Too big to fail.
Sonntag, 09.05.2010
Filmstill aus Bill Plymptons Horn Dog.
Foto: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart
Wow. So viele Filme, so wenig Zeit. Kein Wunder, dass ich das Internationale Trickfilm-Festival in Stuttgart bisher nicht angemessen im Blog würdigen konnte. Das Programm ist derart umfassend, dass man im Prinzip täglich von 11 Uhr morgens bis spät in die Nacht ohne Unterbrechung Trickfilme schauen könnte. Das ITFS ist das größte deutsche Festival seiner Art und angeblich auch das zweitgrößte der Welt (Quelle leider verschlampt), ist sehr gut besucht und bietet eine wahre Fundgrube für kreatives (Trick-) Filmemachen mit insgesamt ca. 500 Beiträgen aus aller Welt. Von kleinen, experimentellen 30-Sekunden-Clips bis zum abendfüllenden Trickfilm aus Hollywood mit Millionenbudget. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich für Animationsfilme interessiert, einmal hierherzukommen — es lohnt sich sehr!
Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Kurzfilmproduktionen. 44 davon traten — aufgeteilt auf 5 Sessions, die mehrmals wiederholt wurden — im “Internationalen Wettbewerb” an. Als ähnlich umfangreiche Nebenreihen gibt es “Young Animation” mit Beiträgen, die fast alle aus dem Umfeld von Film- und Kunsthochschulen kommen, “Tricks for Kids” mit Animationsbeiträgen für Kinder (der Preis in dieser Sektion wird von einer Jury aus sechs Kindern vergeben) sowie die Reihen “Panorama” und “Best of Animation”, in denen Beiträge gesammelt werden, die nicht mehr nagelneu sind. Außerdem gibt es eine Themenreihe zu Propaganda-Trickfilmen.
Bei den Langfilmen kann man natürlich nicht mit dieser Masse protzen. Ein paar mehr hätten es aber schon sein dürfen. Der Animovie-Wettbewerb bestand nur aus acht Beiträgen (darunter vier ausgewiesene Kinderfilme), von denen einer ohnehin nächste Woche in die deutschen Kinos kommt. Letzterer — Wes Andersons Fantastic Mr. Fox — ist dafür auch ein ganz wunderbarer und großartiger Film, den ich sofort ins Herz geschlossen habe.
Drumherum gibt es Workshops, Vorträge, Kinderprogramme, und ein kostenloses Open-Air-Kinoprogramm auf dem Schlossplatz. Ein perfekter Ort, Stuttgarts zentralster Platz, direkt neben dem Kinokomplex gelegen, in dem das Festival stattfindet. So trägt man das Festival in die Öffentlichkeit und macht Werbung für den Animationsfilm. Schade nur, dass erst am vorletzten Abend das Wetter halbwegs Open-Air-tauglich war. Zuvor herrschten Regen und nächtliche Tiefstwerte nahe dem Gefrierpunkt. Die Öffentlichkeitsarbeit scheint dennoch gut zu funktionieren, denn in den Kinosälen sieht man nicht nur das zahlreich anwesende Fachpublikum und viele Filmstudenten, sondern durchaus auch viele “normale” Zuschauer, darunter etliche Familien mit Kindern.
Soviel zu meinen allgemeinen Eindrücken. Demnächst folgt eine Auswahl aus guten Kurzfilmen, die im Web verfügbar sind, sowie Reviews zu den gesehenen Langfilmen.
Dienstag, 04.05.2010

Heute abend beginnt in Stuttgart das 17. ITFS, das bis einschließlich Sonntag dauert und hunderte von kurzen und langen Trickfilmen aus aller Welt zeigt. Meines Wissens ist das ITFS das größte deutsche Festival für Animationsfilm und zählt auch weltweit zu den wichtigsten Veranstaltungen auf diesem Gebiet. Ich kenne das Festival noch nicht, werde aber ab Donnerstag vier Tage lang dort sein, viele viele Filme gucken und sowohl hier im Blog als auch bei Twitter drüber schreiben.
Dienstag, 09.12.2008
Es war eine Art Preview-Abend mit einer umfassenden Vorschau auf das, was man 2009 von Olli Schulz hören und sehen wird. “Die große Olli Schulz Show” überraschte erstmal mit einem ungewöhnlichen Setting: Das Backstage-Werk mit Graben und martialischen Absperrgittern vor der Bühne, darunter dann aber ein vollständig bestuhlter Raum. Schulz versuchte diesen Widerspruch damit aufzulösen, dass er einen Fresskorb herumreichte, aus dem sich jeder Zuschauer ein Teil nehmen durfte (der bei mir aber leider nicht mehr ankam).
Der erste Teil des Abends (und vermutlich der Grund für die Bestuhlung) war eine knapp halbstündige Lesung, in der Schulz ein Kapitel aus seinem in Kürze erscheinenden Buch Rock’n'Roll verzeiht Dir nichts zum Besten gab. Darin erzählt er autobiografisch aus seinen Jahren als Roadie, Stagehand und Türsteher. Der Stoff, der ihm seit Jahren als reicher Anekdotenschatz für seine legendär launigen Bühnenansagen dient, wird nun also zum Buch verdichtet. Ein guter Vorleser ist Olli Schulz zwar nicht, aber ein toller Geschichtenerzähler. Die Kostprobe aus dem Buch (featuring Edo Zanki) machte jedenfalls Lust darauf.
Zwischen den Leseabschnitten gab es Musik, und zwar von Home of the Lame. Felix Gebhardt, bärtiger Singer-Songwriter aus dem Grand-Hotel-van Cleef-Stall und mit einer wunderbar sonoren Gesangsstimme gesegnet, spielte mit seiner Band ein paar Lieder aus dem letzten Album. Und weil die Band, mit der Olli Schulz zuletzt unterwegs war (einschließlich dem Hund Marie) zur Zeit teilweise unter dem Namen “Tomte” auf Tour ist, wird eben Home of the Lame zur neuen Liveband von Olli Schulz. Im zweiten Teil des Abends wechselte Schulz also wieder vom Vorleser zum Sänger. Und abermals gab es einen Ausblick auf 2009: Mit einer Ausnahme spielte er nämlich ausschließlich Songs vom noch nicht veröffentllichten vierten Album,
Zu erwarten hat man da die mittlerweile Schulz-typische Mischung aus ernsthaften und nachdenklichen Texten, gepaart mit Humor und Nonsens. A propos Nonsens: 2009 wird auch das Jahr sein, in dem Olli Schulz die Charts, Skihütten und Großraumdiscos erobern wird! “Mach den Bibo, mach das UFO, mach den Grobi” ist die Schulz’sche Verson von Animations-Wahnsinn auf der Tanzfläche. Wird bestimmt ganz groß. München ist jedenfalls bereits infiziert.
Montag, 20.10.2008
Schon mein drittes Kirchenkonzert in Dachau. Diesmal war die evangelische Kirche der Ort des Geschehens, zu Gast war PeterLicht mit seiner kleinen, dreiköpfigen Begleitband, die erfreulicherweise bei einem Song (”Heimkehrerlied”) auch die Kirchenorgel einsetzte. Der Künstler ist ja bekanntermaßen fotoscheu, und so war es nicht mal überraschend, dass die Bühne beim ersten Lied erstmal komplett dunkel blieb. Sollte es hier ein Konzert in Dunkelheit geben? Das dann doch nicht. Von Song zu Song wurde ein bisschen heller gedimmt, bis der Altarraum dann irgendwann voll erleuchtet war, und man auch das Transparent lesen konnte, das jemand an die Empore gehängt hatte: “Und Gott sprach: Es werde Licht!” Fieser Kalauer, der aber angesichts der Location schon in Ordnung ging, und irgendwie auch passte. Denn PeterLicht, der sich anfangs nur von einem blauen Bürostuhl verköpern ließ und sein Gesicht immer noch nicht in der Zeitung oder im Fernsehen sehen will, zeigt sich seit kurzem offen und unverstellt auf der Bühne - Fotografieren ist aber verboten (ebenso wie das Mitreinnehmen der vor der Kirche verkauften Bierflaschen — Wein ging dagegen auch drinnen).
A propos Kalauer: auch PeterLicht ist ihm bisweilen nicht abgeneigt. Je länger das Konzert dauerte, desto lockerer und witziger wurden Sänger und Gesungenes. Der Humor kann bei PeterLicht subtil oder schräg, gerne auch mal einfach ein bisschen albern sein. Stellenweise wirkte das dann wie die intellektuelle Version von Helge Schneider, wurde aber niemals platt. Eingestreut zwischen das Liedprogramm (das die beiden letzten Alben fast komplett umfasste, dazu noch ein paar ältere Hits wie “Die transsylvanische Verwandte ist da”, “Lied gegen die Schwerkraft” und natürlich “Sonnendeck”) gab der Mann, der laut Welt “nichts gegen die Stellenbeschreibung Liedermacher einzuwenden hat”, auch noch zwei gesprochene Texte zum Besten (großartig: der olympische Wettkampf im Entspannen). Ansonsten wurde nicht viel palavert, im Mittelpunkt stand die Musik. Die ist auf dem aktuellen Album “Melancholie und Gesellschaft” noch hymnischer als auf dem Vorgänger und live gar nicht so leicht zu reproduzieren. Um Perfektion aber ging es hier nicht, es durften auch mal Einsätze vergeigt, der Text vergessen oder die Tonlage nicht gefunden werden. Es ging um die Freude an Musik und an Worten und Texten, mit denen PeterLicht so wunderbar smart und verspielt umgehen kann wie nur wenig andere Popmusiker. Das darf Spaß machen und lustig sein, aber auch melancholisch und nachdenklich. Und enthält zwischen den Zeilen sehr viel Wahres und Schlaues über unser Dasein.
Mittwoch, 21.05.2008
Es ist eine Mischung aus Popkultur-Festival, Klassentreffen, Fachmesse, Sammlermecka, Geek-Parade, Kongress, Kunst-Event und Party. Der Comic-Salon Erlangen ist von allem etwas. Alle zwei Jahre findet er statt und ist die Comic-Veranstaltung in Deutschland. Das schöne daran ist, dass er wirklich alle Facetten des Mediums abdeckt. Vom cosplayenden Manga-Girlie bis zum klassischen Klischee-Nerd, vom Distinktionsgewinn suchenden Independent-Typen bis zum elitären Kunstschnösel kann in Erlangen jeder auf seine Kosten kommen. Vor allem aber ist Erlangen ein Fest des Comics, weil nirgendwo sonst so viele Macher und Liebhaber dieses Mediums für ein paar Tage auf einem Haufen sind und die kleine Stadt tatsächlich vier Tage lang im Zeichen dieser Veranstaltung steht.
Ich fahre morgen zum vierten Mal hin und bin erstmals über die vollen vier Tage dabei. Gemeinsam mit meinen lieben Comicgate-Freunden werde ich dort unser drittes Printmagazin vorstellen, an dem wir die letzten Wochen intensiv gewerkelt haben. Wir sind mit einem Stand auf der Comicmesse vertreten und berichten natürlich auf comicgate.de vom Salon. Am Sonntag werde ich an der Diskussionsrunde “Wozu noch Verlage? Comics online” teilnehmen. Schlaf und gesunde Ernährung werden wieder zu kurz kommen, aber da muss man durch. Ich freu mich drauf!
Montag, 21.04.2008

Wer einmal bei der Musikexpress-Akustik-Konzertreihe Schweine am Samstag war, die man vielleicht besser in “Perlen vor die Säue” umbenennen sollte, kennt das: ein netter Club, nette Leute, nette Gespräche, nette Getränke. Und irgendwo auf ner Bühne sitzt ein introvertierter Typ mit Gitarre und versucht, leise Lieder zu spielen. Nur hört ihm fast keiner zu. Es geht aber auch ganz anders, und das hängt ganz entscheidend mit der Location zusammen.
In der Dachauer Pfarrkirche St. Jakob, wo es vor kurzem schon ein feines Gastspiel von Iron & Wine gab, fand gestern erneut ein schönes Akustik-Konzert statt. Zu Gast war José Gonzales, der, wie man am Namen schon eindeutig feststellen kann, aus Schweden kommt. Am bekanntesten ist er ausgerechnet für zwei Coverversionen: für die des Knife-Songs “Heartbeats” (Ihr erinnert euch an den Werbespot mit den bunten Bällen?) und für seine großartige Version von Massive Attacks “Teardrop”. Beide brachte er natürlich in der vollbesetzten Kirche zu Gehör, aber auch viele Stücke aus eigener Feder, die sich dahinter nicht verstecken müssen. Beeindruckend an der Musik von José Gonzales ist vor allem der Klangteppich, den er mit einer einzigen Akustikklampfe zu erzeugen in der Lage ist.
Feine, leise Musik also, nur gelegentlich mal unterstützt von zurückhaltender Percussion oder auch mal einer Melodika. Und die Kirche ist der perfekte Ort dafür. Hier sitzt man (leider sehr unbequem, der Kirchenbestuhler hatte wohl kein Interesse an Ergonomie), und wenn die Musik beginnt, wird andächtig geschwiegen und zugehört. Was für alle Beteiligten sicher eine angenehme Abwechslung bedeutet und das musikalische Erlebnis intensiver macht. Wenn’s nach mir geht, kann das gerne so weiter gehen mit Konzerten in St. Jakob.
Freitag, 29.06.2007

Dass es hier aufm Blog gerade etwas ruhiger zugeht, liegt nicht zuletzt an den ausgedehnten Wochenend-Beschäftigungen dieses Sommers. Live-Blogging vom Southside-Festival wäre ja wirklich nett gewesen, aber wer will schon den ganzen Technikkram mitschleppen. Eine Kamera hatte ich immerhin dabei. Nebenan bei den Stagediven lassen Hike und ich das Festival nochmal Revue passieren. In Form eines Chat-Protokolls!
Freitag, 22.06.2007

Wir brechen bald auf, zum Stagediven-Betriebsausflug aufs Southside-Festival. Die Vorfreude darauf ist seit gestern allerdings stark getrübt. Bei einem heftigen Unwetter während der Aufbauphase kam es zu einem schlimmen Unfall, bei dem ein Sanitäter ums Leben kam. Angesichts dessen kommt man sich schon sehr seltsam vor, trotzdem einfach drei Tage zu feiern. Hätten die Veranstalter das Ding komplett abgesagt, ich hätt’s okay gefunden.
Was es stattdessen gibt, ist eine Teilabsage. Die Zeltbühne ging bei dem Unwetter hops und da kurzfristig kein Ersatz zu bekommen war, fällt das dort vorgesehene Programm aus. Also kein Dendemann, Deichkind, Cold War Kids, Johnossi oder Aereogramme. Das ist wirklich verdammt bitter und ärgerlich, wenn man den Eintrittspreis auch wegen dieser Bands berappt hat. Andererseits, siehe oben, ist Lamentieren und Sich-Ärgern ja wohl völlig kleinkariert und unangebracht angesichts eines Menschenlebens.
Wir werden jetzt also mal testen, wie das so ist, wenn man das Prinzip “The Show must go on” umsetzt. Und vor allem wollen wir hoffen, dass das Wetter brav bleibt und keine weiteren bösen Dinge passieren.
Samstag, 16.06.2007
Eigentlich meide ich solche Konzerte. Große Hallen, teurer Eintritt. Bands, deren Mitglieder meist schon zur Hälfte tot sind, die in ihrer Geschichte mehr Besetzungs-Wechsel als Albenveröffentlichungen hatten, und die altersmäßig locker meine Eltern sein könnten. Und denen man auf der Bühne leider oft anmerkt, wie alt sie sind. Oder dass sie zu peinlichen Hampelmännern wie Mick Jagger mutiert sind.
Auf der anderen Seite haben viele dieser “Altrocker” einen Großteil der Platten aufgenommen, die ich als meine Lieblingsalben bezeichnen würde. Und so ist es dann doch immer wieder verlockend, wenn ein Neil Young, ein Bob Dylan oder ein Eric Clapton in die Stadt kommt.
Bei The Who habe ich auch gezögert. Schlagzeuger und Bassist sind tot, das letzte wirklich gute Album liegt mindestens 25 Jahre zurück. Aber sehen wollte ich sie, oder das, was von ihnen übrig ist, dann halt doch mal. Und es hat sich tatsächlich gelohnt! In der eher locker gefüllten Olympiahalle zelebrierten Pete Townshend, Roger Daltrey und ihre Begleitmusiker den Teil der Rockgeschichte, den sie maßgeblich mitbestimmt haben. Natürlich sind die ganzen Hits uralt, natürlich gibt es für neuere Songs nur höflichen Applaus statt großen Jubel, natürlich wirkt die Zeile “I hope I die before I get old” irgendwie daneben. Aber entscheidend ist: Diese Songs, so alt sie auch sein mögen, wirken unglaublich frisch. Dieses Konzert war zu meiner Überraschung keine rückwärtsgewandte Nostalgie-Show von und für ältere Herren, auch kein Best-of-CSI-Musical, sondern ein echtes, lautes Rockkonzert (mit erstaunlich gutem Sound).
Pete Townshend und Roger Daltrey, früher mal die stylishsten Mode-Heroes der Welt, stehen in stinknormalen Alltagsklamotten auf der Bühne und machen einfach ihre Musik. Und es sieht tatsächlich so aus, als hätten sie ehrlich großen Spaß dabei. Townshend macht zwar keine Luftsprünge mehr, aber seine Windmühlen-Skills sind immer noch da. Ihre Stimmen mögen nicht mehr so hoch hinaus kommen wie früher, aber das spielt keine Rolle. Peinliche Rockopas sehen anders aus.
Sonntag, 15.04.2007
Gemütlicher Ausklang mit Freibier auf der Straße.
Blogger A: Jetzt ist die Frauenquote doch ganz schön nach unten gesunken.
Blogger B: Ach, solange ich die Beine von Mercedes Bunz dort vorn sehe, ist das okay.
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