Im Kino: TiMER (FFF 2010)

Fantasy FilmfestIm Programm des Fantasy Filmfests wirkt dieser Film wie ein Fremdkörper, enthält er doch keinerlei Gewalt, keinen (visuellen) Horror und könnte durchaus als romantische Komödie durchgehen. Allerdings gibt es tatsächlich ein fantastisches Element: TiMER spielt in einer Welt, die aussieht wie unsere Gegenwart, allerdings mit einem Unterschied — es existiert eine Technik, mit der sich der Zeitpunkt vorhersagen lässt, wann ein Mensch seinen Partner fürs Leben finden wird. Wer sich bei der Herstellerfirma einen Timer ins Handgelenk implantieren lässt, kann dort einen Countdown sehen und weiß, wie lange es noch dauert, bis man die große Liebe trifft. Vorausgesetzt, der oder die „significant other“ besitzt ebenfalls einen solchen Timer.

Eine simple, aber geniale Idee, die sofort allerhand Fragen aufwirft: Will ich wirklich wissen, wann ich meine große Liebe treffe? Wie gehe ich damit um, wenn mein Timer mir noch eine jahrelange Wartezeit voraussagt? Was mache ich, wenn die Anzeige leer bleibt? Und wenn der große Zeitpunkt gekommen ist, kann ich dem Timer dann wirklich total vertrauen? Und vor allem: Was soll das überhaupt sein, diese „große Liebe“? Der Film von Jac Schaeffer dekliniert all diese Fragen durch und strickt daraus eine sehr angenehme, leichte „Was wäre wenn“-Geschichte, die manchmal romantisch, aber nie kitschig ist und von einem gut aufgelegten Schauspielerensemble lebt.

Im Mittelpunkt steht die 30jährige Oona (Emma Caulfield, einigen vielleicht aus Buffy bekannt). Bei ihr tickt zwar die biologische Uhr, nicht aber der Timer. Kein Countdown auf dem Handgelenk — das heißt, jeder Mann, der selbst einen Timer trägt, kommt gar nicht erst in Frage (dann würde das Gerät ja was anzeigen). Sie sucht also mit zunehmender Verkrampfung Timer-lose Männer, die sie dann nach wenigen Dates erstmal dazu überredet, selbst einen Timer zu kaufen. Und wenn dann immer noch nichts blinkt, wird’s nichts mit der Beziehung.

Der Film versucht angenehmerweise nicht, auf Teufel komm raus eine Komödie zu sein und einen Gag nach dem anderen zu liefern, er speist seinen Humor eher aus Situationskomik. Wenn zum Beispiel Oonas kleiner Bruder mit 15 Jahren seinen Timer bekommt und sich herausstellt, dass er seinen Schatz schon in ein paar Tagen treffen wird (und die ganze Familie dann direkt daneben steht, wenn es soweit ist), dann sorgt das für genügend komisches Potential.

Gegen Ende gerät der Film etwas glatt, das hätte ruhig etwas widerborstiger und vielleicht auch böser ausfallen dürfen. Trotzdem ist TiMER sehr sehenswert. Schon deshalb, weil er bei jedem Zuschauer die berühmte „Was würde ich tun?“-Frage auslöst und damit nicht nur gut unterhält, sondern durchaus auch Stoff zum Nachdenken liefert.

(Lief auch auf der 1. Komischen Filmnacht in Berlin, deren Veranstalter mir einen Stream des Films zur Verfügung gestellt hat)