Geguckt von März bis Mai: Get Maus in the Shell Vol. 2

IM KINO:

The Lego Batman Movie von Chris McKay
Bester Superheldenfilm des Jahres, da lege ich mich jetzt schon fest. Außerdem vielleicht die beste Batman-Verfilmung ever. Macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß und legt ein derartiges Tempo vor, dass man sich das Ganze eigentlich in halber Geschwindigkeit anschauen müsste, um alles mitzubekommen. Wie der Vorgänger The Lego Movie ist auch dieser Film durch das hohe Tempo und die inhärente Quietschigkeit immer an der Grenze, einen Tick zu nervig zu werden, für mich funktioniert’s aber gerade noch.

Wilde Maus von Josef Hader
Josef Haders erster Film, in dem er nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Buch und Regie von ihm kommen. Ich hatte ein wenig Angst, dass es ihm geht wie dem Kollegen Gerhard Polt, dessen Spielfilme zwar ihre Momente haben, aber nie auch nur annähernd an seine Bühnenperformance herankommen. Wilde Maus hat diese Probleme nicht. Die Story um einen Musikkritiker, der wegen Sparmaßnahmen seiner Zeitung gekündigt wird, dies aber seiner Ehefrau verheimlicht und einen Rachefeldzug gegen seinen Exchef beginnt, hatte mich vom ersten Dialog an, in dem sich Hader ganz wunderbar mit Nora von Waldstätten über Jack White streitet. Der Film ist (nicht nur in der Hauptrolle) mit tollen Schauspielern besetzt, exzellent gefilmt (Kamera: Xiaosu Han und Andreas Thalhammer) und gut geschrieben, wenn auch nicht ganz frei von Klischees und der ein oder anderen Vorhersehbarkeit. Wie so oft bei richtig gutem Humor entwickelt sich auch hier die Komik aus einer großen Portion Tragik. Ich bin schon lange Hader-Fan, aber der Film dürfte auch für Zuschauer funktionieren, die das nicht sind. In der Ödnis der deutschsprachigen Komödien-Landschaft auf jeden Fall eine sehr sehenswerte Ausnahme.

Logan von James Mangold
Ich fand den ersten Wolverine-Solo-Film schlimm und habe mir den zweiten gar nicht erst angeschaut, aber Logan hat mir gut gefallen. Wenn Deadpool der Beweis war, dass Superhelden mit R-Rating funktionieren, ist Logan nun die Weiterentwicklung. Ebenfalls mit R-Rating, also mit heftiger Gewalt und vielen F-Wörtern, aber ohne überdrehte Albernheiten, stattdessen mit Ernsthaftigkeit und deutlichen Anleihen ans Western-Genre, so dass dies hier in weiten Teilen schon gar kein Superheldenfilm mehr ist. Schon eher ein dreckiges Roadmovie, dessen Drehbuch rasch ein interessantes Trio zusammenbringt, welches dann von A nach B kommen muss: Der alte, verhärmte Logan, ein von ihm versorgter, demenzkranker Professor X (immer eine Freude, Patrick Stewart zu sehen!) und ein junges Mädchen mit ähnlichen Kräften, das vielleicht mal Wolverines Nachfolgerin wird – ein Dreigespann, dem man gerne folgt. Neben den wirklich fiesen, teils unnötig harten Gewaltszenen bleibt vor allem der ungewohnt ruhige Mittelteil in Erinnerung, wenn unser Trio Station bei einer einfachen Bauernfamilie auf dem Land macht. Wenn sie jetzt noch einen guten Schurken geschrieben hätten, hätte das ein Alltime-Highlight des „based on comic books“-Filmgenres werden können.

Ghost in the Shell von Rupert Sanders
Hmm. Solange ich im Kino saß und mich von der Bildgewalt bedröhnen lassen konnte, war das okay. Optisch macht das einiges her, die sehr nah am Original angelehnte Eröffnungssequenz ist zum Zungeschnalzen. Ansonsten macht die Realfilm-Adaption des Animeklassikers von 1997 ihrem Titel alle Ehre: Tolle Hülle, schicke Oberfläche, wenig drunter. Philosophischer Tiefgang wird zwar behauptet, findet aber nicht statt. Das hat The Matrix, der sich mehr als deutlich von Ghost in the Shell hatte inspieren lassen, weit besser gemacht. Und das Problem an Scarlett Johansson in der Hauptrolle ist vielleicht gar nicht so sehr das Whitewashing, das dem Film vorgeworfen wurde, sondern ihr ziemlich teilnahmslos wirkendes Spiel.

Get Out von Jordan Peele
Äußerst gelungene Mischung aus Horrorfilm und Komödie, die vordergründig einen recht klassischen Plot erzählt, in dem ein junger Mann in eine für ihn fremde Umgebung kommt, die ihm erst seltsam, dann noch seltsamer und schließlich extrem bedrohlich vorkommt. Für die komischen Aspekte sorgt ein Sidekick, der ganz woanders ist und doch am Geschehen teilnimmt. Seine vielen (völlig berechtigten) Lorbeeren hat der Film aber nicht allein bekommen, weil die Story sehr gut und effektiv erzählt wird, sondern auch und vor allem wegen seiner Metaebene. Dass wir hier einem schwarzen Protagonisten folgen und die bedrohliche Umgebung eine komplett weiße ist, wird nicht etwa als subtil im Hintergrund mitschwingendes Element behandelt, sondern ganz offensiv thematisiert. Get Out lässt sich somit als Allegorie auf Rassismus in den USA und anderswo lesen, lässt dem Betrachter aber genügend Spielraum für unterschiedliche Interpretationen. Ganz starker Film, heißer Kandidat für die Top 3 des Jahres.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 von James Gunn
Meh. Im Grunde macht der handwerklich schon alles richtig. Das Überraschende und Erfrischende von Teil 1 kann der Film naturgemäß nicht mehr liefern, also nimmt er das, was im ersten Teil funktioniert hat (eine schräge Bande von Misfits, einen cheesy-coolen Oldie-Soundtrack, bunte Popcorn-Action) und dreht alles auf dem Regler ein bis zwei Stufen weiter. Nach einer grandiosen Titelsequenz und einem noch recht unterhaltsamen ersten Drittel ging mir das endlose Gute-Laune-Gedröhn dann doch irgendwann auf den Keks. Eine wirklich funktionierende, interessante Geschichte findet (wie so oft bei den Marvel-Filmen) höchstens ansatzweise statt. Der ganze Plot rund um den Vater von Starlord, gespielt von Kurt Russsell (der halt leider kein Jeff Bridges ist) wird zum Ende hin immer wirrer und damit auch egaler. Ich hatte dann genug Zeit, zu überlegen, ob Yondu (Michael Rooker) irgendwie mit Jürgen Vogel verwandt ist oder ob das nur an den Zähnen liegt. Zum Schluss gibt es dann nicht mehr ein oder zwei Post-Credit-Szenen, sondern, weil MEHR hier die große Devise ist, gleich fünf. Zumindest eine davon hat mir ein bisschen Spaß gemacht.

 

BEIM STREAMINGDIENST:

Jessica Jones, Season 1
Die Netflix-Serien, die Marvels „street level“-Helden als noir-angehauchte, relativ ernsthafte Erzählungen umsetzen, sind ein schöner Kontrapunkt zum grellen Superheldenuniversum der Kinofilme. Ich hinke da etwas hinterher, bislang kenne ich erst die erste Daredevil-Staffel und eben Jessica Jones. Beide nutzen das Serienformat dafür, sich Zeit für lange Erzählbögen zu nehmen und viel Wert auf die Figuren und deren Charakterentwicklung zu legen. Und beide haben, im Gegensatz zu fast allen Marvel-Kinofilmen, richtig starke, gut gespielte Antagonisten. Richtig intellektuelles Fernsehen kommt da am Ende immer noch nicht bei raus, schließlich muss pro Folge mindestens einmal geprügelt werden, aber gute, sehenswerte Unterhaltung ist es allemal. Bei Jessica Jones kommt noch hinzu, dass hier eine sehr interessante, vielschichtige Frauenfigur im Zentrum steht und man die Serie auch feministisch lesen kann. Einen Bechdel-Test braucht man hier gar nicht erst zu bemühen, der wird in den meisten Folgen noch vor dem Vorspann bestanden.

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse von Helge Schneider
Knapp 10 Jahre sind vergangen zwischen Jazzclub und dem nächsten Film von Helge Schneider. Irgendwas muss dazwischen passiert sein, entweder mit Helge oder mit mir, denn ich fand das Sequel zu 00 Schneider leider viel weniger lustig als alle anderen Helge-Filme. Klassische Pointen gibt es bei Schneider ohnehin keine, aber zu lachen gab es bisher eigentlich immer sehr viel. Ich hab mich dann recht bald auf die Bilder konzentriert, denn was Kameramann Voxi Bärenklau hier gefilmt hat, ist schon ziemlich toll. Die Außenaufnahmen wechseln ebenso unvermittelt wie selbstverständlich zwischen Mühlheim an der Ruhr und Almeria in Andalusien, was keinen Sinn ergibt, aber großartig ist und die surreale Welt, in der sich der Kommissar Roy Schneider bewegt, wundervoll ausdehnt. Außerdem gibt es einige sehenswerte Einstellungen (z.B. auf dem Polizeirevier), in denen es von kauzigem Personal nur so wimmelt. Ansonsten ist es natürlich schön zu sehen, das Helge Schneider es nach wie vor vorzieht, sein ganz eigenes Ding zu machen, anstatt irgendwelche Konventionen oder Erwartungen zu bedienen. Also: kein guter, aber ein schöner Film, den ich doch irgendwie gerne geguckt habe.

 

AUF DVD:

Mr. Robot, Season 1
Hat mir ein Kollege in die Hand gedrückt, als IT-affiner Film- und Serienfreund müsse mich das doch interessieren. Tut es, und die Serie hatte mich dann auch schon nach der ersten Folge an der Angel. Was gar nicht so sehr an der Story lag (einzelgängerischer, leicht verstrahlter Hacker schließt sich einer antikapitalistischen Hackergruppe an und plant mit ihr das ganz große Ding), sondern zum einen an dem sehr tollen Spiel von Hauptdarsteller Rami Malek, zum anderen an der Bildsprache der Serie. Die ist unkonventionell, ohne den Zuschauer permanent drauf zu stoßen, dass sie es ist. Ganz großartig und leider besonders ist die Art und Weise, wie hier das dargestellt wird, was sich auf PC-Bildschirmen abspielt: ganz ohne superschicke Animationen, Klickibunti und Soundeffects, sondern so, wie Datenverarbeitung und Hacking eben aussieht. Echte Kommandos auf einer echten Linux-Shell, echte Browser und Websites, die nicht die Originale sind, aber haarscharf aussehen wie Gmail oder Instagram. Dazu sind diese Szenen dann noch so geschnitten, dass sie überhaupt nicht dröge und langweilig aussehen. Die Geschichte ist nicht ohne Schwächen, es werden so einige Klischees bedient und oft wird allzu dick aufgetragen, aber dann gibt es auch immer wieder clevere Ideen und Überraschungen. Und einen Mords-Cliffhanger am Ende der ersten Staffel, der dafür sorgt, dass ich auch die zweite sehen will.

 

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