Im Kino: Symbol (FFF 2010)

Fantasy FilmfestEin Mann erwacht in einem großen, weißen, völlig leeren Raum. Er trägt einen quietschebunten Pyjama. Während er sich noch verwundert umsieht, treten aus den Wänden unzählige kleine Putten heraus (ihr wisst schon, die kleinen nackigen Engelchen aus den Barockkirchen). Sie lachen kurz und verschwinden wieder in den Wänden. Nur ihr kleiner Schniedel schaut noch heraus — vier Wände, übersät mit lauter Mini-Penissen.

So beginnt Symbol, der zweite Spielfim von Hitoshi Matsumoto (Dai Nippon-Jin – Der große Japaner), der in Japan ein sehr berühmter Star-Komiker ist. Stop, stimmt gar nicht. Vorher kommt noch eine andere Szene:
Irgendwo in Mexiko fährt eine sonnenbebrillte, rauchende und fluchende Nonne in einem Pickup durch die Wüste, um jemanden abzuholen. Es ist Escargot Man, ein Lucha-Libre-Wrestler, den sie zu seinem nächsten Kampf chauffieren muss.

Klingt ganz schön bekloppt und ist es auch, aber das Tolle ist: es funktioniert! Noch ehe man sich rätselnd am Kopf kratzen kann, ist man schon drin in den beiden parallel erzählten Geschichten: Der ruhig erzählten, halbwegs „normalen“ Story in Mexiko und der sehr bizarren Szenerie in dem leeren Raum. Später, viel später werden beide Storylines zusammenfinden. Bis dahin liegt der Schwerpunkt aber auf dem von Matsumoto selbst gespielten Mann im Pyjama. Der findet bald heraus, dass die Putten-Penisse wie Druckknöpfe funktionieren: Drückt er auf einen, geht irgendwo eine Klappe auf und ein Gegenstand fliegt in den Raum.

Man hat sowas noch nie im Kino gesehen, aber Matsumoto präsentiert es so selbstverständlich, dass man als Zuschauer die innere Logik dieses Szenarios umgehend akzeptiert und die Hauptfigur beobachtet wie den Spieler eines Videospiels: Kann er es durch Geschick, Glück und Kombinationsgabe schaffen, sich aus dem Raum zu befreien? Und wenn er den Ausgang findet, wohin führt dieser?

Das durchaus vorhande Spannungspotential ist aber eher Nebensache, denn vor allem will Matsumoto den Zuschauer zum Lachen bringen. Und das gelingt ihm hervorragend. An Gags herrscht kein Mangel, vom subtilen Schmunzler bis zum Slapstick reicht die Palette. Seine Performance erinnert stellenweise an eine Clownsnummer im Zirkus, über weite Strecken könnten auch kleine Kinder viel Spaß an Symbol haben.

Seinen Höhepunkt erreicht der Film an der Stelle, an der die beiden Storylines, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun hatten, zusammentreffen (wie, das wird hier nicht verraten) — doch der Film ist noch nicht zuende. Stattdessen steigert Matsumoto den Weirdness-Faktor noch einmal, wird zunehmend surreal und metaphysisch. Der Filmtitel impliziert, dass der Regisseur, Autor und Hauptdarsteller eine tiefgründige Aussage in seinem Werk versteckt hat, und es gäbe genug Anlässe, darüber zu spekulieren. Vermutlich macht sich Matsumoto aber nur einen großen Spaß, wenn er sein Publikum rätseln lässt, was das denn nun alles zu bedeuten habe.

So fremdartig und bizarr Symbol auch ist, es ist ein großes Vergnügen, randvoll mit absurden Ideen und netten visuellen Einfällen. Ein in jeder Hinsicht besonderer Film, der hoffentlich auch abseits des Fantasy Filmfests noch Beachtung finden wird.

 

2 Gedanken zu „Im Kino: Symbol (FFF 2010)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.