Volt (#ffmuc16)

ffmucGesehen beim Filmfest München.

Die Reihe „Neues Deutsches Kino“ wird in den letzten Jahren mehr und mehr als Prunkstück des Münchner Filmfests gehandelt, wo man die wenigen echten Highlights des deutschen Films zuerst sehen kann. Leider habe ich die richtigen Volltreffer (z.B. Oh Boy, Love Steaks, Der Nachtmahr) bislang nicht erwischt und scheine eher ein Händchen fürs Mittelmaß oder für Nieten zu haben. Denn die sind hier natürlich dabei – wir reden schließlich vom deutschen Film, da gibt es nicht ernsthaft zwanzig herausragende Filme pro Jahr.

Volt von Tarek Ehlail würde ich jedenfalls eher zu den Nieten zählen. Es ist mal wieder einer jener Versuche „deutsches Genrekino“ zu machen. In diesem Fall einen Action-Polizei-Thriller, vor dem Hintergrund einer recht unscharf skizzierten, dystopischen Zukunft. In dieser „nahen Zukunft“, so die Einblendung, stecken Migranten und Flüchtlinge in Deutschland in Transitzonen fest, wo sie in slumartigen Verhältnissen leben und immer wieder rabiate Polizeirazzien erdulden müssen. Bei einer dieser Razzien tötet der Polizist Volt (Benno Führmann) einen schwarzen Transitzonen-Bewohner, es gibt aber keine Zeugen dafür. Volt hat nun also mit seinem Gewissen zu kämpfen, noch mehr aber mit seinen Kollegen und deren Korpsgeist, die in strikter Loyalität jeden Verdacht abwehren, dass ein Polizist Schuld am Tod des „Blackies“ (so der im Film gängige rassistische Ausdruck) ist.

Tarek Ehlail zeichnet seinen Zukunftsentwurf äußerlich sehr stark, mit viel Dreck und Düsternis, grell und laut, sowohl im Bild als auch auf der Tonspur. Das sieht überzeugend aus und zieht den Betrachter schnell hinein in das Szenario. Man würde dann aber gerne etwas über die Hintergründe erfahren, darüber, was das für eine Gesellschaft ist, die solche Zustände entstehen hat lassen, und wie die Menschen (Einheimische und Migranten) damit umgehen. Das bekommt man aber nicht, oder allenfalls in groben Klischees. Im Mittelpunkt stehen hier ganz und gar nicht die Flüchtlinge, sondern Volt und sein innerer Konflikt. Die meiste Zeit verbringt man damit, dem Polizisten dabei zuzusehen, wie er sich selbst leid tut und einen Umgang mit seiner Schuld zu finden sucht.

Statt „Polizist“ sollte ich vielleicht eher „Cop“ schreiben, denn so werden die Polizisten im Film dargestellt: Als harte Säue mit rauer Schale, die derbe fluchen, sich vor allem von Nikotin und Alkohol ernähren und eine extrem kurze Zündschnur haben. Der ganze Film trieft vor Testosteron und kommt furchtbar breitbeinig und breitschultrig daher. Benno Führmann müht sich redlich, gleichzeitig voll hart aber auch nachdenklich aus dem Kampfanzug zu schauen, wirkt dabei stellenweise aber doch unfreiwillig komisch.

Wer hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsproblematik erwartet, liegt vollkommen falsch. Politische Aussagen beschränken sich auf die sehr unsubtil vermittelte Plattitüde, dass Polizei und Verwaltung herzlos und mehr oder weniger rassistisch sind. Auf der Plus-Seite kann man Ehlails Stilwillen verbuchen, ebenso wie die Tatsache, dass er seine Story in knackigen 80 Minuten erzählt – ansonsten hat mich Volt enttäuscht und in Teilen sogar verärgert.

 

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