Auf DVD: Kriegerin

Diesem Film, Anfang des Jahres im Kino gelaufen und jetzt auf DVD/BluRay verfügbar, eilt ein Ruf voraus: Reichlich Preise, viele positive Rezensionen und vor allem jede Menge Lob für Alina Levshin, die hier die Hauptrolle der Marisa spielt. Marisa ist 20, jobbt in dem kleinen Supermarkt ihrer Mutter und gehört zu einer Neonazi-Clique, deren Anführer ihr Freund ist. Sie scheint nicht unzufrieden zu sein mit diesem Leben – aber es gerät durch zwei Ereignisse in Bewegung: Ein Gewaltausbruch gegen zwei junge Asylbewerber, bei dem Marisa eine Grenze übertritt, und die Ankunft von Svenja, einem Teenagermädchen, das ganz frisch zur Clique hinzugestoßen ist.

Regisseur und Autor David Wnendt erzählt abwechselnd aus zwei Perspektiven: der von Marisa, der kühlen, harten Skinheadbraut, die offensichtlich schon lange zum Neonazi-Milieu gehört, die aber langsam beginnt, dessen hässliche Seiten zu sehen und zaghaft anfängt, sich davon abzuwenden. Und aus der von Svenja, die aus einer eher bürgerlichen Umgebung stammt und mit ihren 15 Jahren sehr fasziniert ist von all diesen coolen Typen mit ihren krassen Tattoos und der wilden, verbotenen Musik.

Wnendt versucht, die Motivation und Faszination zu erklären, die junge Leute (und eben auch Mädchen und Frauen) zu Neonazis, zu Rechtsradikalen, zu gewalttätigen Ausländerhassern macht. Was die Motivation angeht, bleibt der Film leider klischeehaft (Chancenlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Abgehängtheit bei den Unterprivilegierten, oder aber Stress mit dem Elternhaus im Fall von Svenja). Das sind arg einfache Antworten, bei denen sich der bürgerliche Zuschauer in gefestigten Verhältnissen entspannt zurücklehen und „Das könnte mir/meinen Kindern nicht passieren“ denken kann.

Besser sieht es bei der Faszination aus: Wnendt stellt die Rechtsextremen eben nicht (nur) als tumbe Säufer dar, sondern zeigt sie (auch) als attraktive Jugendkultur. Kriegerin ist damit kein simpler, platter Lehrfilm, den man Jugendlichen in der Schule einfach zur Abschreckung zeigen kann (dass ein Einsatz im Unterricht trotzdem erwünscht ist und im richtigen Rahmen sicher auch sinnvoll sein kann, zeigt das auf der DVD enthaltene und auch online verfügbare Unterrichtsmaterial für Lehrer). Dass er hier widersprüchlich bleibt und keine allzu einfachen Antworten gibt, ist ein großer Pluspunkt des Films.

Der andere große Pluspunkt sind die Darsteller. Alina Levshin (die man auch aus Dominik Grafs toller Serie Im Angesicht des Verbrechens kennen könnte) wurde zu Recht allseits gefeiert, aber auch Jella Haase als Svenja spielt absolut überzeugend, auch wenn das Drehbuch für sie keine derartige Tour de Force vorgesehen hat wie für Levshin.

Kriegerin könnte noch wesentlich stärker sein, wenn er weniger klischeehaft wäre und die Wendung, die zu Marisas Abkehr von der Szene führt, nicht gar so melodramatisch wäre. Trotzdem gelang David Wnendt hier ein sehenswerter Film, der es sich nicht zu einfach macht, der beim Sehen durchaus eher unangenehm ist und der es weitgehend schafft, die Didaktik-Falle eines typischen „Kinos mit Botschaft“ zu umgehen.

 

2 Gedanken zu „Auf DVD: Kriegerin

  1. Für mich war das ein ganz grausamer Film deutscher Machart, bis zum Rand vollgestopft mit Klischees und Banaliäten. Wenn schon deutschsprachige Filme, das haben mich die letzten Jahre gelehrt, dann bitte aus Österreich.

  2. Ich verstehe, was du meinst, vieles aus Österreich ist deutlich radikaler und kompromissloser. Aber für mich fühlte sich Kriegerin eben gerade nicht so sehr nach typisch „deutscher Machart“ an, und das fand ich ganz angenehm. Zumindest in der ersten Hälfte geht der Film für mich sehr eigenständig und roh an sein Thema ran, so wie man es im klassischen „Mittwoch 20:15 Uhr im Ersten“-Fernsehfilm nicht machen würde.

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