Media Monday #28

Ich bin spät dran, aber was solls? Hier ist eine neue Ausgabe des Filmfreundefragebogens aus Wulfs Medienjournal. Mein Senf in fetter Schrift.

1. Der beste Film mit Jesse Eisenberg ist für mich The Social Network. Ein wirklich extrem gelungener Film über ein vermeintlich stinklangweiliges Thema. Lohnt sich auch für die 2% des Planeten, die (wie ich) keinen Facebook-Account haben. Eine honorable mention geht an den zu Unrecht völlig untergegangenen Adventureland, eine sehr hübsche, nostalgische Coming-of-Age-Komödie, die in den 80ern in einem abgehalfterten Vergnügungspark spielt.

2. Danny Boyle hat mit Trainspotting seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das damals wirklich ein beeindruckender Film war, der auch mehrmalige Sichtung gut verträgt und für immer einer der Filme der 90er sein wird. Ich mag den Boyle aber generell sehr gerne, auch deshalb, weil er sich nie auf eine Formel oder ein Genre festlegt, sondern sich immer ganz neue Stoffe sucht, die fast immer hochinteressant sind.

3. Der beste Film mit Rachel Weisz ist für mich The Fountain von Darren Aronofsky. Wobei das wiederum Aronofskys schwächster Film ist („ziemlich überladen mit Symbolik und Bedeutung und leider einer Portion Kitsch-Esoterik“, schrieb ich damals). Trotzdem bleibt der Film im Gedächtnis und damit auch Rachel Weisz‘ Performance. Habe ich sie sonst noch irgendwo gesehen? Nicht dass ich wüsste.

4. Jeder hat so seine Filme, die er sich immer und immer wieder ansehen kann. Dafür müssen diese Filme nicht einmal gut oder anspruchsvoll sein. Wenn beispielsweise sonntags nichts Besseres läuft, wenn ihr euch einfach nur berieseln lassen wollt, krank im Bett liegt oder zu anderen Gelegenheiten, welche Filme landen bei euch immer wieder auf der Mattscheibe?

Eigentlich gibt’s zu viele Filme auf der Welt, um die gleichen Filme immer wieder zu gucken. Ich habe auch nur sehr wenige mehr als drei- oder viermal gesehen. Rekordhalter dürfte The Blues Brothers von John Landis sein, den ich zuerst wegen der Musik und der Gaststars mochte, dann als lustigen Partyfilm liebte und erst später als einen hoch amüsanten Actionfilm mit einer der tollsten und längsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte schätzte.

5. Fernab von sympathischen und/oder attraktiven SchauspielerInnen oder präferierten Genres; habt ihr einen Lieblingsregisseur, der euch ungeachtet der genannten Kriterien in steter Folge ins Kino treibt, wenn sein neuestes Werk anläuft?

Der Regisseur ist der Nummer-1-Grund für einen Kinobesuch, und es gibt eine ganze Reihe Regisseure, deren neue Filme ich immer sehen will. Ganz oben auf der Liste stehen mit Sicherheit die Coen-Brüder, Quentin Tarantino, Wes Anderson und Paul Thomas Anderson.

6. Arthouse-Kino ist auch so ein mehr oder weniger leeres Schlagwort. Sind die oben genannten Regisseure Arthouse-Filmer? Vermutlich ja. Wenn man den Begriff nicht als Schublade für Filme, sondern für Kinos sehen will: Lang mögen sie leben, die Arthouse-Kinos! Das sind wichtige, unverzichtbare Gegenpole zur Seuche der Multiplex-Höllen.

7. Mein zuletzt gesehener Film war The Hurt Locker und der war ziemlich gut (wenn auch nicht ganz so brillant, wie der Oscar-Hype von 2010 glauben machte), weil Kathryn Bigelow es schafft, ohne viel Worte und Erklärungen das Gefühl des süchtig machenden Nervenkitzels zu vermitteln, die Krieg auf manche Teilnehmer ausübt, ohne dabei Krieg und Soldaten zu glorifizieren.

 

4 Gedanken zu „Media Monday #28

  1. Na da freue ich mich doch, dass du auch wieder mit dabei bist!

    Wir haben drei Übereinstimmungen bei 1-3, das ist doch gar nicht mal schlecht! Und der Begriff Arthouse Kino war absichtlich nicht näher erklärt, ich meinte aber explizit und insbesondere auch die Lichtspielhäuser. Werde solche Schlagworte wohl nicht mehr als Frage mit aufnehmen, da antworten ja doch alle nur „nichts als eine leere Worthülse“ – war ja beim „Blockbuster“ ähnlich :-)

  2. Jaja, die Blues Brothers werden bei mir daheim auch immer wieder angeschaut. All-Time-Favourit meiner Eltern und einer der wenigen Filme, die die ganze Familie in gute Stimmung versetzt. Und noch jemand der Coen-Anhänger ist. So soll es sein.

  3. Mein Lieblingsfilm von Danny Boyle wäre bis vor kurzem noch „28 Days later“ gewesen, aber seit letztem Jahr müsste ich „127 Hours“ nennen. Der Film hatte mich beim Kinobesuch dermassen umgehauen, dass ich ihn mir am liebsten gleich noch einmal angeschaut hätte. Und auch bei der später erfolgten Neusichtung auf DVD hatte er nichts von seiner Wucht verloren. Mag sein, dass sich dieser Eindruck nicht aufreccht erhalten lässt, aber das wäre für heute (so genial „Trainspotting“ auch ist) meine Wahl.

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