Peur de rien (#ffmuc16)

ffmuc

Gesehen beim Filmfest München.

Paris, 1993: Lina stammt aus dem Libanon und ist nach Frankreich gekommen, um dort zu studieren. Wirtschaftslehre. Sie kommt bei Onkel und Tante unter, aber der Onkel macht sich an sie ran, darum nimmt sie schnell wieder reißaus und improvisiert lieber. Sie schlägt sich durch, versucht sich an der Uni zurechtzufinden und lernt verschiedene Menschen kennen: solche, die es gut mit ihr meinen, solche, die sie ausnutzen und solche, die wirklich zu Freunden werden. Sie merkt, dass Kunstgeschichte das viel interessantere Studienfach ist, sie verliebt sich in falsche und in richtige. Sie kommt mehr und mehr an in Paris, in diesem Leben – aber irgendwann läuft die Aufenthaltsgenehmigung aus.

Peur de rien von Danielle Arbid ist eine eigentlich gänzlich unspektakuläre Geschichte, zwei Stunden voller Alltagsbeobachtungen und kleiner Szenen. Kein großes Drama, kein großes menschliches Schicksal. Einfach eine Hauptfigur, die interessant und sympathisch ist, und dann gehen wir mit ihr mit und sehen viele kleine Nebenplots und eine Menge sehr unterschiedliche Nebenfiguren. Das ist so großartig, weil es im Prinzip so einfach ist und trotzdem so ungewöhnlich.

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Regisseurin Danielle Arbid, deren Vita manche Gemeinsamkeit mit der von Lina hat, erzählt im anschließenden Q&A, dass sie hier nicht den Zuschauern eine Einwanderin zeigen wollte, sondern vielmehr vermitteln wollte, wie man als Einwanderin die Menschen des neuen Landes erlebt. Mit diesem besonderen Blick und dieser speziellen Perspektive gelingt Arbid ein wunderbarer, durch und durch menschlicher Film, sehr weit weg von den üblichen Handlungskonventionen, wenn es um Migration geht. Natürlich werden hier auch Rassismus, Bürokratie und gesellschaftliche Ignoranz thematisiert – geht ja gar nicht anders – aber das geschieht sehr beiläufig, ganz ohne Zeigefinger und Moral von der Geschicht‘.

Sehr toller, höchst unterhaltsamer Film, witzig und traurig – und ein bisschen nostalgisch. Denn die Neunziger waren in mancher Hinsicht eine unschuldigere und unkompliziertere Zeit als heute. Für mich eins der Highlights des Festivals.

 

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