Im Kino: Monsters

Monsters ist ein Etikettenschwindel. Es handelt sich hier nämlich nicht um ein „creature feature“, das fiesen Kreaturen möglichst viel Präsenz auf der Leinwand gibt. Die titelgebenden Monstren, in diesem Falle riesige Tentakelbiester von einem fernen Planeten, existieren im Film zwar, man sieht sie auch gelegentlich, sie spielen aber eher eine Nebenrolle. Es geht um den Fotografen Andrew, der in Mexiko auf die etwa 30-jährige Samantha, die Tochter seines Chefs, trifft, und das Versprechen einzulösen versucht, sie sicher nach Hause, in die USA zu begleiten. Das wäre nicht so schwierig, wenn nicht zwischen den USA und Mexiko eine mehrere Kilometer breite Quarantänezone liegen würde, die eigentlich von Menschen nicht mehr betreten wird.

Hier landeten vor einigen Jahren Außerirdische, hier leben sie und pflanzen sich fort. Die USA haben sich mit einem hohen Grenzwall von der Zone abgeschottet und fliegen gelegentlich Luftangriffe – die mexikanische Seite leidet stärker, weil die krakenartigen Viecher gelegentlich die Zone verlassen und angreifen. Andrew und Sam wollen also nach Hause, bekommen aber leider kein Flugzeug mehr, auch keine Schiffspassage, so dass nur noch der gefährliche Landweg bleibt. Mehr muss man über den Plot nicht wissen.

Die Story selbst ist eine relativ simple Von-A-nach-B-Geschichte, die ihren Reiz vor allem dadurch gewinnt, dass sie ein paar Dinge anders macht als üblich. Das gilt vor allem für die Anwesenheit der Aliens. Wie und warum sie auf die Erde gekommen sind, wird per Texteinblendung zu Beginn kurz erklärt, es spielt ansonsten keine Rolle. Es geht nicht nicht um eine Invasion, sondern um eine Welt, in der die Anwesenheit einer fremden Spezies bereits eine Tatsache ist (eine deutliche Parallele zu District 9, mit dem Monsters oft verglichen wird, der ansonsten aber ganz anders ist). Die Monster stehen weder im Rampenlicht noch werden sie permanent versteckt, um die Spannung anzuheizen (wie das etwa Ridley Scott in Alien perfekt gemacht hat) – hier sind sie einfach da, mit einer gewissen Beiläufigkeit. Man sieht sie im Hintergrund, z.B. auf Bildschirmen in einem TV-Beitrag. Dass sie in der ziemlich tollen Schlusssequenz des Films dann doch noch etwas mehr in den Mittelpunkt rücken, sei ihnen gegönnt. Ansonsten sind die Aliens einfach da, sie sind eine Bedrohung, aber eine, mit der man sich irgendwie zu arrangieren versucht.

Es geht auch nicht darum, wie diese Bedrohung bekämpft wird (auch wenn es am Rande thematisiert wird). Sam und Andrew wollen keine Aliens besiegen, sie wollen nur heil nach Hause kommen. Und die Gefahren, die auf diesem Weg liegen, gehen nicht allein von den Aliens aus. Im Mittelpunkt stehen die beiden Hauptfiguren, die beide eine glaubwürdige Entwicklung durchmachen und sich am Ende in sehr unkitschiger Weise näher kommen. Dass die Hauptdarsteller Whitney Able und Scoot McNairy im wirklichen Leben ein Ehepaar sind, hat bestimmt nicht geschadet. Sie sind die einzigen Profischauspieler im Film, alle anderen wurden während der Produktion Guerilla-mäßig von der Straße gecastet.

Überhaupt ist die Produktionsgeschichte fast genauso spannend wie der Film selbst: Gareth Edwards ist Autor, Regisseur, Kameramann, Cutter und Special-Effects-Mann in einem. Es gab kein festes Drehbuch, gedreht wurde mit einer günstigen Prosumer-Kamera, das Filmteam bestand aus sieben Leuten in einem Bus. Nach dem Dreh besorgte Edwards den Schnitt und die digitalen Effekte (es sind nicht wenige!) zu Hause am heimischen PC. Der Film entstand für lächerlich wenig Geld, sieht aber nie nach billigem Amateurfilm aus, sondern kann durch einen absolut professionellen Look überzeugen.

Insofern ist der Film der Beweis, dass die technischen Mittel für einen großen Kinofilm heute praktisch jedermann zur Verfügung stehen. Wer eine gute Idee hat, braucht „nur“ Skills, Eier und viel Zeit, um sie umzusetzen. Natürlich ist Monsters kein absolut perfektes Meisterwerk – für manche Zuschauer mag der Film (je nach Erwartungshaltung) sogar enttäuschend sein. Ich fand ihn sehr gelungen, auch wenn er mich an mehr als einer Stelle an Jurassic Park (nur ohne Kinder, Gottseidank!) erinnert hat.

Im Subtext bringt der Film noch ein paar interessante Gedanken zur mexikanisch-amerikanischen Grenzproblematik mit, vor allem aber stellt er die Frage, ob und wie es friedliche Koexistenz zwischen verfeindeten Spezies geben kann, welche Kollateralschäden man in Kauf nimmt und wer den Preis bezahlt. Fragen, die nur am Rande mitschwingen, dem Film aber einen Tiefgang verleihen, der ihn zu mehr macht als „just another monster movie“.

(Vielen Dank an filmstarts.de für die Einladung zur Preview!)

 

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