Im TV: Trainer!

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Mit Tom meets Zizou hat Aljoscha Pause eine hervorragende Fußballdoku vorgelegt, die das Leben und die Karriere eines eher untypischen Fußballprofis zeigte. Der Film bot überraschende Einblicke in Sport und Business und man kam dem Protagonisten Thomas Broich deutlich näher, als man es sonst von Fußballern gewohnt ist. Die Erwartungen an Pauses neuen Film Trainer!, der sich wieder dem Profifußball widmet, waren also ziemlich hoch.

Trainer! konzentriert sich nicht auf eine Person, sondern gleich auf vier, die er eine ganze Saison über begleitet. Frank Schmidt vom Drittligisten Heideneim, André Schubert vom FC St. Pauli und Stephan Schmidt vom SC Paderborn 07 (jeweils 2. Bundesliga), dazu Frank Wormuth, der beim DFB die Trainerausbildung leitet. In der 1. Bundesliga war das Projekt „Langzeitbeobachtung“ wohl nicht möglich, daher kommen einige prominente (Ex-) Trainer (u.a. Jürgen Klopp, Armin Veh, Hans Meyer) in kurzen, zwischendurch eingeflochtenen Interviews zu Wort.

Pause begleitet also diese Trainer durch die Saison 2012/13, die dann tatsächlich für zwei von ihnen abrupt mit einer Entlassung endet. Und auch bei Frank Schmidt gibt es kein echtes Happy End: Er ist mit dem 1.FC Heidenheim zwar ziemlich erfolgreich, verfehlt aber das selbstgesetzte Ziel Aufstieg ganz knapp. Wir lernen die beiden Schmidts und André Schubert als Typen kennen, die sich in Wesen und Charakter recht deutlich unterscheiden. Und als vierter im Bunde darf der Fußballlehrerlehrer Wormuth erklären, warum es so unterschiedliche Trainertypen geben kann, darf und muss.

Das Privatleben der Porträtierten bleibt weitestgehend außen vor, aber auch vom Berufsalltag bekommt man im Film überraschend wenig mit. Am besten gelingt das bei Frank Schmidt (vielleicht, weil man als Filmteam in der Dritten Liga näher rankommt als eine Klasse weiter oben): Ihn sehen und hören wir vor, nach und während dem Spiel in der Kabine, bei echten Trainingseinheiten und bei deren Vorbereitung. Von solchen Szenen hätte man sich viel mehr gewünscht: Wie läuft eigentlich ein Training ab? Wie vermittelt man Taktik? Wie entscheidet ein Trainer über die Aufstellung? Was passiert, wenn ein neuer Spieler verpflichtet wird? Was macht ein Trainer am Abend vor einem wichtigen Spiel? Wie „coacht“ er während des Spiels? Wie arbeitet er mit seinen Co-Trainern zusammen (Co-Trainer kommen in dem Film überhaupt nicht vor)?

In Trainer! tauchen diese Fragen leider fast gar nicht auf. Stattdessen sehen wir sehr, sehr viele talking heads, es wird fast ununterbrochen gesprochen (neben den vier „Hauptfiguren“ und den Trainerpromis gibt es auch Statements von Spielern, Managern, Beratern und Trainer-Azubis) und nicht immer sind das tiefgründige Einblicke, sondern oft auch die gleichen oder ähnliche Standardphrasen, die man auch im Aktuellen Sportstudio und anderswo zu hören bekommt. Bebildert ist der Film furchtbar unoriginell: es gibt ein paar Spielszenen (untermalt mit nerviger, immer wiederkehrender Instrumentalmusik), eingeblendete Zeitungsausschnitte und immer wieder Aufnahmen von autofahrenden Trainern am Steuer.

Am spannendesten wird Trainer! immer dann, wenn es im Club nicht läuft wie geplant, wenn es Misserfolge gibt und die Trainerstühle wackeln. Dann entsteht eine kleine Dramaturgie und ein bisschen Spannung. Interessant ist auch die Begleitung von André Schubert, der sehr früh in der Saison seinen Job verliert und erst einmal arbeitslos ist. Doch bevor der Film hier in die Tiefe gehen könnte, muss schon wieder der Schauplatz gewechselt und zum nächsten Trainer geschnitten werden. Die Menge an Protagonisten macht den Film unnötig hektisch – vielleicht wäre es besser gewesen, sich in einer Miniserie jeweils nur einem Trainer pro Folge zu widmen, anstatt alles in einen langen Film zu packen.

Pauses Film ist durchaus sehenswert, wenn man wissen möchte, aus welcher Perspektive die Trainer auf ihren Beruf blicken. Es bleibt aber der Eindruck: Trainer! hätte total interessant werden können, schafft es aber viel zu selten, durch die Oberfläche durchzudringen und Erkenntnisse zu liefern, die man vorher noch nicht hatte. Am Ende bleibt vor allem hängen: So ein Trainerjob ist extrem anstrengend, die Öffentlichkeit sehr fordernd, Scheitern gehört dazu und das Leben geht weiter. Alles Dinge, die man eigentlich schon vorher gewusst hat.

(Anmerkung: Besprochen wurde die 90-minütige Fernsehfassung des Films, die vor wenigen Wochen im WDR zu sehen war.  Parallel erschien ein 138-minütiger Director’s Cut auf DVD/BluRay, der auch in ausgewählten Kinos gezeigt wird)