The Open (#ffmuc16)

ffmucEs ist wieder Filmfest München! Wenn nichts dazwischen kommt, sehe ich dieses Jahr etwa ein Dutzend Filme und werde hier darüber schreiben. Den Auftakt macht eine französisch-belgisch-britische Coproduktion:

The Open von Marc Lahore beginnt in einem Auto, in dem Tennis-Weltstar Stéphanie Tavernier mit ihrem Trainer sitzt. Sie steht im Finale eines großen Turniers, man fährt zum Hotel, das Auto wird von Fans und Reportern belagert, sie steigt aus – und in diesem Moment geht ein paar Straßen weiter eine riesige Bombe hoch. Schwarzblende.

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Einige Zeit später erwachen wir in einer weiten, menschenleeren Landschaft (gedreht wurde auf den Hebriden). In Europa tobt offenbar ein großer, furchtbarer Krieg (man bekommt nur kleinste Infohäppchen dazu), und hier in den Highlands campen Stéphanie und ihr Trainer. Dazu kommt André, ein weiterer Tennisspieler, offenbar nicht freiwillig hier. Er soll, so wünscht es der Trainer, jetzt mit Stéphanie für das große Finale trainieren. Mit Schlägern ohne Saiten, und ohne einen Ball. Fiktives Tennis sozusagen. Warum und wozu, muss man sich als Zuschauer nach und nach erschließen, erst mal sieht man jetzt ein langsames, wortkarges Kammerspiel im Freien, in entsättigten Farben, das uns an Plätze wie den Navratilova Beach, das Sampras Field, den McEnroe Pass und viele ähnlich benannte Örtlichkeiten führt.

Die Welt liegt im Chaos (sieht  man nicht auf der Leiwand, ahnt man aber), trotzdem muss es irgendwie weitergehen, an irgendwas muss man sich festhalten. Hier ist es eine Sportart. Tennis ohne Bälle ist schließlich auch nicht sinnloser als ein Krieg. Regisseur Lahore beschreibt den Film als Kreuzung aus Beckett und Mad Max – da ist was dran, auch wenn an Mad Max lediglich die postapokalyptische Kulisse erinnert. Mit Warten auf Godot hat The Open mehr gemein, auch hier ist alles sinnlos, absurd und leicht surreal.

Wie bei Beckett „passiert“ auch hier nicht viel, trotzdem steuert der Film auf einen Höhepunkt, das Tennisfinale, zu. Auf dem Weg dorthin hat man viel Zeit, sich zu überlegen, ob Lahore hier metaphorisch etwas über den Krieg sagen möchte? Über den Leistungssport? Über das Prinzip des Durchhaltens? Kann alles sein, muss aber nicht. In jedem Fall ist sein Film auch eine Hommage ans Tennis und seine Legenden. Definitiv ein origineller Film, bei dem es sich lohnt, sich drauf einzulassen.

 

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