Im TV: Kalkofes Mattscheibe Rekalked

kalkofeIch mochte Oliver Kalkofe ja immer recht gerne, seine Mattscheibe begleitet mich schon seit den Tagen, als sie im unverschlüsselten Fenster von Premiere ausgestrahlt wurde. Wenn er zwischendurch weg war, fand ich es schade, und wenn er wieder kam (mal bei der ARD, mal bei Pro Sieben) freute ich mich. Seit letzten Herbst ist er bei Tele 5 gelandet und zeigt dort Freitags um 20 Uhr neue viertelstündige Episoden der Mattscheibe.

Am Konzept hat sich nichts geändert: Kalkofe zeigt kurze Ausschnitte aus den schlimmsten Niederungen des Fernsehwahnsinns (gerne auch aus den Regionen, die auf einer umsichtig belegten Fernbedienung gar nicht vorkommen: Shopping-, Astro- und Bibelsender) und kommentiert diese im Anschluss. Entweder verkleidet als Oliver Kalkofe (Smoking und rosa Fliege) oder verkleidet als der oder die Protagonisten des eben gesehenen.

Mit 15 Minuten haben die neuen Folgen genau die richtige Länge – zum einen, weil man so ausreichend Material findet, ohne endlos strecken zu müssen, zum anderen, weil man die Sendung in längerer Form kaum aushalten würde.

Und das liegt nicht nur daran, dass viele der Ausschnitte, die hier gezeigt werden, körperliche Schmerzen verursachen, sondern auch an Kalkofes Kommentaren. Die nämlich bewegen sich auf einem Niveau, das auf Dauer mindestens genau so anstrengend ist wie die Clips, auf die sie sich beziehen. Die Beiträge scheinen von einem Schreibroboter verfasst zu sein, der so programmiert ist, dass in jedem, wirklich JEDEM Beitrag mit irgendeiner Körperfunktion gewitzelt werden muss. Machen Sie einen Selbstversuch und klicken Sie auf einen beliebigen dieser Clips. Es wird ganz sicher irgendwas mit Pipi, Popo oder Pupsen vorkommen. Falls nicht, kommen die Ersatzvokabeln „einweisen“ oder „Geschlossene“ zum Einsatz.

Kann sein, dass das immer schon so war und ich es nur nie gemerkt hatte. Inzwischen nervt es jedenfalls. Zumal die Schauspielerei nicht Kalkofes größtes Talent ist. Und dann ist da noch der Umstand, der immer dann zum Tragen kommt, wenn er sich jener Trash-TV-Sendungen annimmt, in denen Leute ausgestellt und vorgeführt werden. Zwar betont der Brachialkritiker in Interviews immer wieder, dass er nicht möchte, dass diese Fernsehopfer ein zweites Mal bloßgestellt werden, aber er tut es dann eben doch, wenn er einen Bauer sucht Frau-Kandidaten oder die käsesüchtige Mutter aus einer Scripted-Reality-Serie noch einmal imitiert.

Was ich mir bedeutend lieber ansehen würde: Eine Version der Mattscheibe ganz ohne Kalkofes Kommentare. Ich finde es toll, dass jemand solche Gaga-Perlen wie die „Kinderstunde“ im katholischen K-TV ausgräbt und zeigt (hier ab Minute 1:00, kurze Ausschnitte ziehen sich durch die ganze Sendung). Ich brauche dazu aber keinen Onkel, der mir erklärt, wie doof das ist – das spricht so sehr für sich selbst, dass jedes Wort darüber schon eines zu viel ist.

 

5 Gedanken zu „Im TV: Kalkofes Mattscheibe Rekalked

  1. Sehe ich ähnlich, nur dass ich im Zusammenhang mit diesem Format noch nie (!) lachen musste. Habe eben mal einen Clip angeschaut (Käse-Folge) und es war kaum durchzustehen – Kacke kam auf jeden Fall einmal vor. ^^

  2. Du fasst ziemlich genau in Worte, wieso ich mit Kalkofe noch nie etwas anfangen konnte. Die Gags sind flach und langweilig, und anstelle der Fernsehkritik, die er in Interviews gerne für sich beansprucht, kommen nur plumpe Beleidigungen — meist auf Kosten der Protagonisten, gerne auch unter der Gürtellinie.

  3. Mir erging es letztens ähnlich als ich alte Folgen auf DVD geschaut habe, die ich damals recht lustig fand. Nach einiger Zeit der Nerverei habe ich die Kalkofe-Kommentare einfach weitergedrückt und mich mit einem Freund zusammen an den Peinlichkeiten aus dem TV eben ohne diese erfreut. Das Ärgernis mit den zu häufigen Schulhof-Niveau-Ausdrücken ist im übrigen schon seit der Pro 7-Folgen zu bemerken, wenn auch nicht ganz so oft verwendet wie Du es von den neuen Episoden behauptest. (Ich habe die Clips jetzt nicht geschaut)

  4. Ich mag die Mattscheibe eigentlich recht gern – und auch bei der Rekalked-Variante von Tele5 sind ein paar Perlen dabei (z.B. „B-tonen ist meine Begabung“).

    Aber auch ich habe vor geraumer Zeit schon festgestellt, dass bei Kalkofes Mattscheibe früher oder später das Irrenhaus in irgendeiner Art und Weise auftaucht, dass irgendwie mit den Protagonisten des gezeigten Clips verhäkelt wird. Wenn man drauf achtet, nervt’s.

    Wohltuend waren da noch in der ersten Rekalked-Folge die neuen Töne der Kritik an den Machern, also an den Redakteuren, die sich die Reality so hinscripten, dass wir nur noch vom Fernsehverfall lamentieren können.

  5. Hatte mir vor kurzem die erste Folge seiner neuen Sendung angeschaut und fand sie ziemlich prima, was bedeutet, dass das Niveau der Pro7-Phase anscheinend aufrecht gehalten wird. Klar, Kalkofe wiederholt sich oft und macht es manchmal zu sehr mit dem Holzhammer, doch an seinen Sprüchen und rhetorischen Spielchen komme ich trotzdem kaum herum. Das dort oft irgendetwas mit Ficken und Pupsen und so weiter vorkommt, liegt ja nicht selten an der Auswahl der Sendungen. Außerdem halten es viele Kritiker (ja, auch Filmkritiker) mit dem Niveau ziemlich flexibel, was ich für nicht ganz falsch halte. Bei dem flexiblen Niveau schaut man sich an, welchen Anspruch das zu kritisierende Material selbst bietet und kritisiert dann auf einer Ebene, die dem Ausgangsmaterial gerecht wird. Da das Niveaulimbo der deutschen Fernsehmacher Jahr für Jahr immer bizarrere Züge annimmt, zumindest der Bodensatz heimischer TV-Formate stetig schamloser wird, wundert es mich persönlich wenig, dass auch die Kalkofe-Sendungen ein Stück flacher werden.

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