Im Kino: Looper

Es gibt sie noch: die guten, wirklich empfehlenswerten Genrefilme. Die sich mit einer an sich recht einfachen Geschichte klar innerhalb eines Genres bewegen, die Welt nicht neu erfinden, aber trotzdem frische Ansätze mitbringen. Und die vom Zuschauer nicht erwarten, dass er sein Hirn an der Kasse abgibt, sondern es im Gegenteil sogar benutzt. Diese Filme sind nicht Underground oder Indie, aber auch nicht richtig Mainstream. Sie sind versteckt zwischen der zweit- und drittklassigen B-Ware, die meistens direkt auf DVD erscheint, und den teuren, mit millionenschweren Werbebudgets gehypten Blockbustern, die mit Effektgewittern, bekannten Stars (und leider inzwischen fast immer 3D-Technik) protzen, aber inhaltlich fast immer herbe enttäuschen.

Zu dieser Kategorie (in die ich auch Filme wie Hanna, Moon oder Source Code packen würde) zählt für mich Looper von Rian Johnson. Joseph Gordon-Levitt (der spätestens seit The Dark Knight Rises verdientermaßen auf dem Weg zum Topstar ist) spielt darin eine besondere Form des Auftragskillers, eben einen „Looper“. Er bringt Leute um, die aus der Zukunft in seine Gegenwart geschickt werden. In dieser Zukunft sind Zeitreisen möglich, aber illegal, und werden von Gangsterkartellen genutzt, um Menschen spurlos zu beseitigen. Zum Job gehört auch, dass man irgendwann auch mal sich selbst vor der Wumme hat, denn altgewordene Looper werden auf die gleiche Weise entsorgt. Dumm nur, wenn das alte Ich (gespielt von Bruce Willis) schlauer ist als das junge, und entkommen kann. Dann geht nämlich ein großes Katz-und-Maus-Spiel los, in dem man als junger Looper sowohl Jäger als auch Gejagter ist.

Autor und Regisseur Rian Johnson inszeniert das tempo- und actionreich, flott genug, um den Zuschauer vom zwanghaften Suchen nach Logiklöchern abzuhalten, aber auch ruhig genug, um übersichtlich und nachvollziehbar zu bleiben. Während die erste Hälfte in einer düsteren, dystopischen Großstadt des Jahres 2044 spielt, vollzieht sich zur Mitte des Films ein gravierender Schauplatz- und Stimmungswechsel. Dann sind wir plötzlich zwischen unendlichen Kornfeldern auf dem flachen Land von Kansas, und zum Ensemble aus harten Hunden gesellen sich nun auch noch eine alleinstehende Farmerin (Emily Blunt) und ihr kleiner Sohn Cid, der auf der nach oben offenen Damien-Skala für gruselige Kinder eine hohe Punktzahl bekommt.

Das alles funktioniert bestens, ist immer spannend und manchmal auch witzig. Die Zeitreiseprämisse ist clever und in sich stimmig (so gut das eben bei diesem Thema geht), ohne zum unverständlichen Mindfuck zu werden. Wenn mich an Looper etwas gestört hat, dann das seltsame Make-Up von Joseph Gordon-Levitt. Der wurde so geschminkt, dass er Bruce Willis nicht allzu sehr, aber ein wenig ähnelt. Was zur Folge hat, dass er nicht wie Willis, aber auch nicht wie Gordon-Levitt aussieht. Sein Gesicht wirkt dadurch recht maskenhaft, was mich viel mehr stört, als wenn es gar keine Ähnlichkeit zwischen den beiden gäbe. Wenn der Film behauptet, dass Willis der alte Gordon-Levitt ist, dann glaube ich ihm das auch ohne Schminke.

Looper profitiert auf angenehme Weise davon, dass es nicht das große Epos sein will, das komplexe Welten erdenkt und philosophische Tiefen ergründet. Die Story fühlt sich eher an wie eine bessere Twilight Zone-Episode oder eine SF-Kurzgeschichte. Gute, intelligente Unterhaltung eben, mit einem soliden Drehbuch, guten Schauspielern und ordentlicher Action. Kein Remake, kein Sequel, kein Prequel, kein Teil eines größeren Franchise. Klingt banal, ist aber leider selten. Für mich ist Looper jedenfalls eines der Highlights in diesem an Höhepunkten nicht eben reichen Kinojahrs.

 

5 Gedanken zu „Im Kino: Looper

  1. Oh, das seltsame Make-Up wurde von meiner Freundin auch heftigst kritisiert! :-) Ich war ja schlicht der Meinung, dass man 2044 so rumlaufen würde und habe das Make-Up nicht zum „wir-schminken-uns-einen-jungen-Willis“-Konzept gezählt; einig geworden sind wir uns dahingehend aber auch nicht.

    Ansonsten kann ich mich deiner Kritik unumwunden anschließen, weil ich genauso überrascht war, einmal wieder einen intelligenten und in weiten Teilen originären Film im Kino betrachten zu dürfen. Wahrlich und leider wirklich eine Seltenheit heutzutage, gerade in der Kombination.

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