuer Film ist eine Art überzeichnetes Selbstporträt und handelt von einem jüdischen Regisseur in der Krise, der eine Komödie über den Karikaturenstreit drehen will. Sämtliche deutschen FIlm-Promis geben sich hier für Gastauftritte die Klinke in die Hand, aber viel genutzt hat das wohl eher nicht: die Rezensenten sprechen von Larmoyanz und „Metaebenen-Murks“ und finden den Film eher weinerlich als lustig.

Step Up 3D: Dritter Streich der Tanzfilmserie, diesmal mit räumlicher Tiefe. Würde ich gerne mal in 20 Jahren sehen, der altert bestimmt nicht sehr gut.

The Ultimate Wave Tahiti 3D: Wellenreiten in der Südsee, Tourismuswerbung im Kino.

 

5 Gedanken zu „Trailerschau für Filmstarts vom 26.8.

  1. Me and Orson Welles kann ich durchaus fürs Kino empfehlen. Zac Efron, den ich vorher gar nicht kannte, spielt hervorragend und Christian McKay als Orson Welles ist eine Schau für sich.

  2. @Dr. Borstel: Freut mich, wenn es Gleichgesinnte gibt. Dieses ganze „Frauenfilm / Männerfilm“-Ding ödet und kotzt mich ohnehin mächtig an. Es soll ja Pärchen geben, die sich das so gegenseitig aufrechnen: Du gehst einmal mit in einen Männerfilm, dafür begleitest du mich dann in nen Frauenfilm. Was soll das?

  3. Meine Empfehlung gilt ganz klar „Mary & Max“! Einer der besten Animationsfilme des Jahres. „The Expendables“ gewinnt dafür in der Kategorie „Häufigstes Verleugnen von Mittelmaß durch ein emotional geblendetes Publikum“ oder so.

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