Im TV: Toki o kakeru shôjo (Das Mädchen, das durch die Zeit sprang)

Ich hatte recht hohe Erwartungen an Das Mädchen, das durch die Zeit sprang. Schon bei der Aufführung auf dem Fantasy Filmfest und beim DVD-Start 2007 gab es viel Lob für Mamoru Hosodas Film, sogar Vergleiche mit Hayao Miyazaki und Satoshi Kon wurden gezogen. Als der Anime dann im Rahmen der Trickfilmreihe letzten Sommer bei 3sat lief, landete er auf meinem Festplattenrekorder und wurde nun gesichtet. Die hohen Erwartungen wurden eher nicht erfüllt.

Am Titel liegt das nicht, denn dieser wird voll eingelöst: es geht tatsächlich um ein Mädchen, das durch die Zeit springt. Makoto kann Zeitreisen machen, allerdings nur in die Vergangenheit, und nur um wenige Minuten oder Stunden. Wir sind also weit weg vom Back to the Future-Terrain. Makoto entdeckt ihre Fähigkeit zufällig und lernt, sie mehr oder weniger zielgerichtet für ihre Zwecke einzusetzen. Und weil sie ein Teeniemädchen ist, sind das auch entsprechende Ziele: kurz mal eine begangene Blödheit korrigieren, früher aufstehen, bessere Noten schreiben.

Das ist dann aus meiner Sicht auch die Schwachstelle des Films: letztlich geht es ausschließlich um Pubertätsnöte und Teenagerprobleme, mehr kann und will das Drehbuch aus dem Zeitreise-Sujet nicht herausholen. Wenn Makoto wieder und wieder auf dem Zeitstrahl zurückhüpft und gleiche oder ähnliche Situationen sich mehrfach wiederholen, dann entsteht daraus keine Komik wie bei Bill Murray in Groundhog Day, sondern ein Ermüdungseffekt beim Zuschauer. Und der wird den Eindruck nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre.

Überzeugend ist der Film vor allem auf der visuellen Ebene. Durchweg gute Animation, deutlich aufwendiger als bei vielen japanischen Billig-Trickfilmen, vor allem aber viele kreative Ideen, den Zeitreisen von Makoto einen besonderen Look zu geben. Das reicht von Superzeitlupen bis zu surreal-abstrakten Räumen, die durchflogen werden. Die Bilder werden noch eine Weile im Gedächtnis haften bleiben, die Story dagegen hat sich schon fast wieder verflüchtigt.

 

Ein Gedanke zu „Im TV: Toki o kakeru shôjo (Das Mädchen, das durch die Zeit sprang)

  1. Okay, dann muss ich diesen Film wohl eher nicht vormerken. Von Hosoda kenne ich nur den aktuellen „Summer Wars“, der wagt sich demnach an weit größere Themen – hat mir auch sehr gut gefallen.

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