angemerkt

Letzte Woche gelernt (9)

Wo Winnenden liegt, musste ich nicht erst lernen, das wusste ich schon. Auch die Art und Weise, wie Medien und Politik inzwischen nach solchen Ereignissen eine gut eingeschliffene Routine anwerfen (bei Hanno’s Blog sehr schön zusammengefasst), überrascht nicht.

Trotzdem gab es in den letzten Tagen einige interessante Erkenntnisse. Vor allem die nicht unbedingt überraschende, aber in diesem Ausmaß dann doch erstaunliche Mischung aus Sensationsgeilheit, Erwartungsdruck und Inkompetenz bei Behörden und Journalisten, die dazu geführt hat, dass ein aus Jux angefertigter Screenshot als Beweis dafür herhalten musste, dass der Amokläufer seine Tat angeblich “im Internet” angekündigt habe.

Ein Innenminister präsentiert einen Screenshot, ein digital erzeugtes Bild, und den meisten genügt dies, um daraus einen Aufmacher zu produzieren. Während in der 20-Uhr-Tagesschau am Donnerstag das Thema als Hauptmeldung flimmerte, wurde in Blogs schon seit Stunden darüber diskutiert, dass das Bild wohl ein Fake sein musste. Und zwar weniger eine hinterlistig und gemeine Irreführung, als vielmehr eine ziemlich offensichtliche Gaudi-Fälschung. Wenn man sich das Bild ansieht und die Hintergründe kennt, dann ist dieses “Chat-Protokoll” genauso plausibel und echt wie das Amok-Fomular der Titanic. Nur fiel es eben auf einen fruchtbaren Boden, der dankbar jede Art von Hinweis aufgreift und dem die Stichworte Internet und Chat nur allzu gut in ihr vorgefertigtes Bild passten.

Interessant ist auch die Reaktion sowohl der Behörden als auch der Medien, nachdem man kleinlaut zugeben musste, einem Hoax aufgesessen zu sein. Man ist beleidigt, der Urheber des Bildes gilt sofort als gefährlicher Spinner, der dingfest zu machen und zu bestrafen ist. Der Sündenbock, auf den man jetzt mit dem Finger zeigen kann, anstatt eigene Fehler einzugestehen. Hier wird jemand zum Täter gemacht, der letztlich nur eine ungeheuerliche Tat auf seine Art verarbeitet hat, und zwar im Umfeld seiner Subkultur, der Imageboards. Einer Subkultur, die (wie es sich für eine junge Subkultur gehört) vom Mainstream nicht verstanden wird. Geschmackvoll ist das sicher nicht, aber im Endeffekt auch nicht verwerflicher als satirische Reaktionen wie die (brillante) von Ahoi Polloi oder die (gar nicht brillante) von der Titanic.

Telepolis-Bonuslinks:
Vee haff wayz to make you feel stoopid
Eine Glaubenssache: Ankündigung des Amoklaufs von Winnenden im Internet

Fußball live in der Mediathek

oder: Warum Geotargeting ein Irrweg ist.

Das ZDF macht da irgendwas verkehrt. Andere Websites ordnen mich klar in Deutschland ein.

Depp Like Me

Das Publikum wird von den Sendern verachtet, das ist ein Fakt.
Oliver Kalkofe

Eigentlich wollte ich ein Loblied singen auf die Fernsehserie Dead Like Me. Aber daraus wird wohl nichts. Nicht wegen der Serie, die ist nämlich toll. Sondern wegen des Senders. RTL 2 besitzt seit mehreren Jahren die Rechte an Dead Like Me, wusste aber lange Zeit nichts damit anzufangen. Kann ich verstehen — der Chefredakteur der Glamour wüsste vermutlich auch nicht, wo er ein brillant geschriebenes Essay im Heft platzieren sollte.

Kürzlich hat man die Serie dann doch gestartet — im quotenschwachen Hochsommer, am Samstagnachmittag. Bei einer Serie, deren zentrales Thema der Tod ist und die trotz einer Hauptfigur im Teenageralter keine Teenie-Serie ist. Das ist schon mal bescheuert genug, und man wundert sich nicht, dass RTL 2 schon beim Pilotfilm den ein oder anderen Schnitt ansetzen musste, damit Dead Like Me noch ins Nachmittagsprogramm passt.

Es wurde aber noch deutlich absurder: Eine Woche nach der Pilotfolge mit doppelter Länge liefen auf RTL 2 gleich drei Folgen – und zwar in der Zeit, in der man normalerweise zwei Folgen sendet. Gelungen ist dem Sender dieses Kunststück durch radikales Schnippeln, wie man hier nachlesen kann. Ich muss zugeben, ich habe dieses Schnittmassaker gesehen und habe es nicht gemerkt (auch wenn rückblickend manches doch verdächtig war) — insofern waren die Schnitte wohl nicht ganz dilletantisch. Trotzdem: Sowas gehört sich einfach nicht, da fühle ich mich als Zuschauer tatsächlich nicht nur verarscht, sondern regelrecht verachtet.

Aufmerksam geworden bin ich darauf erst heute, als die Abspannsitzenbleiberin in der Programmzeitschrift entdeckte, dass für heute wieder drei Folgen zum Preis von zweien angekündigt waren.

Liebe Privatsender: Geht’s noch? Mir ist es ja egal, wenn ihr euer Publikum mit billig runtergekurbeltem Scheiß verstrahlen wollt, aber wozu gutes Programm einkaufen, wenn ihr daraus dann doch nur Brei kocht? McDonald’s kauft schließlich auch keine Filets von Kobe-Rindern um damit seine Burger zu braten. Ich habe ehrlich keinen Bock mehr auf diesen Mist. Mit Werbepausen kann ich leben (ich weiß, was eine Vorspultaste ist), deutsche Synchros kann man gelegentlich ertragen. Wenn ihr aber die Sendungen, die eigentlich die Perlen eures Programms sein sollten, dermaßen verunstaltet, dann ist euch nicht mehr zu helfen. Dead Like Me war die letzte US-Serie, die ich im deutschen Privatfernsehen geguckt habe. Schade eigentlich, Californication hätte mich echt interessiert.

Epilog: Das schlimme ist, man kann nix machen. Ob ich jetzt aufhöre, die Serie zu schauen (und damit quasi mein Abo kündige), ist dem Sender scheißegal. Er kriegt es ja nicht mal mit, solange ich nicht am GfK-Quotenmeter hänge. Ich könnte natürlich alle Produkte boykottieren, für die in den Werbepausen geworben wird, aber wäre das nicht auch irgendwie albern? Naja, falls es jemanden interessiert, habe ich nach dem Klick alle Produkte gesammelt, für die in der heutigen Dreierfolge geworben wurde.
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No Fun Freitag

Kennen Sie vielleicht auch solche Sender, die immer nur Mist bauen und sich dann fragen, wieso ihr Image so beschissen ist? Tja, genau so einer bin ich auch. Immer wenn bei mir mal was gutes passiert, lässt das böse Ende nicht lange auf sich warten. Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich ‘ne Liste mit all meinen üblen Gaunereien aufgestellt, um sie dann eine nach der anderen wieder gut zu machen. Ich versuche nur, ‘n besserer Sender zu sein. Mein Name ist Ör-Te-El.


My name is Earl – Intro (Deutsch) – MyVideo

Aber dann hab ich gemerkt, dass die Liste so lang ist, dass das alles gar keinen Zweck hat und dass das alles viel zu anstrengend ist. Also hab ich’s wieder gelassen. Mir doch egal, werd’ ich halt doch kein besserer Sender und bleib so trashig wie ich immer war.

Bei der Geburt getrennt? (5)

  

Roberto Donadoni (ITA) und Wayne Coyne (Flaming Lips)

Über kurz oder lang

Jetzt grade im Fernsehen:

(Screenshot von tvmovie.de)

Woohoo!

Es ist offiziell: Guillermo del Toro dreht in Neuseeland The Hobbit und gleich dazu noch ein noch unbenamstes Sequel, das die Zeitspanne zwischen dem Hobbit und Lord of the Rings abdecken wird. Peter Jackson produziert und wird dafür sorgen, dass wohl zum Großteil die selben Leute mitarbeiten wie bei seiner LotR-Trilogie. Das ist eine Super-Nachricht, schließlich ist del Toro spätestens seit Pan’s Labyrinth einer der ganz tollen, sein Hellboy II verspricht ein echter Hammer zu werden, und wenn irgendeiner für den Hobbit genau der richtige ist, dann er.

Ich beteilige mich ja normalerweise nicht an all dem Prä-Filmstart-Hype im Netz, bei dem jedes Castinggerücht, jedes kleine Foto vom Set und jede Magenverstimmung einer Nebendarstellerin herumposaunt wird. Hier mache ich aber gerne eine Ausnahme und freu mich jetzt schon auf jeden Infoschnipsel.

Familienzuwachs

Mein Rechner hat ein kleines Brüderchen bekommen. Nieeedlich.