Geguckt im Januar: The Frozen Hateful Fury Abbey Awakens

IM KINO:

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Star Wars: The Force Awakens (Star Wars: Das Erwachen der Macht) von J.J. Abrams
Mit gedämpften Erwartungen reingegangen, äußerst gut unterhalten worden. Ja, das hat Spaß gemacht. Mit Rey, Finn und Poe haben wir drei neue Hauptfiguren, die man sehr schnell ins Herz schließt und von denen man – das ist hier ja wohl nicht unwichtig – noch mehr sehen möchte. Nicht so stark fand ich die Bösewichte, wobei ich zugeben muss, dass in der Figur des Kylo Ren durchaus Potenzial steckt. Ansonsten trifft J.J. Abrams fast immer genau den richtigen Ton, bedient die Nostalgie, ohne es allzu sehr zu übertreiben. Dass er sich letztendlich so nahe am Star Wars-Urfilm entlanghangelt, dass The Force Awakens schon als eine Art Remake durchgeht, verzeihe ich für den Auftakt dieser neuen Trilogie. Die nächste Episode darf dann aber gerne noch ein bisschen origineller werden.

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The Hateful Eight von Quentin Tarantino
Der neue Tarantino ist – Überraschung! – wieder ziemlich tarantinesk geworden. The Hateful Eight hat zwar all die bekannten Tarantino-Trademarks, aber diesmal in einer sehr ausgeruhten, extrem lässigen Form ohne jede Hektik. Dem habe ich sehr gerne zugesehen, auch und gerade in den angeblich langatmigen oder -weiligen Passagen, bis der Film blei- und bluthaltiger wird (und zwar ziemlich derbe und ausführlich, was es für mich so nicht gebraucht hätte). Es macht großen Spaß, dem Cast (großteils aus alten Weggefährten des Regisseurs bestehend) beim Spielen zuzusehen. Praktisch jede Figur ist einen Tick übertrieben angelegt, alle sind Karikaturen, aber keine ist so überzogen, dass es nerven würde. Ganz so stark wie die Vorgänger fand ich den Film nicht, aber sehenswert ist er unbedingt. Ennio Morricones Musik ist selbstverständlich großartig, leider hört man im Film nur sehr wenig davon.

 

BEIM STREAMINGDIENST:

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Orange Is The New Black, Season 2
Wenn über die Qualität der von Netflix & Co. selbst produzierten Serien geschrieben und geredet wird, wird von OitnB im Vergleich zu House of Cards noch immer viel zu selten geschwärmt. Diese Gefängnisserie, die in einem Frauenknast spielt und lose auf wahren Begebenheiten basiert, ist für mich die perfekte Definition einer „Dramedy“ – selten sieht man Komödie und Drama, Tragisches und Witziges so sehr und so gut ineinander verschränkt. Ging es in der ersten Staffel noch ganz klar um Piper Chapman als Hauptfigur, wird die zweite Season ganz deutlich zum Ensemble-Stück, wo in jeder Folge andere Figuren nach vorne treten. Und was für tolle Figuren das sind! Orange  ist ein Fest der „Diversity“, hier sind quasi sämtliche Hautfarben, Körperformen und sexuelle Orientierungen vertreten. Natürlich werden da auch Klischees benutzt, diese werden aber auch oft gebrochen oder zumindest spielerisch verwendet. Die Figuren, ihre Herkunft, ihr Charakter und ihre Motivationen sind die Basis dieser Serie und sind wichtiger als die vordergründige Handlung im Gefängnis. Feine Serie, fulminantes Staffelfinale. Bald wird weitergeguckt.

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Frozen (Die Eiskönigin – Völlig unverfroren) von Chris Buck und Jennifer Lee
Als alter Animationsfilmfreund wollte ich dann doch mal sehen, wie dieser Film so ist, der auf dem (leider extrem durchgegenderten) Merchandise-Markt für Kinder ein schier unglaublicher Erfolg geworden ist. Frozen ist ganz nett für einen kalten Winterabend, weitestgehend der typische Disney-Märchenfilm mit (zu) viel Gesang und lustigen Sidekicks. Nur dass die Prinzessinnen heute erfreulicherweise moderner daherkommen, weil sie nicht darauf angewiesen sind, vom Prinz gerettet und als dessen Trophäe abgeholt zu werden. Trotzdem hat mir der sehr ähnlich angelegte Vorgänger Tangled besser gefallen. Der hatte etwas mehr Schwung, etwas mehr Biss. Frozen ist schon arg konventionell in seiner Geschichte und Erzählweise, und bei all den frostigen Szenen im Eisschloss musste ich mehrmals sehnsüchtig an den Ice King aus Adventure Time denken, der das ganze mal schön hätte aufmischen können mit etwas anarchischem Witz und Weirdness, die bei Disney halt komplett fehlt.

 

AUF DVD:

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Mad Max: Fury Road von George Miller
Mit hohen Erwartungen die Scheibe eingelegt, denn was man im Frühsommer so hörte, ist dieser Film ja ungefähr das Geilste seit Erfindung des Actionkinos. Nunja. Das sah schon alles irre gut aus, ein grandioses Spektakel in Gelb und Rot, formal ist das fraglos was Besonderes in der aktuellen Actionkino-Landschaft. Ein Destillat, das auf konventionellen Plot so weit wie möglich verzichtet, um möglichst viel vom puren Action-Kern freizulegen. Das ist saucool und wurde super umgesetzt, insofern: Daumen hoch.
Aber: Für mich (der ich die ersten drei Mädmäxe nie gesehen habe) war das nicht viel mehr als ein knapp zweistündiges Heavy-Metal-Musikvideo. Das reicht mir aber nicht für einen Film. Ich muss irgendwo andocken können, an einer Figur, an einer Motivation, an irgendwas, damit ich beginne, mich für das, was da erzählt wird und was mit den Leuten passiert, zu interessieren. Hier sehe ich eine Freakshow von lauter Irren, die ich nicht kenne, die aus Gründen, die ich nicht verstehe, verrückte Dinge tun. Sieht derbe aus, nimmt mich aber nicht mit. Halbwegs andocken konnte ich erst irgendwo zwischen Minute 80 und 90(!), also vor dem Finale, wenn Mad Max, Billy Corgan und die dünnen Mädchen auf die alten Frauen treffen. Da schaltet der Film endlich mal für ein paar Szenen einen Gang zurück, erklärt ein bissl was und schafft mit ein paar Dialogzeilen etwas Empathie für die Figuren. Das hätte ich mir deutlich früher gewünscht.
Als der Abspann von The Force Awakens lief, habe ich mich darauf gefreut, in der Fortsetzung mehr Zeit mit den Figuren zu verbringen und zu schauen, wie es weitergeht. Beim Abspann von Fury Road war ich einfach nur erschöpft.

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World War Z von Mark Forster
Im Herbst hatte ich das gleichnamige Buch von Max Brooks gelesen, das mir ganz gut gefiel, vor allem wegen seiner originellen Präsentationsform als „Oral History“. Also interessierte mich auch der Film, und der hat mit dem Buch bis auf den Titel und die Prämisse einer weltweiten Zombie-Seuche so gut wie gar keine Gemeinsamkeiten mehr. Das muss nichts Schlechtes sein. World War Z interpretiert das Zombie-Subgenre als Katastrophenfilm, präsentiert in den ersten zwei Dritteln pompöse, beeindruckende Weltuntergangsbilder von Emmerich’schen Ausmaßen, fährt dann aber im letzten Drittel runter auf Kammerspieldimensionen: Der finale „Endkampf“ findet in einem abgeschlossenen Gebäude statt, die Lage bleibt für den Zuschauer übersichtlich, ein schöner Kontrast zu dem, was davor kam. Man kann das ganz gut gucken, wirklich überzeugend ist es aber nicht, dafür hat der Film zu viele Schwächen und Logiklöcher. Von der Originalität und Schlüssigkeit der Buchvorlage ist er meilenweit entfernt. Trotzdem interessant zu sehen, wie ein Zombiefilm mit Blockbuster-Budget und PG-13-Rating aussieht.

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Downton Abbey, Series 4
Die bis dahin schwächste Staffel dieser prächtig-britischen Ausstattungs-Soap-Opera. Historisch-politische Zeithintergründe spielen immer weniger eine Rolle, stattdessen gibt es noch mehr Drama, Intrigen und Gedöns. Das sind oft Handlungsstränge, die man sehr ähnlich schon in früheren Staffeln gesehen hat. Und eine Entwicklung der Figuren findet zwar statt, aber nur äußerst zaghaft. Die allermeisten Figuren haben sich seit ihrem ersten Auftreten eigentlich kaum verändert. Aber vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, dass man die Serie trotz ihrer Schwächen immer noch gerne sieht: Man hat all die Lords und Ladies, die Footmen und Maidens so lange begleitet, dass man sie immer gerne wiedersieht. Und wenn’s allzu sehr nervt, kommt bestimmt wieder ein umwerfender Oneliner von Maggie Smith und reißt alles wieder raus.

 

VOM FESTPLATTENRECORDER:

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Kofelgschroa – Frei. Sein. Wollen von Barbara Weber
So prätentiös wie der Titel ist dieser Dokumentarfilm glücklicherweise nicht. Es geht um die Oberammergauer Band Kofelgschroa, die jeder, der sich für Musik mit alpenländischen Anklängen interessiert, unbedingt kennen muss. Auf Off-Sprecher wird verzichtet, die Musiker und ihre Musik dürfen für sich sprechen. Der zentrale Aspekt, der im Film rüberkommt: Kofelgschroa will eigentlich nur in Ruhe Musik machen, alles andere (ganz besonders Interviews, Fernsehauftritte und ähnliches) ist ein notwendiges Übel. Es ist nicht mal eine bewusste Anti-Mainstream- oder Anti-Kommerz-Haltung, sondern eher ein grundsätzliches Unbehagen mit den Mechanismen des Musik- und Unterhaltungsmarkts. Wenn man den Film gesehen hat, ist es jedenfalls unvorstellbar, dass Kofelgschroa so wie ihre musikalisch verwandten, aber viel populärer aufgestellten Kollegen von La Brass Banda jemals beim ESC-Vorentscheid antreten würden.

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Landauer – Der Präsident von Hans Steinbichler
Als FC-Bayern-Anhänger, der sich auch für die Historie des Vereins interessiert, sollte man sich zwingend auch mit Kurt Landauer beschäftigen, der dreimal Präsident des Clubs war, als Jude 1933 sein Amt aufgeben musste, nach dem Zweiten Weltkrieg aus seinem Schweizer Exil zurückkehrte und noch einmal FCB-Präsident wurde. Der Verein selbst hielt das Andenken an diese Persönlichkeit lange Zeit in keiner Weise hoch, das kam erst auf Initiative der Südkurven-Fans zustande. Im Zuge dieser „Wiederentdeckung“  entstand auch dieser Fernsehfilm, eine BR-Produktion, die stilistisch vor allem dadurch auffällt, dass zwischendurch Originalaufnahmen vom zerbombten München nach Kriegsende zu sehen sind, in die Hauptdarsteller Josef Bierbichler digital reinmontiert wurde. Ansonsten ist Landauer ein ziemlich konventionelles Biopic, das den Konventionen des 20:15-Uhr-Sendeplatzes gerecht werden muss und relativ didaktisch daherkommt. Altnazis müssen hier schon so richtig fiese Fressen haben, damit sie auch jeder Zuschauer beim Nebenbei-Bügeln als Böse erkennt, viele Dialoge wirken aufgesagt, die Sprache pendelt unentschlossen zwischen Münchnerischer Mundart und Hochdeutsch. Dank der Klasse eines Josef Bierbichler wird es aber zum Glück nie peinlich. Man kann Zeitgeschichte schon so vermitteln, ich persönlich habe damit aber meine Probleme und lasse mir das lieber in Form von Büchern, Artikeln oder Dokumentationen erklären.

 

IN DEN MEDIATHEKEN:

Die Ostsee von oben von Silke Schranz und Christian Wüstenberg
Die „Irgendwas von oben“-Filme sind im HD-Zeitalter die legitimen Nachfolger der Multimedia-Diashows, die teilweise heute noch durch die Mehrzweckhallen tingeln. Dieser hier folgt dem üblichen Schema und ist nichts, was man zwingend sehen muss. Wenn man seinen nächsten Urlaub allerdings genau in der hier abgedeckten Region zu verbringen gedenkt, dann ist das kein so schlechter Start in die Urlaubsvorbereitung. Dabei ist der Film übrigens nicht nur pure Tourismuswerbung, sondern thematisiert auch unhübschere Aspekte wie den KdF-Komplex in Prora oder das Atomkraftwerk Lubmin.

Außerdem: viel David Bowie bei Arte und beim WDR. Danke dafür! Und: Schulz und Böhmermann bei ZDFneo. Ich mochte schon den Vorgänger mit Charlotte Roche und mag auch diese neue Version. Der Look und das Grundprinzip wurden beibehalten, neu sind die fast immer großartigen Vorstellungstexte von Sibylle Berg. Dass in den Sendungen nicht alles perfekt ist, ist Teil des Programms und gehört so. Leider war es in den vier Folgen sehr häufig so, dass interessante Gespräche im Entstehen waren, dann aber wieder abgewürgt wurden. Am besten gefiel mir Folge 4 (mit Sophie Hunger, Kat Kaufmann, Nikolas Blome und Geiath Hobi), da funktionierte der Mix am besten: ein bisschen Tiefgang, ein bisschen Politik, ein paar Gags, halbwegs ausgewogene Redezeit für alle, unterm Strich eine unterhaltsame Stunde. Profitieren würde die Show von drei Änderungen: zum einen mehr Folgen, damit das Team Routine entwickeln und Gelerntes gleich anwenden kann. Zum anderen sollte man die Gimmicks komplett streichen, die sich die Redaktion für jede Folge neu ausdenkt. Die sollen witzig sein und die Runde auflockern, wirken aber immer nur störend. Und drittens könnte es dem Format gut tun, einen Gast weniger einzuladen. 

 

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