Auf DVD: Alki Alki

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Mit weitgehend auf Improvisation beruhenden Filmen wie Dicke Mädchen oder Ich fühl mich Disco wurde Filmemacher Axel Ranisch bekannt. Alki Alki ist sein vierter Spielfilm, ebenfalls entstanden ohne exaktes Drehbuch und wieder mit einer Hauptrolle für Heiko Pinkowski, der bisher bei allen Ranisch-Filmen dabei war und als Mitbegründer der gemeinsamen Firma „Sehr gute Filme“ auch Co-Produzent ist. Pinkowski ist auch eines der Highlights dieses Films – er spielt den Familienvater und Architekten Tobias. Das andere Highlight ist Peter Trabner als „Flasche“, Tobias‘ ständiger Begleiter. Flasche ist Sinnbild und Personifikation von Tobias‘ Alkoholsucht. Flasche ist immer dabei: als euphorisierender Rausch, als ständige Versuchung, als verständnisvoller Kumpel, als mieser Kater am nächsten Morgen. Wie ein imaginärer Freund ist Flasche dabei nur für Tobias zu sehen, die übrige Umwelt nimmt ihn nicht wahr.

Das ist schon mal ein origineller Ansatz, was aber noch lange nicht heißen muss, dass es auch funktioniert. Doch das tut es, denn Alki Alki erzählt seine Geschichte vom Säufer, der seine Sucht erst versteckt, dann immer mehr abrutscht und sich schließlich in eine Entzugsklinik begibt, nicht als Problemfilm oder moralisches Drama, sondern als Tragikomödie mit vielen guten und unkonventionellen Ideen. Dazu gehört z.B. auch der Einsatz von Käpt’n Peng alias Robert Gwisdek, der als „Troubadour“ die Rolle eines griechischen Chors einnimmt: Unvermittelt taucht er mit Gitarre in einigen Szenen auf und kommentiert das Geschehen mit einem lässig hingeworfenen kleinen Lied. Oder die surrealen Sequenzen, in denen Iris Berben hingebungsvoll overactend eine reiche Russin gibt, die große Versprechungen macht.

Es gibt genügend Momente, in denen Alki Alki auch albern oder quatschig hätte werden können, beispielsweise die Restaurantszene, in der Peter „Flasche“ Traubner in die Rolle sämtlicher Gäste schlüpft – eine nette Variation von Being John Malkovich. Oder in der zweiten Hälfte des Films, die in einer Entzugsklinik an der Ostsee spielt: Hier treffen wir weitere Abhängige, die alle ebenfalls ihre jeweilige Sucht als personifizierten Sidekick dabeihaben, und wohnen einigen Therapiesitzungen bei, immer hart an der Grenze zur Fremdscham. Es wird aber nie albern oder quatschig, was zum einen daran liegt, dass Axel Ranisch seine Figuren mag und nicht bloßstellen will, zum anderen an der Entspanntheit und Unverkrampftheit seiner Inszenierung. Das immer wieder zu beklagende Grundübel viel zu vieler deutscher Filme, dass die Dialoge so aufgesagt und abgelesen klingen, besteht hier nicht, denn dank Improvisation sind sie es ja auch nicht.

Ich schrieb oben von Pinkowski und Trabner als den Highlights des Films, denn es macht einfach große Freude, ihrer Schauspielgewalt und Spielfreude zuzusehen. Überaus tragische und sehr sehr komische Szenen gelingen ihnen gleichermaßen, beide scheuen sich auch nicht vor Peinlichkeiten. Man kann sich gut vorstellen, dass man, wenn die beiden in ihren Rollen sind, wirklich „nur“ noch die Kamera draufhalten muss und sich der Rest wie von selbst ergibt.

Axel Ranisch nimmt aus meiner Sicht eine Sonderstellung in der deutschen Filmlandschaft ein. Seine Filme liegen abseits des Mainstreams, verschließen sich aber auch nicht vor ihm. Sie bieten dem Zuschauer Ungewohntes, bleiben dabei aber leicht zugänglich, frei von Verkopftheit oder allzu großem Kunstwillen. Ich kenne nur wenige deutsche Filme, die soviel Wärme und Herzlichkeit ausstrahlen wie die von Ranisch. Und wer so etwas hinbekommt, kann dann eben auch emotional werden und dabei glaubwürdig bleiben.

Die Masse des deutschen Publikums kennt Axel Ranisch vermutlich als Schauspieler im TV-Krimi Zorn, in einem anderen TV-Krimi wird es ihn bald auch als Regisseur kennenlernen: In Ludwigshafen drehte er im Sommer einen „Impro-Tatort“ mit Kommissarin Lena Odenthal, Ausstrahlung im nächsten Sommer. Ich glaube, da kann man sich drauf freuen.

 

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