Meine TV-Serien 2014

Alle echten Serienfreaks, die den heißen Stoff ganz frisch konsumieren, möglichst schnell nach Erscheinen, werden sich hier gleich gepflegt totlachen, denn serientechnisch bin ich ziemlich entspannt und unglaublich im Hintertreffen. Klar will auch ich die ganzen supertollen High-Quality-Produkte sehen, aber da es leider viel mehr interessantes Zeug gibt als mein Zeitbudget erlaubt, und ich auch gar nicht jeden Tag fernsehen möchte, warten noch viele viele Stunden ungesehenes Material auf mich. Ich brauche nicht aufgeregt nach der dritten Staffel von Sherlock zu gieren, ich hab ja noch nicht mal die zweite gesehen. Kommt alles noch, eins nach dem anderen. Ich hab Zeit (bzw. eben genau nicht, aber Siewissenwasichmeine).

Was ich auch nicht kann, ist Binge-Watching. Zwei, maximal drei Folgen am Stück sind okay, dann brauche ich eine Pause. Außerdem bin ich auch schlecht darin, mehr als zwei Serien über einen gewissen Zeitraum parallel zu gucken. Man sieht also, mehr als vielleicht zehn Serienstaffeln pro Jahr sind gar nicht drin. Zwielichtige Streamseiten habe ich bislang ebensowenig benötigt wie einen Proxydienst. Alles, was ich 2014 geguckt habe, waren Ausstrahlungen im Free-TV (zeitunabhängig geguckt via Festplattenrekorder). In der letzten Woche des Jahres habe ich dann aber doch mal einen Account bei diesem Streamingdienst eröffnet. Mal sehen, wie das den Serienkonsum 2015 beeinflusst.

Im vergangenen Jahr habe ich also – in chronologischer Reihenfolge – folgendes geschaut (Alle Serienjunkies können hier aufhören zu lesen, es gibt keinerlei Geheimtipps zu entdecken):

houseofcards

House of Cards, Staffel 1

Kein Arschloch sehe ich mir lieber an als Frank Underwood. Ich bin zwar ziemlich sicher, dass diese Serie kein wirklich realistisches Bild des Politbetriebs in Washington zeigt, dafür aber ein spannendes und faszinierendes. HoC war eins der Aushängeschilder beim Start von Pro Sieben Maxx, wo die Serie im Original mit Untertiteln gezeigt wurde (was ich ohnehin immer bevorzuge). Mittlerweile hat der Sender die OmU-Sendungen gestrichen, die zweite Staffel gab’s nur noch in synchronisierter Form. Aber jetzt hab ich ja diesen Streamingdienst, und da kommt der Stoff ja schließlich her.

tatortreiniger

Der Tatortreiniger, Staffel 3 (also die Folgen von Staffel 2 und 3, die Anfang 2014 gezeigt wurden)

Schlicht und ergreifend das Beste, was das deutsche Fernsehen momentan selbst produziert. Okay, ist ja auch nicht schwer, mögen Sie da vielleicht einwenden, aber: ist es eben doch. Hier stimmt alles – Drehbuch, Dialoge, Schauspiel, Setting, Timing. Wahnsinnig komisch, dabei aber auch noch mit Haltung und der Lust, auch ernste Themen mit einzuflechten.

breakingbad

Breaking Bad, Staffel 5/erste Hälfte

Würde ich immer noch als meine Lieblingsfernsehserie bezeichnen. Fand ich von Anfang an toll und mag’s immer noch sehr. Habe das seinerzeit (2010) bei Arte angefangen zu gucken und bin dieser Sendeform treu geblieben. Gerade weil Breaking Bad so gut ist, will ich mir da gar nicht vier Folgen am Stück reinziehen, sondern lasse mir Zeit, schaue zwei bis drei Folgen pro Woche und bereite das ein bisschen nach mit Hilfe von Recaps und Podcasts. Wie bei einem guten Rotwein. Die Abschlussfolgen gab’s bisher leider nicht bei Arte. Aber jetzt hab ich ja den Streamingdienst.

orphanblack

Orphan Black, Staffel 1

Frau stellt fest, dass sie mehrere Doppelgängerinnen hat. Stellt sich raus, dass sie Teil eines großen Klon-Experiments ist und schwupps sind ihr und ihren „Schwestern“ allerlei Interessensgruppen auf den Fersen. Das ist solide, flott erzählte Mystery-SF-Genrekost, die vor allem durch zwei Besonderheiten hervorsticht: Da ist zum einen Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die in einem halben Dutzend Rollen zu sehen ist und es tatsächlich schafft, all ihren Figuren einen eigenen, unverwechselbaren Charakter zu geben (in der deutschen Synchro ist das leider deutlich abgeschwächt). Zum anderen lebt die Serie nicht nur von Thrill, Action und Plottwists, sondern auch von einer schönen Portion Ironie und Humor, was in diesem Genre leider oft zu kurz kommt. Und den Bechdeltest besteht die Reihe übrigens auch spielend.
Staffel 1 wurde bei ZDF neo gezeigt. Die zweite Staffel lief dann Ende des Jahres ebendort und wurde vom heimischen Rekorder auch aufgenommen, doch leider zeigte der Sender ab der dritten Woche dann plötzlich drei statt zwei Folgen, so dass die Aufnahmen leider unvollständig waren. Aber jetzt hab ich ja den Streamingdienst.

mordmitaussicht

Mord mit Aussicht, Staffel 3

Eine Großstadtpolizistin kommt in die tiefste Provinz, um dort eine kleines Dorfrevier zu leiten. Sympathische ARD-Eigenproduktion, der ich von Anfang an treu bin und die in guten Momenten mit Witz, Intelligenz und Liebe zum Detail besticht. Die Quoten werden immer besser, was man von der Qualität der Serie nicht unbedingt sagen kann. Das Prinzip des Culture Clash Großstadt/Provinz läuft sich wohl langsam tot, zudem litten sehr viele Drehbücher dieser Staffel an Unglaubwürdigkeit und Bescheuertheit und die Inszenierung sehr oft an extremer Schnarchigkeit. Trotzdem gab es immer wieder Momente von Loriot’scher Größe, vor allem dann, wenn Dietmar Schäffer, gespielt vom wundervollen Bjarne Mädel (siehe auch Tatortreiniger) im Spiel war. Außerdem hat sich die vorletzte Folge kulturell verdient gemacht, weil sie es schaffte, Studio Braun alias Fraktus prominent ins ARD-Primetimeprogramm zu schmuggeln.  Verdient einen Grimmepreis für den subversivsten Akt des Jahres.  Eine vierte Staffel brauche ich aber eher nicht mehr.

Der Tatortreiniger, Staffel 4 (also die Folgen von Staffel 3 und 4, die Ende 2014 gezeigt wurden)

So langsam scheint der NDR zu merken, was für eine Perle er da im Programm hat. Im Dezember 2014 gab es erstmals ein halbwegs logisches Sendeschema, außerdem ist das Budget für die einzelnen Folgen gestiegen, was man im Ergebnis auch durchaus sieht. Großartigerweise traut man sich inhaltlich noch mehr Experimente zu. So surreale Komik wie die Folge auf dem Amt oder die Episode „Der Fluch“ wäre in den ersten Folgen noch nicht denkbar gewesen. Nach wie vor ist jede Episode sehr gut bis brillant, ich bleibe also dabei: Etwas besseres wird im deutschen Fernsehen derzeit nicht gemacht.