Wo Kino nicht nervt

„L’enfer, c’est les autres.“
Jean-Paul Sartre

Holgi war im Kino (in einem großen Multiplex) und er war entsetzt: „Kino ist nämlich leider Scheiße.“ Gestört hat ihn vor allem die viele Werbung sowie der Geruch und die Geräusche des vielen Kino-Essens. Abschließend wünscht er sich ein Kino ohne Werbung, ohne Essen und mit genügend Platz. In den Kommentaren zu dem Blogeintrag läuft es überwiegend darauf hinaus, dass diese Wünsche entweder im häuslichen Heimkino erfüllt werden oder aber in den gerade neu entstehenden Luxuskinos wie der Astor Film Lounge.

Ich finde, es muss einen dritten Weg zwischen diesen beiden Extremen geben. Denn weder der völlige Rückzug in rein privaten Filmkonsum noch das Ausweichen in mehr oder weniger schnöselige Besserverdiener-Premiumkinos sind wirklich erstrebenswert. Dieser dritte Weg ist auch nicht schwer zu finden, denn das Grundproblem für die Phänomene, die nicht nur Holgi zu Recht sehr nerven, ist: Masse. Kino für die Masse heißt Popcorn, heißt viel Werbung und zieht leider auch oft ein Publikum an, das gerne mal gleichzeitig gegen alle Punkte des Code of Conduct verstößt.

Ich fahre seit etlichen Jahren sehr gut damit, unangenehme Kinobesuche zu vermeiden, indem ich einfach nicht da hingehe, wo die Masse hingeht. In München lässt sich das auf die einfache Faustregel „Halte dich vom Mathäser fern und gehe ins Cinemaxx nur während des Filmfests“ reduzieren. Es bleiben immer noch genug Kinos übrig, die zwar auch nicht alle komplett frei von Werbung, Popcorn und Nachos sind, aber sie zeigen weniger Werbung, haben kleinere Säle und weniger Besucher (was dann auch wieder den Fressterror mindert). Oder sie zeigen die Filme im Original, was ein erstaunlich guter Idiotenfilter ist. Das klingt total hochnäsig und herablassend, ist aber eine Tatsache. Im OF-Kino steigt nicht nur automatisch das Bildungsniveau (was noch lange nichts mit gutem Benehmen zu tun hat), vor allem aber die Quote derjenigen, die sich wirklich für den Film interessieren und sich entsprechend verhalten.

Es gilt also, nicht nur den richtigen Film auszuwählen, sondern auch das richtige Kino. Und dabei gilt es, den Massen aus dem Weg zu gehen. Möglicherweise muss man dann drauf verzichten, den neuen Bond gleich am Starttag zu sehen, es schont aber die Nerven und – am Wichtigsten – es erhält die Freude am Kinobesuch.

 

2 Gedanken zu „Wo Kino nicht nervt

  1. Ich kann nicht für München sprechen, aber das mit der Originalfassung als Idiotenfilter würde ich nicht als Faustregel stehen lassen. Zumindest in Berlin ist es so, dass ein OV-Kino wie das CineStar am Potsdamer Platz (zugegebenermaßen ein Massenkino, aber manche der dort gezeigten Filme kriegt man in OV nirgends) auch viele Touristen locken. Und so schwer das vorzustellen sein mag, es gibt offenischtlich Gegenden auf der Erde, in denen so etwas wie eine „Kino-Etikette“ (Gespräche und Handynutzung NACH dem Film etc.) noch rudimentärer verbreitet ist als hierzulande. Ich würde die Faustregel also insofern korrigieren: 1) Massen und Touris vermeiden, 2) Idiotenfilter (oft auch durch geignete Filmauswahl). Ein erweiterter Idiotenfilter ist es übrigens, während wichtigen Fussballübertragungen etc. ins Kino zu gehen. Ich würde auch noch DSDS etc. anführen, aber wenn der Mist läuft, kostet das Kino ja gleich wieder 35% mehr.

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