Im Kino: Django Unchained

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Nein, das wird keine Rezension. Nennen wir es unzusammenhängende Schwärmerei.

Ich habe den neuen Tarantino sehr genossen und weiß jetzt schon, dass ich mir den sicher noch mehrmals ansehen werde. Ein herausragender Film, der nicht nur während des Kinobesuchs sehr viel Freude macht, sondern auch danach. In Django Unchained lässt sich auf irrsinnig vielen Ebenen Interessantes und Faszinierendes finden: Die Schauspielerei, die Musik und ihre Auswahl, die Sprache, die Namen, die vielen großen und kleinen, versteckten und offensichtlichen Gags und Hinweise …

Es steckt enorm viel drin in diesem Film und das beginnt schon beim Versuch, die richtige Schublade für ihn zu öffnen. Django Unchained ist (Spaghetti-) Western und Blaxploitation, Sklavendrama und Vaudeville, Satire und Racheepos, Blutbad und Slapstick, Historienstück und Komödie. Alles auf einmal. Und es funktioniert. Wo man sonst oft das Gefühl hat, ein Film könne sich nicht für eine Tonlage entscheiden, rutscht Django ständig von einer Tonlage zur anderen, und zwar auf eine selbstverständliche Art, die extrem souverän wirkt.

Ich teile auch nicht die Ansicht, dass dieser Film  „just another Tarantino“ ist, der all die bekannten Manierismen des Regisseurs erneut abspult. Die stilistischen QT-Trademarks  (Schrifteinblendungen, „cooler“ Soundtrack, Sprünge in der Chronologie) werden eher zurückhaltend oder gar nicht eingesetzt. Django ist zwar auf eine Art „typisch Tarantino“, bietet aber sehr viel mehr als bloßes Selbstzitat.

Zu den Highlights des Films gehört sicher die in epischer Breite zelebrierte Dinnerszene im Anwesen des Plantagenbesitzers Candie (tolle Rolle für Leo di Caprio!). Tempo und Action werden hier extrem reduziert, der Fokus liegt auf den Dialogen und auf der von gegenseitigem Misstrauen geprägten Spannung, die in der Luft liegt und immer mehr anzieht. Es ist klar, bald geschieht etwas – und je länger nichts geschieht, desto mehr steigt die Spannung. Eine tolle Sequenz, die von einigen als viel zu langatmig kritisiert wurde, aber ich finde: Das muss genau so sein. Denn umso wuchtiger entlädt sich der aufgebaute Druck in der anschließenden, nicht weniger grandiosen Shootout-Szene.

Überrascht war ich, wie witzig der Film über weite Strecken ist. Humor zieht sich sich hier, stärker noch als in den meisten anderen Tarantino-Filmen, von der ersten bis zur letzten Szene. Und er deckt ein sehr breites Spektrum ab: von witzigen Dialogen, dem Spiel mit der Sprache (King Schultz‘ umständliches Englisch) über Klamaukiges (die Löcher in den selbstgenähten Ku-Klux-Klan-Kappen) bis zu visuellen Gags (der Zahn auf der Kutsche!) und schönen Gaga-Momenten (die Pferdedressur ganz am Ende).  David Brothers, der auf 4thletter! eine interessante Artikelreihe zu Django verfasst hat, schreibt dazu, der Humor diene hier, anders als in reinen Komödien wie der Mel-Brooks-Westernparodie Blazing Saddles, dazu, die Grausamkeiten des ernsten Themas Sklaverei erträglich zu machen:

Django’s funny because it’s needed to keep you pushing past the pain. Blazing Saddles is funny because it’s a comedy.

Was mich schließlich am meisten erstaunt, ist der große Kassenerfolg dieses Films in Deutschland (über 3 Millionen Besucher nach dem 4. Wochenende, die besten Zahlen, die ein Tarantino bei uns je hatte). Sind das alles Tarantino-Fanboys und gibt es davon so viele? Ist Christoph Waltz tatsächlich so ein Kassenmagnet? Spielen die Globes, Oscarnominierungen und ähnliche Preise eine Rolle? Liegt’s an der umfassenden Berichterstattung? Wahrscheinlich ein bisschen von allem, und trotzdem erklärt das für mich den Erfolg nicht. Django Unchained ist eigentlich kein Film für die Massen, kein Film für die Familie, kein Film für die Einmal-im-Jahr-ins-Kino-Geher, er ist keine Fortsetzung, keine Bestsellerverfilmung, und ist auch nicht in 3D.

Es freut mich ja, wenn so ein Film für ausverkaufte Säle sorgt. Aber Himmel nochmal: Wenn es tatsächlich möglich ist, dass ein so un-Blockbuster-hafter Film erfolgreich sein kann, warum geschieht sowas dann nicht viel öfter?

 

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