Gabi hat sich von Michael getrennt und ist von Wien nach Berlin gezogen, doch er will sie noch nicht aufgeben. Er reist ihr hinterher, kommt aber zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in ihrer neuen Wohnung an: Sie selbst ist gerade nicht da, nur zwei Handwerker sind vor Ort – und einer davon ist ziemlich aggressiv und scheint großen Hunger auf Menschenfleisch zu haben …

So beginnt Rammbock von Marvin Kren, ein – ja, tatsächlich! – deutscher Zombiefilm (coproduziert vom – ja, tatsächlich! – ZDF). Wobei das Wort “Zombie” niemals fällt, stattdessen ist von “Befallenen” die Rede. Die Zombies sind hier keine Untoten, sondern Opfer einer Epidemie, die sich über Beißen oder Kratzen durch andere Befallene überträgt. Die Opfer mutieren jedoch nicht sofort zum Zombie, sondern erst dann, wenn sie besonders viel Adrenalin ausschütten. Sie sollten sich also möglichst nicht aufregen, was in dieser Situation nicht so einfach ist. Ein schöner kleiner Kniff, der Rammbock von anderen Genrebeiträgen abhebt und für ein wirkungsvolles dramaturgisches Element sorgt.

Der Film interessiert sich weniger für das “große Ganze” (nur am Rande erfährt man, dass die Epidemie ein größeres Ausmaß hat), sondern bleibt konsequent bei seinem Schauplatz, einem Berliner Mietshaus und seinen Bewohnern, die vor allem von Fenster zu Fenster über den Innenhof kommunizieren. Das schont das Budget, macht aber auch erzählerisch Sinn. Der Mikrokosmos “Mietshaus + Hinterhof” und die Beziehungen zwischen Nachbarn in einer Großstadt, die sich kaum kennen, werden so im Lichte einer Extremsituation beleuchtet. In diesem Sinne ist Rammbock (wie die meisten richtig guten Zombiefilme) weniger ein harter Horrorfilm als eine Reflexion über die Gesellschaft. Und in diesem Falle, erfreulicherweise, mal nicht die amerikanische oder englische, sondern unsere eigene.

Bisher waren deutsche Zombiefilme in der Regel Hobbyproduktionen, die viel Wert auf Splatter-Effekte und eher wenig auf Schauspielkunst gelegt haben. Rammbock geht den umgekehrten Weg: kaum explizite Blut- und Gewaltszenen (schließlich soll der Film bald im Fernsehen gezeigt werden), dafür ein sehr überzeugendes Figurenensemble, angeführt vom Österreicher Michael Fuith, der mit viel Schmäh den fremden, von der Situation ziemlich überforderten Neuankömmling spielt und genau das richtige Quentchen Humor in den Film einbringt.

Trotz des ein oder anderen Lachers handelt es sich hier aber keineswegs um eine Komödie, Rammbock will schon ein ernsthafter Thriller sein, zieht zwischendurch die Spannungsschraube ordentlich an und setzt gelegentliche Schockeffekte. Nach etwa 60 Minuten ist das ganze schon wieder vorbei, und ich hatte das Gefühl, das sei genau die richtige Länge. Es würde so manchem Film nicht schaden, sich mit der knappen Laufzeit von einer Stunde zu begnügen und damit auf viel überflüssigen Ballast zu verzichten.

Rammbock läuft zur Zeit in nicht sehr vielen Kinos und soll im Dezember sowohl auf ZDFneo als auch im “großen” ZDF ausgestrahlt werden.