Geguckt im Dezember

IM KINO:

insidellewyndavisInside Llewyn Davis von Joel und Ethan Coen
Die tragikomische Geschichte vom Scheitern des Folkmusikers Llewyn Davis („Lou N. Davis? What does the N stand for?“) hat mal wieder alles, was Coen-Filme so großartig macht. Fein komponierte Bilder, geschliffene Dialoge, interessante Hauptfiguren und überaus skurrile Nebenfiguren. Und Metaebenen, die zum wiederholten Gucken einladen. Diesmal gibt’s weniger Gewalt, dafür aber Katzencontent. Hat sich spontan in die Top 3 meiner Lieblings-Coens gedrängelt.

Blancanieves (Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiss) von Pablo Berger
Eine Schneewittchen-Variation als schwarz-weißer Stummfilm, angesiedelt im Spanien der 1920er Jahre. Wirklich toller, sehr sehenswerter Film mit Drama, Humor, Spannung, toller Musik und guten Schauspielerleistungen, der wohl noch mehr eingeschlagen hätte, wenn The Artist das Stummfilmding nicht schon vorher aus der Versenkung geholt hätte (auch wenn Pablo Berger schon längst an seinem Film gearbeitet hat, ehe er von The Artist erfuhr).
 
The Hobbit: The Desolation of Smaug (Der Hobbit: Smaugs Einöde) von Peter Jackson
Kann schon sein, dass mittlerweile ein bisschen die Luft raus ist. Dass Peter Jackson nur noch „more of the same“ bietet. Und ganz sicher ist auch dieser zweite Teil viel zu lang: Fast jede einzelne Szene hätte man ohne echte Verluste um ein Drittel kürzen können. Ein richtig guter Film ist The Desolation of Smaug eher nicht geworden, aber in Sachen Überwältigungskino sind Jacksons Mittelerde-Filme immer noch der Goldstandard. Ich schaue da einfach gerne zu, freue mich über liebgewonnene Figuren, tolle Settings, prächtiges CGI und gutes Schauspiel (Martin Freeman!), nehme den Film als Vergnügungspark-Tour mit Achterbahn und Wildwasserfahrt und verzeihe ihm mühelos all seine Schwächen.
 
AUF DVD (Presse-Screener):
 
Alois Nebel von Tomás Lunák
Im Feuilleton kam diese Rotoskop-Trick-Verfilmung der ebenfalls vom Feuilleton gelobten tschechischen Comicserie sehr gut an. Bei mir klickte es irgendwie nicht, ich fand keinen rechten Draht zu diesem Film. Seltsamerweise betont fast jede Besprechung, wie toll hier das Tabuthema Vertreibung behandelt wird. I beg to differ: Wer nicht schon vorher ein wenig Hintergrundwissen hat, bekommt von diesem Themenaspekt kaum etwas mit, und eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema findet im Film nicht statt. Meine Rezension bei Comicgate bemüht sich um eine möglichst objektive Sicht, ich weiß nicht, ob das gelungen ist.
 
VOM FESTPLATTENRECORDER:
 
Aufschneider von David Schalko
Ganz ganz großartiger österreichischer TV-Zweiteiler von 2010, geschrieben von Austro-Mastermind David Schalko zusammen mit Josef Hader. Die hohen Erwartungen, die die Kombination dieser beiden Namen schafft, wird voll erfüllt in dieser tiefschwarzen Komödie, in der Hader den misanthropischen Pathologen Dr. Fuhrmann spielt, einen Kotzbrocken vor dem Herrn. Es gibt Irrungen und Wirrungen um den verhassten Chef-Chirurgen, der ein Verhältnis mit Fuhrmanns Exfrau hat, den neuen jungen Kollegen, der ein Verhältnis mit Fuhrmanns Tochter hat, die Kollegin, deren Vater obduktionsbereit im Kühlfach liegt, und die beiden Assistenten, die zusammen mit einer diabolischen Meret Becker einen illegalen Organhandel betreiben. Der Plot hangelt sich stets sehr nahe am Klischee entlang, unterläuft aber immer wieder auch die Erwartungen. Viel wichtiger sind ohnehin die Figuren, die von einem 1A-mit-Stern-Ensemble gespielt werden und zu großen Teilen geradewegs aus einem Coen-Film stammen könnten. Außerdem lernt man, dass man in Österreich zum Chefarzt „Herr Primar“ sagt. Drei Fernseh-Sternstunden (auch auf DVD erhältlich), für die ich gerne alle meine Rundfunkgebühren hinüber an den ORF schieben würde.
 
Majo no takkyûbin (Kikis kleiner Lieferservice) von Hayao Miyazaki
Sehr hübscher, angenehm ruhiger Kinderfilm aus dem Hause Ghibli von 1984, in dem die kleine Hexe Kiki von Zuhause weggeht, weil das in ihrem Alter alle Hexen tun, und versuchen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Auffällig ist, dass es im ganzen Film keinen echten Antagonisten gibt, diese Geschichte ist völlig frei von Bösewichten. Zu überwinden sind hier lediglich widrige Umstände wie das Wetter oder unfreundliche Vögel. Trotzdem ist der Film nie langweilig, man fühlt sich sehr wohl in dieser freundlichen Welt und schaut gerne zu. Heimlicher Star ist die namenlose Stadt, in der Kiki ihren Lieferservice gründet: eine sehr charmante Ansammlung von Europa-Klischees, bei der laut Wikipedia hauptsächlich Stockholm und Gotland Pate standen, mit wunderbaren Fantasienamen wie der Bäckerei Gütiokipänja.
 
AUF ANDEREN WEGEN:
 
Toy Story of Terror von Angus MacLane
Meines Wissens die erste direkt fürs Fernsehen gemachte Pixar-Produktion, ein 30-minütiges Halloween-Special von Toy Story. Lief auf ABC und war leider nur in der Grauzone des Netzes zu bekommen, einen legalen Stream oder eine DVD-Version konnte ich nirgendwo finden.  Hübscher kleiner Film, der Pixar-typisch alle Altersgruppen bedient und rein visuell nicht billiger oder schlampiger aussieht als die großen Kino-Produktionen, auch die prominenten Sprecher der Hauptrollen sind wieder an Bord.
Hier sind unsere bekannten Spielzeugfiguren auf Reisen (im Kofferraum ihrer Besitzer) und werden in einem Motel einquartiert, dessen gar nicht netter Inhaber nebenbei einen schwunghaften Online-Handel mit Spielzeug betreibt. Eine Hauptrolle hat dabei Combat Carl, eine G.I.-Joe-artige Actionpuppe, die schon in einem der Kinofilme am Rande auftauchte und hier erstmals ins Zentrum rückt. Für Filmbuffs besonders nett ist der Plüschigel Mr. Pricklepants, der eine Art Kommentartrack zum Film bietet, indem er, ähnlich wie bei Scream, stets darauf hinweist, was als nächstes passieren würde, wenn wir in einem Horrorfilm wären. Hier ein kurzer Trailer:

 

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