Im TV: Phoenix in der Asche

Der Dokumentarfilmer Jens Pfeifer begleitet den Basketballclub Phoenix Hagen über eine gesamte Saison. Das Team ist gerade frisch in die oberste Spielklasse, die BBL, aufgestiegen und kämpft mit Mühe um sein einziges Saisonziel, den Klassenerhalt. Weil die Statuten der BBL bestimmte Vorgaben für die Spielstätten machen, muss Phoenix in dieser Saison in einer provisorischen Halle spielen, während die bisher genutzte Halle für die Anforderungen der Bundesliga aufgerüstet wird.

Ohne Off-Kommentar zeigt uns Pfeifer verschiedenste Szenen aus einem Jahr Basketball-Bundesliga. Die Hauptprotagonisten sind Trainer Ingo Freyer und der Spieler Michael Jordan (ja, der heißt wirklich so), der nach einem missratenen Saisonauftakt als neuer Führungsspieler verpflichtet wird. Diese Verpflichtung erweist sich für Phoenix nicht direkt als Glücksgriff, für den Film aber sehr wohl. Denn durch Jordan bekommt Phoenix in der Asche ein Konfliktpotential, das die Dramaturgie des Films, zusammen mit dem extrem knappen und spannenden Saisonverlauf, bestimmt. So entsteht ein echter, übergreifender Handlungsbogen, ein roter Faden, an dem Pfeifer viele kleine Episoden ausrichten kann.

Wir bekommen keine detaillierten Einblicke in die Trainigsarbeit, in taktische Feinheiten, oder auch nur in Regeln, Ablauf und Dramaturgie der Sportart Basketball. Das alles wird nur ganz am Rande angeschnitten, was ein bisschen schade ist, aber den Rahmen von 90 Minuten deutlich gesprengt hätte. Pfeifer sind andere Aspekte wichtiger. Er erzählt vom Abstiegskampf als Leidensgeschichte, von den Beziehungen innerhalb einer Profimannschaft, von Sportleregos und von der Tristesse des Alltags, wenn man als Profi in einer nicht allzu populären Sportart in einer nicht allzu mondänen Gegend tätig ist. Das Provinzielle am Schauplatz Hagen, der Zwang zum Improvisieren und der Mangel an Mitteln ist zentraler Bestandteil des Films. Man hätte einen ganz ähnlichen Film problemlos in einer anderen „kleineren“ Sportart (wie Handball oder Eishockey) ansiedeln können, wichtig ist vor allem der Schauplatz (keine große Metropole) und die Tatsache, dass es sich nicht um den medial bis zum Überdruss ausgeleuchteten Fußball handelt. Nur so entstehen charmante Szenen wie jene, in der ein nicht deutsch sprechender Basketball-Hühne an einer Autobahnraststätte bei einer nicht englisch sprechenden Servicekraft ein Omelette bestellt.

Ob man Interesse an der Sportart hat oder gar Fan ist, spielt fürs Zusehen kaum eine Rolle, denn, wie gesagt, es geht eigentlich nicht um das Spiel. Es geht um kleine Geschichten und großes Drama zwischen Gewinnen, Verlieren und Wieder-von-vorne-anfangen. Das ganz normale Leben also. Schöner Film.