Die zehn Gebote für Kinogänger

In ihrer wöchentlichen Kinosendung auf BBC 5 live (gibt’s auch als Podcast — dringende Empfehlung!) haben Mark Kermode und Simon Mayo in den letzten Wochen ihre Zuhörer aufgefordert, einen „Code of Conduct“ für Kinogänger aufzustellen und all die Dinge zu sammeln, mit denen Kinobesucher ihren Mitmenschen auf die Nerven gehen. Am Ende stand eine Sammlung von (absichtlich sehr streng formulierten) Verhaltensregeln, an die sich jeder Kinogänger halten sollte.

Hier gibt es den Original Code of Conduct als JPG zum Runterladen und Ausdrucken. Peter Noster hat drüben bei Mostly Movies den Ausschnitt aus der Sendung, in dem Kermode & Mayo die Gebote (oder besser: Verbote) vorstellen, als Video.

Und weil das Anliegen überaus wichtig ist und sich weiß Gott nicht nur auf den englischen Sprachraum beschränken sollte, war ich so frei und habe eine deutsche Übersetzung angefertigt. Hier sind

DIE ZEHN GEBOTE FÜR KINOGÄNGER

Du sollst nicht essen …
… jedenfalls nichts, was Geräusche macht. Niemand will dich knuspern, kauen oder mampfen hören. Nachos sind extra-ärgerlich und des Teufels.

Du sollst nicht schlürfen …
… wenn dein Colabecher fast leer ist. Du hast schon 5 Liter getrunken, da brauchst du das geschmolzene Eis nicht auch noch. Du bist nicht sechs Jahre alt.

Du sollst nicht rascheln …
… weder mit Chipstüten noch mit ähnlich lauten Verpackungen, Taschen oder Rucksäcken. Keine Nahrungssuche während der Vorstellung. Wenn du während des Films etwas brauchst, leg’s dir vorher raus.

Du sollst auf deine Kinder acht geben
Dein Fünfjähriges möchte nicht den neuesten Film ab 12 sehen: Du missbrauchst das Kino als Babysitter. Wenn dein Kind jammert und weint, ist es dein Fehler und ein Ärgernis für alle anderen. Du kannst nicht mehr durchschlafen, weil dein Kind Albträume hat? Selber schuld.

Du sollst keinen Hobbies nachgehen …
… einschließlich Stricken, Drogenhandel, Modellflugzeugbau, Streiten, Geschlechtsverkehr und Facebook-Updates.

Du sollst nicht reden
Du bist in einem Kino – du bist zum Schauen hier, nicht zum Diskutieren. Oder zum „Mitmachen“, „Sich einbringen“ oder zum „Erklären“. Vor allem hat niemand 9 Euro Eintritt bezahlt, um deinen Audiokommentar zum Film zu hören. Setz dich hin und mach den Mund zu.

Du sollst dein Handy nicht benutzen
Gar nicht. Auch nicht im Flugzeugmodus. Das hier ist kein Flugzeug, sondern ein Kino. Auch wenn du nicht telefonierst, betreibst du immer noch Lichtverschmutzung. Schalt’s einfach aus. PS: Gilt auch für Blackberrys, Palm Pilots, iPads undsoweiter.

Du sollst den Vordersitz nicht treten
Die Zone direkt vor deinem Sitz gehört dir und ist dazu da, die Füße draufzustellen. Die Rückseite des Sitzes vor dir gehört jemand anderem. Dessen Bereich soll nicht von deinen Knien, Beinen oder anderen Körperteilen vereinnahmt werden.

Du sollst nicht zu spät kommen
So wie Woody Allen in Der Stadtneurotiker sollst du Filme ganz von Anfang bis ganz zum Schluss ansehen. Falls du doch zu spät kommst: Schau dir was anderes an.

Du sollst nicht die Schuhe ausziehen
Du bist hier nicht in deinem Wohnzimmer. Und auch nicht in Japan (falls doch: na gut). Ein Kino ist ein öffentlicher Ort: Behalte deine Körpergerüche für dich.

 

9 Gedanken zu „Die zehn Gebote für Kinogänger

  1. Jep, sollte man so vorschreiben.

    Neulich steht im Kino einer der Vorführer an der Theke neben mir, um sich in seiner Freizeit einen Film anzusehen. Bestellt eine Tüte Gummibärchen und ein leeres Latte Machiato Glas.
    „Wofür ist das denn?“
    „Da kommen die Gummibärchen ‚rein, damit es nicht raschelt.“

  2. Eine erweiterte Form von „Du sollst nicht reden“ wäre noch, die Unsitte zu erwähnen einzelne Szenen zu kommentieren. Alle anderen im Kino haben sie auch gesehen.
    Das ist jedenfalls in Hamburg (und ich fürchte nicht nur dort) sehr weit verbreitet – und extrem nervig.

    Ansonsten stimme ich bei jedem einzelnen Punkt aus vollem Herzen zu!!

    Übrigens fällt mir gerade noch ein:
    Du sollt nicht schnarchen!

  3. Ach, die Liste ist doch schon recht betagt- und obwohl ich einen Großteil dessen, was da steht, unterschreiben kann, ist mir der Tonfall ein kleines bisschen zu autoritär. Ein elftes Gebot von mir ganz persönlich wäre daher: „Du sollst dich mal ein bisschen locker machen und deine Griesgrämigkeit zurückfahren“ – Oder: Wenn ich zwei Sekunden lang versuche, im Kinosaal mein Bier zu öffnen, weil ich es während des Filmgenusses gern trinken würde, kann ich keine grimmigen Blicke (oder gar Kommentare) gebrauchen, weil dann sowohl der Bier- als auch der Filmgenuss passé sind und es trotzdem „Plopp“ macht. Und die goldene Regel, die schon im Blogtitel steckt, nämlich „Du sollst beim Abspann sitzen bleiben, es sei denn der Film war scheiße“ ist nicht mal drin. Nichts für ungut. ;) Aber man geht doch auch um des Eskapismus und der Entspannung wegen ins Kino, nicht nur, um zur Salzsäule zu erstarren und sich über Regelwerke den Kopf zu zerbrechen, die beinahe rigider und spießiger sind als „da draußen“. Dass man trotzdem seine Klappe hält und nicht offensiv mit Chipstüten raschelt und nicht telefoniert ist Ehrensache. (Ob jemand zu früh oder zu spät kommt ist mir aber z.B. egal – ich schaue JEDEN Film von Anfang bis Ende, spätestens wenn der Abspann vorbei ist, fange ich nicht mehr an. Ebenso wie das Abspann-gucken ist das eine Frage des Kunstverständnisses. Dass dies freilich nicht jeder besitzt und nicht jeder ins Kino geht, weil er wirklich daran interessiert ist, ist nichts neues; das sieht man schon am Programm)

  4. Das mit dem autoritären Tonfall stimmt. Gut möglich, dass da beim Übersetzen aus dem englischen Original das britische Augenzwinkern ein bisschen auf der Strecke geblieben ist.

    In schriftlicher Form klingt es vielleicht auch strenger als live im Radio vorgetragen – Mayo & Kermode haben das ganz bewusst pompös und staatstragend inszeniert (siehe Video), um auch eine ironische Ebene einzuziehen. Obwohl es im Kern dann doch wieder ernst gemeint wird.

    Im Prinzip könnte man alles auch auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Habe Respekt gegenüber dem Film als Kunstwerk und gegenüber deinen Mitmenschen im Saal.

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