Im Kino: The Avengers (Marvel’s The Avengers)

Die Idee ist fast so alt wie der Superheldencomic selbst: Man nehme eine Handvoll bekannter Helden und lasse sie gemeinsam als Team antreten. Mit The Avengers setzt Marvel diese Idee nun erstmals im Kino um. Die Besonderheit: Die verschiedenen Superhelden werden (mit einer Ausnahme) von denselben Schauspielern verkörpert, die sie bereits in den Vorgängerfilmen spielten.

Seit Marvel die Filmrechte an seinen Figuren nicht mehr nur an externe Studios vergibt (wie z. B. im Fall von X-Men oder Spider-Man), sondern Filme in Eigenregie selbst produziert (den Anfang machte Iron Man im Jahr 2008), baute man kontinuierlich an dem, was von Anfang an zu den speziellen Erfolgsfaktoren des Comicverlags gehörte: ein zusammenhängendes Universum, in dem die erzählten Geschichten spielen. Iron Man findet also in derselben Welt statt wie Thor, was unter anderem an Kurzauftritten von Samuel L. Jackson zu erkennen war, der als Nick Fury, Leiter der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., ein Team von Spezialagenten zusammenstellt. Die Verträge mit den Hauptdarstellern wurden so gestaltet, dass sie nicht nur für ihre „eigenen“ Filme galten, sondern auch für einem Ensemblefilm, der die Helden zusammenbringt.

Dies geschieht nun in The Avengers: Nick Fury muss sich nicht mehr mit winzigen Gastauftritten nach dem Abspann begnügen, sondern rückt als Hauptfigur ins Zentrum. Er hat den auf Eis gelegten Supersoldaten Captain America aufgetaut, er steht in engem Kontakt mit Iron Man, und auch die Agenten Clint Barton alias Hawkeye und Natasha Romanov alias Black Widow arbeiten für ihn. Letztere schickt er nach Indien, um einen Wissenschaftler aufzuspüren, der sich dort versteckt hält: Bruce Banner, den meisten besser bekannt in seiner wütend-grünen Identität als Hulk. Im Hauptquartier von S.H.I.E.L.D. wird ein kosmischer Würfel untersucht, der schon am Ende des Thor-Films zu sehen war. Dieser Würfel scheint nicht nur eine enorme Energiequelle, sondern auch die Verbindung zu einer anderen Dimension zu sein. Durch dieses Portal kommt schon nach wenigen Minuten Laufzeit der Bösewicht des Films auf die Erde: Thors Bruder Loki reißt sich nicht nur den Würfel unter den Nagel, sondern manipuliert auch gleich noch Hawkeye sowie den Wissenschaftler Professor Selvik für seine Zwecke.

Erfreulich schnell bringt Regisseur Joss Whedon die Handlung in Gang. Mit dem Auftritt von Loki ist der Antagonist und die große Bedrohung, die von ihm ausgeht, bereits präsent, lange bevor das titelgebende Superheldenteam sich endgültig versammelt hat. Den Aufbau des Teams entwickelt Joss Whedon mit gutem Timing parallel zur Jagd nach Loki. Dadurch erhält der Film die so wichtige Balance zwischen rasanter Action und eher ruhigen Momenten, in denen die Figuren und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt stehen. Hier findet Whedon ausreichend Raum für gelungene Dialoge, für Emotionen und – ganz wichtig – für Humor, der sich vor allem aus den Rivalitäten und charakterlichen Unterschieden zwischen Alphatieren wie Iron Man, Thor oder Captain America speist. Auch wenn das Pendel in der letzten halben Stunde des Films eindeutig zugunsten dröhnender Action ausschlägt, unterscheidet sich The Avengers durch seine starken Figuren (und durch die hohe Qualität der Schauspieler, die sie verkörpern) deutlich von geistlosen Blockbustern à la Transformers.

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