Im Kino: The Hobbit – An Unexpected Journey (Der Hobbit – Eine unerwartete Reise)

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Der Hobbit also. Zehn Jahre nach Peter Jacksons Lord of the Rings-Triumph wird nochmal nachgelegt. Als LotR-Fan freute ich mich drauf. Weil es rund um den Kinostart aber relativ viel negative Stimmen gab, entschied ich mich: Erstmal abwarten, nicht sofort ins Kino rennen, Erwartungen runterschrauben. Und: die 3D-Fassung meiden, vor allem die mit der High Frame Rate.

Gute Entscheidungen, wie sich rausstellen sollte. Denn ich fand den Hobbit wirklich prima. Mich hat der Film zweieinhalb Stunden bestens unterhalten, ich habe bekommen, was ich wollte. Großartiges Augenfutter, tolle Effekte, schöne Kreaturen, hässliche Kreaturen, grandiose Landschaften. Vor allem aber: Eine Rückkehr nach Mittelerde. In genau DAS Mittelerde, das ich aus den Herr der Ringe-Filmen kannte. Das ist nicht nur ein Nachbau mit möglichst großer Ähnlichkeit, das ist genau diese Welt. Mit dem gleichen Look, dem gleichen Licht, der gleichen Musik und zum Teil den gleichen Gesichtern. Ich denke, das ist ein ganz wesentlicher Aspekt dieser neuen Trilogie: dass sie sich eben nicht entfernt vom Lord of the Rings (was sicher auch seinen Reiz hätte und wohl auch passiert wäre, wenn Guillermo del Toro als Regisseur nicht abgesprungen wäre), sondern ganz klar und ganz bewusst dort andockt und beide Geschichten miteinander verzahnt. Die Gastauftritte der bekannten LotR-Gesichter mögen vielleicht für die Story unwichtig sein, aber sie tragen zu dieser Verzahnung bei.

Es fühlte sich an wie Nachhausekommen. Man war sofort wieder „drin“, im Auenland, bei den Hobbits, und alles fühlte sich vertraut und bekannt an. Es fühlte sich richtig an. Die Längen, die der Film zweifelsohne zwischendurch hat, störten mich überhaupt nicht, ich fand’s an keiner Stelle langweilig. Im Gegenteil, ich wäre am Ende gerne sitzengeblieben und hätte weitergeschaut. Dass Peter Jackson und seine Co-Autoren Fran Walsh, Philippa Boyens und del Toro sich nicht 1:1 an Tolkiens Vorlage halten, sondern ausschmücken und sich auch an anderen Tolkien-Texten bedienen: gut so! Diese Trilogie wird wahrscheinlich auf lange Sicht die letzte Möglichkeit sein, Mittelerde im Kino zu sehen, und da soll man von mir aus gerne so viel reinpacken, wie möglich ist.

Mehr als die Länge und die Ausschmückungen störte mich die doch etwas simple Dramaturgie. Die Unexpected Journey ist beinahe ein Episodenfilm, so brav wie hier eine Station nach der anderen abgehakt und zur nächsten weitergezogen wird. Auch dass Gandalf gleich drei- oder viermal den Deus ex machina spielen und allen aus der Patsche helfen muss, ist auf Dauer eher anstregend. Und dass die lange Laufzeit nicht genutzt wird, neben Anführer Thorin Eichenschild auch den anderen Zwergen ein bisschen Charakter zu verleihen, ist wirklich schade. Das sind Salzkörner, die etwas stören, die Suppe aber noch lange nicht ungenießbar machen.

The Hobbit ist als Geschichte lange nicht so episch wie Lord of the Rings, er ist verspielter, humorvoller, einfacher. Für den Film gilt das aber nur zum Teil. Das Verspielte, Witzige und Kindliche ist da, aber es gibt auch reichlich episches Schlachtengetümmel, heroisches Kriegertum, existenzielle Bedrohungen undsoweiter. Die Vorlage ist ein Kinderbuch, die Adaption aber sicher kein Kinderfilm. Diese beiden Tonarten lassen sich nicht leicht verschmelzen, stattdessen wechseln wir immer wieder zwischen „leicht“ und „schwer“ hin und her, was nicht immer passend wirkt. Am besten gelingt Jackson diese Verschmelzung in der Szene mit Gollum, wenn Bilbo mit ihm in den Rätselwettstreit tritt. Ganz klar der Höhepunkt des Films, der hier zum Kammerspiel wird und seine beiden besten Schauspieler, Martin Freeman und Andy Serkis, glänzen lässt. Und natürlich das technische Wunderwerk des digitalen Gollum, der hier nochmal ein Stück lebensechter ist, als er in LotR ohnehin schon war.

Wenn die WETA-Trickser es jetzt noch irgendwie hinbekommen würden, endlich auch mal die Warge nicht so unecht aussehen zu lassen, und Peter Jackson seinen Hang zu Kitsch und Pathos halbwegs im Griff behält (ein bisschen ist schon okay, das gehört dazu!), dann bin ich sehr optimistisch und freue mich auf die Fortsetzungen.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: The Hobbit – An Unexpected Journey (Der Hobbit – Eine unerwartete Reise)

  1. Vielen Dank für die Kritik. Ich stimme in weiten Teilen zu; ich habe auch gezögert und bin schließlich in die englische OV ohne 3D oder HFR gegangen.

    Was mir besonders aufgefallen ist, ist das brillante Bild. Kein Vergleich mit dem zitternden Analog-Bild vor 10 Jahren bei LotR!

    P.S. Würdest Du bitte deinen Standpunkt zur HFR noch erläutern?

  2. Einen festen Standpunkt kann ich erst haben, wenn ich mal einen Film in HFR gesehen habe (wird bestimmt irgendwann mal passieren, vielleicht ja bei Desolation of Smaug).
    Im Moment bin ich aber sehr skeptisch, weil querbeet von sehr vielen Leuten harsche Kritik kommt, dass der sehr klare HFR-Look nach Video- und Soap-Ästhetik aussieht (hier ein Paradebeispiel).

    Und weil ich schon Zustände bekomme, wenn ich an einem HD-Fernseher Filme sehe, ohne dass die entsprechenden Einstellungen für Bewegungsunschärfe u.ä. passen, kann ich mir gut vorstellen, dass ich es auch ätzend finden würde.

  3. Da habt ihr mE was verpasst. Der Story oder Peter Jackson wegen hätte ich mir den Film nicht angeschaut – was sich für mich spätestens dann bestätigte, als 10min lang indifferente Zwerge singend Würste und Teller durch Bilbos Behausung warfen. Auf HFR war ich aber gespannt und sah meine persönlichen Erwartungen erfüllt. Einen Blankoscheck will ich nicht ausstellen, aber in einigen Szenen wie Kämpfen und Closeups (Karten, insbesondere auch Feuer) sah es schon verdammt gut und sehr passend aus und ich bin gespannt, welches Niveau HFR in Zukunft erreicht, wenn andere Regisseure das nutzen.

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