Auf DVD: Juan de los Muertos (Juan of the Dead)

(Vorbemerkung: Auf DVD ist der Film noch nicht erschienen, sondern läuft noch im Kino. Als Release-Datum ist der 4. September angekündigt. Die Überschrift rührt daher, dass ich den Film zuhause auf einer Screener-DVD gesehen habe, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der zuständigen PR-Agentur)

Juan lebt in Havanna und ist das, was man vielleicht als „Slacker“ bezeichnen könnte, wenn er dafür mit 42 nicht schon ein bisschen zu alt wäre. Er hängt viel rum, erledigt hier und da mal ein mehr oder weniger legales Geschäft, schiebt zwischendurch eine Nummer mit einer kubanischen Schönheit und dann hängt er wieder rum, vor allem mit seinem nicht ganz so schlauen Kumpel Lázaro. Allzu viel bekommen wir jedoch vom Alltagsleben der Protagonisten nicht mit, denn schon sehr bald begegnen uns und ihnen immer mehr Untote. Die sind angriffslustig und hungrig und müssen deshalb möglichst effektiv erledigt werden. Juan, Lázaro und ein paar weitere Freunde und Verwandte entdecken schnell, dass sie darin recht talentiert sind und beschließen, aus diesem Talent ein Geschäftsmodell zu machen: „Wir töten ihre Liebsten“. Wer einen zum Zombie mutierten Onkel, Bruder oder Großmutter hat, ruft Juan und muss sich nicht um moralische Skrupel scheren.

Soviel zum Plot des Films, viel mehr ist da auch nicht. Denn Regisseur Alejandro Brugués geht es in Juan de los Muertos, dem, jawohl, „ersten kubanischen Zombie-Film“, nicht um eine fesselnde, spannende oder gar sinnvolle Story, sondern um eine möglichst spaßige (Splatter-) Komödie. Das ist, wenn man ein Herz für makaber-schwarzen Humor hat, durchaus amüsant und witzig, allerdings verlässt sich Brugués allzusehr auf Running Gags, die mit zunehmender Laufzeit immer unlustiger werden. Hihi, einer der selbsternannten Zombiejäger kann kein Blut sehen, haha, ein anderer killt gerne mal aus Versehen die Lebenden statt die Toten – derlei Gags werden leider überstrapaziert und nerven auf Dauer.

Da Juan of the Dead auf eine interessante Figurenentwicklung oder eine überzeugende Bedrohung ebenso verzichtet wie auf eine Erklärung oder Auflösung der plötzlich ausbrechenden Zombie-Epidemie oder gar innere Logik (mal sind die großen Plätze der Hauptstadt leer und verlassen, dann wieder wimmelt es von Zombies – wieso?), bleibt es bei einer launigen Nummernrevue aus Gags und reicht daher bei weitem nicht an Vorbilder wie den brillanten Shaun of the Dead heran. Wem die Gagparade nicht ausreicht, dem bietet immerhin der ungewöhnliche Schauplatz ein wenig Frische. Karibisches Sommerflair, der verwaschene Look und ein paar dezente politische Einsprengsel (im Staatsfernsehen werden die Zombies als „Verschwörung von Dissidenten“ angekündigt) heben den Film ein wenig über sein Durchschnittsniveau. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man aus dem Thema „Zombies in Kuba“ wesentlich mehr hätte herausholen können als „just another zombie comedy“.