Im Kino sehen:
Tinker, Tailor, Soldier, Spy (Dame, König, As, Spion): Ein auf sehr schicke Weise altmodisch daherkommender Spionagethriller im Kalten Krieg, basierend auf einem Roman von John Le Carré aus dem Jahr 1974. Die Umsetzung stammt vom Schweden Tomas Alfredson, der hiermit nach seinem großartigen Let the Right One In sein Hollywood-Debüt abgibt. Sehr vielversprechend besetzt mit lauter tollen Typen (Gary Oldman, John Hurt, Colin Firth, Tom Hardy und Benedict “Holmes” Cumberbatch).

Auf die DVD warten:
Moneyball (Die Kunst zu gewinnen – Moneyball): Das Eröffnungskapitel in Christoph Biermanns Buch Die Fußball-Matrix handelt davon wie Billy Beane, Manager des Baseball-Profiteams Oakland Athletics, die Baseball-Welt revolutionierte, indem er ein Team strikt nach statistischen Werten zusammenstellte und damit sensationell erfolgreich war. 2003 schrieb der Journalist Michael Lewis diese Geschichte im Buch Moneyball auf. Das Buch erschien nie auf Deutsch, die Verfilmung dagegen schon. Denn hier spielt Brad Pitt die Hauptrolle, es gibt Oscar-Nominierungen, und überhaupt wird stets versichert, dass dies kein Baseballfilm sei und auch für Leute geeignet, die keine Ahnung vom Baseball haben. Der Trailer jedenfalls riecht nach einem vielversprechenden Sport-/Management-Drama, das Tomatometer kommt auf satte 94%.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Zettl: Helmut Dietl – der mit seinem weißen Schal immer mehr wie eine Karikatur seiner selbst aussieht – knüpft an Kir Royal an (aber ohne Franz Xaver Kroetz, der wollte nicht), geht von München nach Berlin, holt sich Stuckrad-Barre als Co-Autor ins Boot und Bully Herbig als Hauptdarsteller. Und scheitert, wenn man den Kritikern glaubt, grandios. Eine Handvoll gute Dialoge dürften trotzdem drin sein.

Die Summe meiner einzelnen Teile: Der neue von Hans Weingartner, der mit Das weiße Rauschen und Die fetten Jahre sind vorbei zwei ziemliche Erfolge und danach mit Free Rainer einen ziemlichen Flop hingelegt hat (bitte raten Sie jetzt, welche zwei Filmtitel in der Werbung genannt werden). Diesmal geht es wieder in die düsterere Richtung von Das weiße Rauschen. Es geht um einen hochbegabten Mathematiker, der nach einem Zusammenbruch und psychiatrischer Behandlung nicht wieder zurück in Job und Gesellschaft findet.

The Matchmaker (Ein Sommer in Haifa):
Israelische Coming-of-Age-Geschichte, die 1968 in Haifa spielt. Jugendlicher Aufbruch und gesellschaftlicher Umbruch sind zu spüren, aber das Trauma der Shoa wirkt noch nach. Regisseur Avi Nesher scheint hier eine gute Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere gefunden zu haben.

Muss nicht sein:
My Reincarnation: Der nächste in einer niemals abreißenden Reihe von Tibet- bzw. Buddhismus-Sachfilmen, die hierzulande ins Kino schwappen. Hier geht es um den in Italien geborenen Sohn eines tibetanischer Würdenträgers, der die Inkarnation eines noch würdigeren Würdenträgers sein soll, aber keine Lust hat, nach Tibet in ein Kloster zu gehen.

The Inbetweeners Movie (Sex on the Beach): Der große Sommerhit in Großbritannien (in den Jahrescharts auf Platz 3 hinter Harry Potter 7b und The King’s Speech), der den Abschluss einer sehr erfolgreichen TV-Comedyserie über und für pubertierende Jugendliche bildet. In Deutschland läuft die Serie nirgends, dass man dann trotzdem den Kinofilm importiert (und mit der Synchro vermutlich noch den letzten Rest Charme inmitten der Penis-, Sauf- und Pupswitze tötet), verstehe ich nicht so ganz.

Underworld Awakening: Ein Franchise, das mich nie gejuckt hat, das aber wohl immer noch groß genug ist, um den nunmehr vierten Teil der Action-Vampir-Sause ins Kino zu bringen. Diesmal in 3D.