Archive for September, 2010

Im Kino: Les aventures extraordinaires d’Adèle Blanc-Sec (Adèle und das Geheimnis des Pharaos)

Ich habe den neuen Film von Luc Besson in einer Preview in München gesehen, eingeleitet mit einer locker-schnoddrigen Q&A-Session des Regisseurs persönlich (vielen Dank an Filmstarts.de für die Einladung!). Meine Besprechung des Films steht bei Comicgate und nimmt natürlich immer wieder Bezug zur Comicvorlage von Jacques Tardi. Der Text beginnt so:

34 Jahre nach Erscheinen des ersten Albums von Jacques Tardis Comicreihe Adeles ungewöhnliche Abenteuer, die hierzulande leider längst nicht so populär ist wie in Frankreich, läuft nun der Film Adèle und das Geheimnis des Pharaos in den Kinos. Für Drehbuch und Regie ist Luc Besson (Léon der Profi, Das fünfte Element) verantwortlich, der damit nach längerer Pause wieder als Spielfilmregisseur zurückkehrt. Bei der Vorstellung des Films in München erzählte Besson, er habe Tardi sehr lange bearbeiten müssen, bis dieser die Filmrechte herausrückte. Tardi sei sehr skeptisch gewesen, doch nach der Premiere habe er die Hauptdarstellerin Louise Bourgoin geküsst und gefragt, wann der zweite Teil kommt.
 
Luc Bessons Film basiert auf Motiven aus den ersten vier Adèle-Alben, erzählt aber letztlich seine eigene Geschichte. Im Vergleich zu den Comics hat die Verfilmung eine weniger vertrackte Handlung, stellt ihre Heldin Adèle wesentlich deutlicher in den Mittelpunkt und ist insgesamt ganz klar darauf angelegt, massentaugliche Abenteuer-Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten. Wogegen ja erst einmal nichts einzuwenden ist.

Zum Weiterlesen hier entlang und dort nochmal auf den Link “Weiterlesen in der CMDB…” klicken!

Im Kino: Rammbock

Gabi hat sich von Michael getrennt und ist von Wien nach Berlin gezogen, doch er will sie noch nicht aufgeben. Er reist ihr hinterher, kommt aber zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in ihrer neuen Wohnung an: Sie selbst ist gerade nicht da, nur zwei Handwerker sind vor Ort – und einer davon ist ziemlich aggressiv und scheint großen Hunger auf Menschenfleisch zu haben …

So beginnt Rammbock von Marvin Kren, ein – ja, tatsächlich! – deutscher Zombiefilm (coproduziert vom – ja, tatsächlich! – ZDF). Wobei das Wort “Zombie” niemals fällt, stattdessen ist von “Befallenen” die Rede. Die Zombies sind hier keine Untoten, sondern Opfer einer Epidemie, die sich über Beißen oder Kratzen durch andere Befallene überträgt. Die Opfer mutieren jedoch nicht sofort zum Zombie, sondern erst dann, wenn sie besonders viel Adrenalin ausschütten. Sie sollten sich also möglichst nicht aufregen, was in dieser Situation nicht so einfach ist. Ein schöner kleiner Kniff, der Rammbock von anderen Genrebeiträgen abhebt und für ein wirkungsvolles dramaturgisches Element sorgt.

Der Film interessiert sich weniger für das “große Ganze” (nur am Rande erfährt man, dass die Epidemie ein größeres Ausmaß hat), sondern bleibt konsequent bei seinem Schauplatz, einem Berliner Mietshaus und seinen Bewohnern, die vor allem von Fenster zu Fenster über den Innenhof kommunizieren. Das schont das Budget, macht aber auch erzählerisch Sinn. Der Mikrokosmos “Mietshaus + Hinterhof” und die Beziehungen zwischen Nachbarn in einer Großstadt, die sich kaum kennen, werden so im Lichte einer Extremsituation beleuchtet. In diesem Sinne ist Rammbock (wie die meisten richtig guten Zombiefilme) weniger ein harter Horrorfilm als eine Reflexion über die Gesellschaft. Und in diesem Falle, erfreulicherweise, mal nicht die amerikanische oder englische, sondern unsere eigene.

Bisher waren deutsche Zombiefilme in der Regel Hobbyproduktionen, die viel Wert auf Splatter-Effekte und eher wenig auf Schauspielkunst gelegt haben. Rammbock geht den umgekehrten Weg: kaum explizite Blut- und Gewaltszenen (schließlich soll der Film bald im Fernsehen gezeigt werden), dafür ein sehr überzeugendes Figurenensemble, angeführt vom Österreicher Michael Fuith, der mit viel Schmäh den fremden, von der Situation ziemlich überforderten Neuankömmling spielt und genau das richtige Quentchen Humor in den Film einbringt.

Trotz des ein oder anderen Lachers handelt es sich hier aber keineswegs um eine Komödie, Rammbock will schon ein ernsthafter Thriller sein, zieht zwischendurch die Spannungsschraube ordentlich an und setzt gelegentliche Schockeffekte. Nach etwa 60 Minuten ist das ganze schon wieder vorbei, und ich hatte das Gefühl, das sei genau die richtige Länge. Es würde so manchem Film nicht schaden, sich mit der knappen Laufzeit von einer Stunde zu begnügen und damit auf viel überflüssigen Ballast zu verzichten.

Rammbock läuft zur Zeit in nicht sehr vielen Kinos und soll im Dezember sowohl auf ZDFneo als auch im “großen” ZDF ausgestrahlt werden.

Trailerschau für Filmstarts vom 23.9.

Im Kino sehen:
The Town (The Town – Stadt ohne Gnade): Ben Afflecks zweiter Film, diesmal auch mit ihm selbst in der Hauptrolle. Er spielt den Kopf einer sehr gewieften Bankräuberbande in Boston, der einer ehemaligen Geisel näher kommt, als er sollte. Konnte ich bereits in einer Preview sehen (Danke an filmstarts.de!) und war sehr zufrieden: Starkes, spannendes Crime-Drama, das mehr auf ruhige Charaktermomente als auf Action setzt. Die wenigen, sehr intensiven Actionszenen sind dann aber genau dosiert und knallen umso mehr.

Auf die DVD warten:
Fish Tank: Mia ist 15, wächst in ziemlich miesen Verhältnissen auf, ist unzufrieden mit ihrem Leben und wütend auf alles um sie herum, als ihre Mutter einen neuen Lover mitbringt. Coming-of-Age-Drama aus England, das dort reihenweise Bestnoten erhalten hat, vor allem für Hauptdarstellerin Katie Jarvis, die selbst aus ähnlichen Verhältnissen stammt wie die Figur, die sie spielt. Kommt auf die DVD-Liste, weil man sowas dringend im O-Ton sehen sollte, aber vermutlich ohne Untertitel zu wenig versteht (heftiger Working-Class-Slang).

Vielleicht mal im Fernsehen:
Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard: Was der Titel sagt.

Muss nicht sein:
Bis aufs Blut: Was in Fish Tank so gut funktioniert, haut in dieser deutschen Produktion wohl eher nicht hin: eine glaubwürdige Darstellung junger Leute aus einem von Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt geprägten Milieu. Hier wirkt alles überreizt und übertrieben und mit viel HipHop zwanghaft auf cool getrimmt.

Dinner for Schmucks (Dinner für Spinner): US-Remake einer französischen Komödie, in der reiche Banker ein Dinner veranstalten, zu dem sie ein paar Schwachsinnige einladen, um sich über sie zu amüsieren. Was daran genau jetzt lustig oder unterhaltsam sein soll, konnte mir der Trailer leider so gar nicht vermitteln.

Kinshasa Symphony: Auch so ein Genre, dass sich scheinbar nie erschöpft: Dokus darüber, dass die Welt eine bessere wird, wenn man Behinderte / Kinder / arme Menschen (Unzutreffendes bitte streichen) gemeinsam musizieren / Ballett tanzen / Theater spielen (Unzutreffendes bitte streichen) lässt. Mann, ich bin eindeutig zu zynisch für sowas.

Eat Pray Love: Bestsellerverfilmung, in der sich eine Julia Roberts in der Midlife-Crisis auf einen Selbstfindungstrip nach Italien, Indien und Bali begibt und dort Essen, Beten und Lieben lernt. Igitt.

Milarepa (Milarepa – Der Weg zum Glück): Schon wieder einer dieser kaum noch zählbaren Tibet-Schrägstrich-Buddhismus-Filme, dem ich gerade einen sehr herzhaften Lacher zu verdanken habe: Er wurde nämlich beim “European Spiritual Film Festival” in Paris als “Bester spiritueller Spielfilm” ausgezeichnet. Titanic, bitte übernehmen!

Jud Süß – Film ohne Gewissen: Als wären große, viel zu prominent besetzte Drittes-Reich-Dramen nicht schon schlimm genug, gibt es hier auch noch einen Moritz Bleibtreu als Goebbels im maßlosen Overacting, Geschichtsklitterung (Ferdinand Marian bekommt eine jüdische Frau, die er nie hatte) und Verharmlosung (Mit-Täter werden zu Opfern stilisiert). Mag sein, dass die große Presse-Empörung bei der Berlinale übertrieben war, ich will sowas trotzdem auf keinen Fall sehen.

Trailerschau für Filmstarts vom 16.9.

Im Kino sehen:
Gake no ue no Ponyo (Ponyo – Das große Abenteuer am Meer): Wahnsinn, kaum wartet man 113 Wochen, schon ist der neue Film von Hayao Miyazaki auch in deutschen Kinos zu sehen! Die Filme des Ghibli-Meisters lohnen sich natürlich immer, mir persönlich hat Ponyo jedoch nicht ganz so gut gefallen wie z.B. Prinzessin Mononoke oder Mein Nachbar Totoro. Das liegt teilweise vermutlich daran, dass Miyazaki hier stärker als bei anderen Filmen ganz bewusst auf ein sehr junges Publikum (sagen wir mal: im Grundschulalter) zielt. Zum anderen liegt es sicher auch an der Form, in der ich den Film gesehen habe: ziemlich müde, ganz am Ende eines langen Festivals (ITFS Stuttgart), in einer unfertigen Vorab-Synchronisation, wie man sie sonst nur aus dem finanzschwachen Ausland kennt (eine einzige Sprecherin sprach alle Rollen mit verstellten Stimmen, darunter war leise der Originalton zu hören). Trotzdem eine dringende Empfehlung für alle, die fantasiereiches Erzählkino schätzen. Es geht um einen kleinen Fisch, der gerne ein Mensch werden möchte und basiert lose auf Motiven der Kleinen Meerjungfrau. Hier ist der Abspann mit der unglaublichen Ohrwurm-Titelmelodie, die ihr nie wieder loswerden werdet:

Vielleicht mal im Fernsehen:
Mammuth: Roadmovie mit Gérard Depardieu als hübsch heruntergekommener Rentner, der auf seinem Motorrad (die titelgebende Mammuth) durch Frankreich düst, um Belege für seine Rente einzusammeln. Soll mit reichlich skurrilem Humor ausgestattet sein, sowas mag ich in der Regel.

The American: Nach Control der zweite Kinofilm von Fotograf Anton Corbijn, diesmal mit George Clooney als Auftragskiller, der in Italien seinen letzten Job vorbereitet. Das sieht sehr ästhetisch und ansehnlich aus, aber nicht so wahnsinnig interessant.

Groupies bleiben nicht zum Frühstück: Deutsche Produktion für ein Teeniepublikum. Mädchen kommt mit Rockstar zusammen, für den alle Mädchen schwärmen. Sieht gar nicht mal so daneben aus, wie ich gedacht hätte, und die weibliche Hauptrolle spielt immerhin die wundervolle Anna Fischer.

Diary of a Wimpy Kid (Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt!): Basiert auf der (vor allem in den USA) überaus erfolgreichen Buchreihe von Jeff Kinney, einem sehr charmanten Mix aus Comic und Kinderbuch. Vielleicht sowas ähnliches wie das, was in meiner Generation das Tagebuch des Adrian Mole war. In der Filmversion scheint dieser Charme nur an den Stellen durchzuscheinen, die als Trickfilmsequenzen im Stil von Kinneys Zeichnungen gestaltet sind.

Muss nicht sein:
Resident Evil: Afterlife: Kenne die ersten drei Teile nicht, habe auch auf einen vierten nicht gewartet. Und schon gar nicht in fuckin’ 3D.

Im Kino: TiMER (FFF 2010)

Fantasy FilmfestIm Programm des Fantasy Filmfests wirkt dieser Film wie ein Fremdkörper, enthält er doch keinerlei Gewalt, keinen (visuellen) Horror und könnte durchaus als romantische Komödie durchgehen. Allerdings gibt es tatsächlich ein fantastisches Element: TiMER spielt in einer Welt, die aussieht wie unsere Gegenwart, allerdings mit einem Unterschied — es existiert eine Technik, mit der sich der Zeitpunkt vorhersagen lässt, wann ein Mensch seinen Partner fürs Leben finden wird. Wer sich bei der Herstellerfirma einen Timer ins Handgelenk implantieren lässt, kann dort einen Countdown sehen und weiß, wie lange es noch dauert, bis man die große Liebe trifft. Vorausgesetzt, der oder die “significant other” besitzt ebenfalls einen solchen Timer.

Eine simple, aber geniale Idee, die sofort allerhand Fragen aufwirft: Will ich wirklich wissen, wann ich meine große Liebe treffe? Wie gehe ich damit um, wenn mein Timer mir noch eine jahrelange Wartezeit voraussagt? Was mache ich, wenn die Anzeige leer bleibt? Und wenn der große Zeitpunkt gekommen ist, kann ich dem Timer dann wirklich total vertrauen? Und vor allem: Was soll das überhaupt sein, diese “große Liebe”? Der Film von Jac Schaeffer dekliniert all diese Fragen durch und strickt daraus eine sehr angenehme, leichte “Was wäre wenn”-Geschichte, die manchmal romantisch, aber nie kitschig ist und von einem gut aufgelegten Schauspielerensemble lebt.

Im Mittelpunkt steht die 30jährige Oona (Emma Caulfield, einigen vielleicht aus Buffy bekannt). Bei ihr tickt zwar die biologische Uhr, nicht aber der Timer. Kein Countdown auf dem Handgelenk — das heißt, jeder Mann, der selbst einen Timer trägt, kommt gar nicht erst in Frage (dann würde das Gerät ja was anzeigen). Sie sucht also mit zunehmender Verkrampfung Timer-lose Männer, die sie dann nach wenigen Dates erstmal dazu überredet, selbst einen Timer zu kaufen. Und wenn dann immer noch nichts blinkt, wird’s nichts mit der Beziehung.

Der Film versucht angenehmerweise nicht, auf Teufel komm raus eine Komödie zu sein und einen Gag nach dem anderen zu liefern, er speist seinen Humor eher aus Situationskomik. Wenn zum Beispiel Oonas kleiner Bruder mit 15 Jahren seinen Timer bekommt und sich herausstellt, dass er seinen Schatz schon in ein paar Tagen treffen wird (und die ganze Familie dann direkt daneben steht, wenn es soweit ist), dann sorgt das für genügend komisches Potential.

Gegen Ende gerät der Film etwas glatt, das hätte ruhig etwas widerborstiger und vielleicht auch böser ausfallen dürfen. Trotzdem ist TiMER sehr sehenswert. Schon deshalb, weil er bei jedem Zuschauer die berühmte “Was würde ich tun?”-Frage auslöst und damit nicht nur gut unterhält, sondern durchaus auch Stoff zum Nachdenken liefert.

(Lief auch auf der 1. Komischen Filmnacht in Berlin, deren Veranstalter mir einen Stream des Films zur Verfügung gestellt hat)

Trailerschau für Filmstarts vom 9.9.

Im Kino sehen:
Rammbock: Ein deutsch-österreichischer Zombiefilm, der nicht nur eine kleine Homevideo-Produktion von ein paar Fanboys ist, und schon ein paar Preise auf Festivals gewonnen hat. Als wäre das nicht schon erstaunlich genug: das Ding ist tatsächlich vom “Kleinen Fernsehspiel” des ZDF produziert und wird dort auch im Dezember zu sehen sein. Vorher läuft der 50-Minüter in (nicht allzu vielen) Kinos und ist mit Sicherheit einen Blick wert.

Auf die DVD warten:
Black Death: Boromir ist wieder da und muss in diesem britischen Mittelalter-Thriller als Spezialagent des Bischofs die Pest bekämpfen. Lief eben noch auf dem Fantasy Filmfest und sieht nach einem soliden B-Movie aus.

Humpday: Zwei Kumpel aus Jugendzeiten treffen sich nach Jahren wieder und kommen auf die ziemlich blöde Idee, gemeinsam einen Kunstporno zu drehen. Gelungener kleiner Mumblecore-Film, den ich letztes Jahr auf dem Münchner Filmfest gesehen und hier besprochen habe. Läuft nur in zwei Städten und wurde zum Glück nicht synchronisiert.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Pianomania: Doku über einen Klavierstimmer, der die Flügel für berühmte Konzertpianisten stimmt. Sieht tatsächlich nach einem interessanten und stellenweise auch amüsanten Film aus.

Bal (Bal – Honig): Türkische Filmkunst, der Gewinner des Goldenen Bären 2010. Eine Kindheitsgeschichte vom Land, die wirklich allen Kritikern gut gefällt, das aber jenseits von Feuilleton und Festivals wohl nur wenig Zuschauer finden wird. Unter anderem wegen Banausen wie mir, die zwar wissen, dass sie hier einen guten Film sehen könnten, aber dann doch nicht genug Interesse aufbringen.

Le refuge (Rückkehr ans Meer): Nach dem Flop mit Ricky, dem geflügelten Baby, kehrt François Ozon wieder auf das vertraute Terrain des französischen Beziehungsdramas zurück. Es geht um eine Schwangere, deren Freund gestorben ist, und die nun dessen Bruder näherkommt.

La Vie sauvage des Animaux domestiques (Die wilde Farm): Tierfilm für die lieben Kleinen, der einen Bauernhof ohne Menschen zeigt, weil der Bauer ins Krankenhaus musste. Angenehmerweise kein neues Schweinchen namens Babe, sondern eine Doku, die Bilder statt Tiere sprechen lässt.

Muss nicht sein:
Zarte Parasiten: Klingt wie Zärtliche Chaoten, ist aber ein ernsthaftes deutsches Drama mit Robert Stadlober. Ein Pärchen, dass Aussteiger-mäßig im Wald lebt und sein Geld mit “emotionalen Dienstleistungen” verdient. Laut film-dienst will der Film “nicht urteilen, sondern nur zeigen. So viel Zurückhaltung rächt sich durch die einkehrende Langeweile, wenn die Schauspieler die Last, die ihnen aufgebürdet wird, nicht bewältigen.”

Leap Year (Verlobung auf Umwegen): RomCom mit Amy Adams, die mal wieder alles hat, was dieses Genre so hassenswert macht: Postkartenbilder aus einem schönen Urlaubslandd (hier: Irland), eine tausendmal gesehene Fish-out-of-Water-Konstellation und eine Story, über die man praktisch schon alles weiß, wenn man den Trailer gesehen hat. Bäh.

Vampires Suck (Beilight – Biss zum Abendbrot): Die Teenager von heute tun mir langsam wirklich leid. Wir hatten damals wenigstens noch Hot Shots und Spaceballs — gewiss keine Meisterwerke, aber passable Parodien mit vielen Gags und einer gewissen Liebe zu dem, was da parodiert wurde. Beilight kommt aus der Spoofs-vom-Fließband-Fabrik, die auch Scary Movie und ähnliches gemacht hat und ist eher kommerzielle Trittbrettfahrt als wirkliche Parodie. Vor allem ist es genau so uninspiriert, holprig und unlustig wie der wirklich sehr schlimme deutsche Titel.

Im Kino: Symbol (FFF 2010)

Fantasy FilmfestEin Mann erwacht in einem großen, weißen, völlig leeren Raum. Er trägt einen quietschebunten Pyjama. Während er sich noch verwundert umsieht, treten aus den Wänden unzählige kleine Putten heraus (ihr wisst schon, die kleinen nackigen Engelchen aus den Barockkirchen). Sie lachen kurz und verschwinden wieder in den Wänden. Nur ihr kleiner Schniedel schaut noch heraus — vier Wände, übersät mit lauter Mini-Penissen.

So beginnt Symbol, der zweite Spielfim von Hitoshi Matsumoto (Dai Nippon-Jin – Der große Japaner), der in Japan ein sehr berühmter Star-Komiker ist. Stop, stimmt gar nicht. Vorher kommt noch eine andere Szene:
Irgendwo in Mexiko fährt eine sonnenbebrillte, rauchende und fluchende Nonne in einem Pickup durch die Wüste, um jemanden abzuholen. Es ist Escargot Man, ein Lucha-Libre-Wrestler, den sie zu seinem nächsten Kampf chauffieren muss.

Klingt ganz schön bekloppt und ist es auch, aber das Tolle ist: es funktioniert! Noch ehe man sich rätselnd am Kopf kratzen kann, ist man schon drin in den beiden parallel erzählten Geschichten: Der ruhig erzählten, halbwegs “normalen” Story in Mexiko und der sehr bizarren Szenerie in dem leeren Raum. Später, viel später werden beide Storylines zusammenfinden. Bis dahin liegt der Schwerpunkt aber auf dem von Matsumoto selbst gespielten Mann im Pyjama. Der findet bald heraus, dass die Putten-Penisse wie Druckknöpfe funktionieren: Drückt er auf einen, geht irgendwo eine Klappe auf und ein Gegenstand fliegt in den Raum.

Man hat sowas noch nie im Kino gesehen, aber Matsumoto präsentiert es so selbstverständlich, dass man als Zuschauer die innere Logik dieses Szenarios umgehend akzeptiert und die Hauptfigur beobachtet wie den Spieler eines Videospiels: Kann er es durch Geschick, Glück und Kombinationsgabe schaffen, sich aus dem Raum zu befreien? Und wenn er den Ausgang findet, wohin führt dieser?

Das durchaus vorhande Spannungspotential ist aber eher Nebensache, denn vor allem will Matsumoto den Zuschauer zum Lachen bringen. Und das gelingt ihm hervorragend. An Gags herrscht kein Mangel, vom subtilen Schmunzler bis zum Slapstick reicht die Palette. Seine Performance erinnert stellenweise an eine Clownsnummer im Zirkus, über weite Strecken könnten auch kleine Kinder viel Spaß an Symbol haben.

Seinen Höhepunkt erreicht der Film an der Stelle, an der die beiden Storylines, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun hatten, zusammentreffen (wie, das wird hier nicht verraten) — doch der Film ist noch nicht zuende. Stattdessen steigert Matsumoto den Weirdness-Faktor noch einmal, wird zunehmend surreal und metaphysisch. Der Filmtitel impliziert, dass der Regisseur, Autor und Hauptdarsteller eine tiefgründige Aussage in seinem Werk versteckt hat, und es gäbe genug Anlässe, darüber zu spekulieren. Vermutlich macht sich Matsumoto aber nur einen großen Spaß, wenn er sein Publikum rätseln lässt, was das denn nun alles zu bedeuten habe.

So fremdartig und bizarr Symbol auch ist, es ist ein großes Vergnügen, randvoll mit absurden Ideen und netten visuellen Einfällen. Ein in jeder Hinsicht besonderer Film, der hoffentlich auch abseits des Fantasy Filmfests noch Beachtung finden wird.

Im Kino: Redline (FFF 2010)

Fantasy FilmfestIch weiß gar nicht genau, warum ich eigentlich ein Ticket für Redline gekauft habe. Ich hätte es besser wissen müssen, denn es geht um Autorennen. Ich kann mit Autorennen rein gar nichts anfangen.

Redline ist ein Anime, also ein Zeichentrickfilm aus Japan. Der Film spielt in einer fernen Zukunft, in der Autos längst nicht mehr auf Rädern am Boden fahren. Genutzt wird diese antiquierte Technik nur noch im Motorsport. Da gibt es eine sehr populäre Rennserie, die mit irrsinnig hochgerüsteten Super-Raketen-Boliden gefahren wird. Die Piloten sind echte Haudegen, mit allen Wassern gewaschen. Nicht nur Menschen sind darunter, sondern auch fremde Gestalten von fremden Planeten, Cyborgs und Maschinenwesen. Und im Hintergrund ziehen Manager und Wettmafiapaten die Fäden. Der Clou an der Rennserie ist, dass immer erst kurz vor dem Rennen bekanntgegeben wird, wo das nächste stattfinden wird. Das gibt Probleme, als das große Finale der Tour, das Redline-Rennen, auf den Planeten Roboworld gelegt wird, dessen Machthaber gar nicht erfreut über diese Form der Publicity sind. Einen der Fahrer, JT, der sich seine Frisur bei den Leningrad Cowboys geliehen hat, lernen wir näher kennen, blicken ein bisschen in seine Kindheit zurück und sehen ihn bei Annäherungsversuchen an seine hübsche Konkurrentin, die Rennfahrerin Sonoshi.

Wichtig ist die oben beschriebene Handlung aber nicht, denn Redline hat eigentlich kein Interesse daran, eine sinnvolle Geschichte zu erzählen. Es geht um Speed, um Bewegung, um röhrende Motoren. Und zwar volle Pulle. Alles an diesem Film ist knallbunt, megalaut, hypernervös, rasant bis zum Anschlag. Dagegen ist Speed Racer ein Nordic-Walking-Spaziergang. Als Kurzfilm oder als Videoclip (z.B. für Daft Punk oder sowas) hätte mir sowas sehr gut gefallen, aber in einem über 100-minütigen Film geht einem das doch recht schnell auf die Nerven, man verliert das Interesse an den vorhandenen Storytelling-Rudimenten und lässt nur noch das Bilderfeuerwerk auf sich einprasseln. Animationstechnisch ist das fantastisch gemacht: jede Bewegung ist äußerst flüssig, hier wirkt die klassische 2D-Zeichentricktechnik keineswegs antiquiert, sondern extrem modern. Hübsch umgesetzt sind die Sequenzen, in denen die Ästhetik von TV-Sportübertragungen nachgeahmt (und übersteigert) werden, zwischendurch lockern ein paar recht nette Gags den Film auf, aber ansonsten gibt es Action, Action, Action — grotesk übertrieben geformte Boliden im erbitterten Wettrennen.

Dynamik, Kinetik, Tempo – das bekommt man zweifellos in Redline. Auf eine spannende Story muss man allerdings genauso verzichten wie auf interessante Charaktere. Der Trailer gibt einen ganz guten Eindruck: