Dienstag, 09.12.2008
Es war eine Art Preview-Abend mit einer umfassenden Vorschau auf das, was man 2009 von Olli Schulz hören und sehen wird. “Die große Olli Schulz Show” überraschte erstmal mit einem ungewöhnlichen Setting: Das Backstage-Werk mit Graben und martialischen Absperrgittern vor der Bühne, darunter dann aber ein vollständig bestuhlter Raum. Schulz versuchte diesen Widerspruch damit aufzulösen, dass er einen Fresskorb herumreichte, aus dem sich jeder Zuschauer ein Teil nehmen durfte (der bei mir aber leider nicht mehr ankam).
Der erste Teil des Abends (und vermutlich der Grund für die Bestuhlung) war eine knapp halbstündige Lesung, in der Schulz ein Kapitel aus seinem in Kürze erscheinenden Buch Rock’n'Roll verzeiht Dir nichts zum Besten gab. Darin erzählt er autobiografisch aus seinen Jahren als Roadie, Stagehand und Türsteher. Der Stoff, der ihm seit Jahren als reicher Anekdotenschatz für seine legendär launigen Bühnenansagen dient, wird nun also zum Buch verdichtet. Ein guter Vorleser ist Olli Schulz zwar nicht, aber ein toller Geschichtenerzähler. Die Kostprobe aus dem Buch (featuring Edo Zanki) machte jedenfalls Lust darauf.
Zwischen den Leseabschnitten gab es Musik, und zwar von Home of the Lame. Felix Gebhardt, bärtiger Singer-Songwriter aus dem Grand-Hotel-van Cleef-Stall und mit einer wunderbar sonoren Gesangsstimme gesegnet, spielte mit seiner Band ein paar Lieder aus dem letzten Album. Und weil die Band, mit der Olli Schulz zuletzt unterwegs war (einschließlich dem Hund Marie) zur Zeit teilweise unter dem Namen “Tomte” auf Tour ist, wird eben Home of the Lame zur neuen Liveband von Olli Schulz. Im zweiten Teil des Abends wechselte Schulz also wieder vom Vorleser zum Sänger. Und abermals gab es einen Ausblick auf 2009: Mit einer Ausnahme spielte er nämlich ausschließlich Songs vom noch nicht veröffentllichten vierten Album,
Zu erwarten hat man da die mittlerweile Schulz-typische Mischung aus ernsthaften und nachdenklichen Texten, gepaart mit Humor und Nonsens. A propos Nonsens: 2009 wird auch das Jahr sein, in dem Olli Schulz die Charts, Skihütten und Großraumdiscos erobern wird! “Mach den Bibo, mach das UFO, mach den Grobi” ist die Schulz’sche Verson von Animations-Wahnsinn auf der Tanzfläche. Wird bestimmt ganz groß. München ist jedenfalls bereits infiziert.
Montag, 20.10.2008
Schon mein drittes Kirchenkonzert in Dachau. Diesmal war die evangelische Kirche der Ort des Geschehens, zu Gast war PeterLicht mit seiner kleinen, dreiköpfigen Begleitband, die erfreulicherweise bei einem Song (”Heimkehrerlied”) auch die Kirchenorgel einsetzte. Der Künstler ist ja bekanntermaßen fotoscheu, und so war es nicht mal überraschend, dass die Bühne beim ersten Lied erstmal komplett dunkel blieb. Sollte es hier ein Konzert in Dunkelheit geben? Das dann doch nicht. Von Song zu Song wurde ein bisschen heller gedimmt, bis der Altarraum dann irgendwann voll erleuchtet war, und man auch das Transparent lesen konnte, das jemand an die Empore gehängt hatte: “Und Gott sprach: Es werde Licht!” Fieser Kalauer, der aber angesichts der Location schon in Ordnung ging, und irgendwie auch passte. Denn PeterLicht, der sich anfangs nur von einem blauen Bürostuhl verköpern ließ und sein Gesicht immer noch nicht in der Zeitung oder im Fernsehen sehen will, zeigt sich seit kurzem offen und unverstellt auf der Bühne - Fotografieren ist aber verboten (ebenso wie das Mitreinnehmen der vor der Kirche verkauften Bierflaschen — Wein ging dagegen auch drinnen).
A propos Kalauer: auch PeterLicht ist ihm bisweilen nicht abgeneigt. Je länger das Konzert dauerte, desto lockerer und witziger wurden Sänger und Gesungenes. Der Humor kann bei PeterLicht subtil oder schräg, gerne auch mal einfach ein bisschen albern sein. Stellenweise wirkte das dann wie die intellektuelle Version von Helge Schneider, wurde aber niemals platt. Eingestreut zwischen das Liedprogramm (das die beiden letzten Alben fast komplett umfasste, dazu noch ein paar ältere Hits wie “Die transsylvanische Verwandte ist da”, “Lied gegen die Schwerkraft” und natürlich “Sonnendeck”) gab der Mann, der laut Welt “nichts gegen die Stellenbeschreibung Liedermacher einzuwenden hat”, auch noch zwei gesprochene Texte zum Besten (großartig: der olympische Wettkampf im Entspannen). Ansonsten wurde nicht viel palavert, im Mittelpunkt stand die Musik. Die ist auf dem aktuellen Album “Melancholie und Gesellschaft” noch hymnischer als auf dem Vorgänger und live gar nicht so leicht zu reproduzieren. Um Perfektion aber ging es hier nicht, es durften auch mal Einsätze vergeigt, der Text vergessen oder die Tonlage nicht gefunden werden. Es ging um die Freude an Musik und an Worten und Texten, mit denen PeterLicht so wunderbar smart und verspielt umgehen kann wie nur wenig andere Popmusiker. Das darf Spaß machen und lustig sein, aber auch melancholisch und nachdenklich. Und enthält zwischen den Zeilen sehr viel Wahres und Schlaues über unser Dasein.
Mittwoch, 21.05.2008
Es ist eine Mischung aus Popkultur-Festival, Klassentreffen, Fachmesse, Sammlermecka, Geek-Parade, Kongress, Kunst-Event und Party. Der Comic-Salon Erlangen ist von allem etwas. Alle zwei Jahre findet er statt und ist die Comic-Veranstaltung in Deutschland. Das schöne daran ist, dass er wirklich alle Facetten des Mediums abdeckt. Vom cosplayenden Manga-Girlie bis zum klassischen Klischee-Nerd, vom Distinktionsgewinn suchenden Independent-Typen bis zum elitären Kunstschnösel kann in Erlangen jeder auf seine Kosten kommen. Vor allem aber ist Erlangen ein Fest des Comics, weil nirgendwo sonst so viele Macher und Liebhaber dieses Mediums für ein paar Tage auf einem Haufen sind und die kleine Stadt tatsächlich vier Tage lang im Zeichen dieser Veranstaltung steht.
Ich fahre morgen zum vierten Mal hin und bin erstmals über die vollen vier Tage dabei. Gemeinsam mit meinen lieben Comicgate-Freunden werde ich dort unser drittes Printmagazin vorstellen, an dem wir die letzten Wochen intensiv gewerkelt haben. Wir sind mit einem Stand auf der Comicmesse vertreten und berichten natürlich auf comicgate.de vom Salon. Am Sonntag werde ich an der Diskussionsrunde “Wozu noch Verlage? Comics online” teilnehmen. Schlaf und gesunde Ernährung werden wieder zu kurz kommen, aber da muss man durch. Ich freu mich drauf!
Montag, 21.04.2008

Wer einmal bei der Musikexpress-Akustik-Konzertreihe Schweine am Samstag war, die man vielleicht besser in “Perlen vor die Säue” umbenennen sollte, kennt das: ein netter Club, nette Leute, nette Gespräche, nette Getränke. Und irgendwo auf ner Bühne sitzt ein introvertierter Typ mit Gitarre und versucht, leise Lieder zu spielen. Nur hört ihm fast keiner zu. Es geht aber auch ganz anders, und das hängt ganz entscheidend mit der Location zusammen.
In der Dachauer Pfarrkirche St. Jakob, wo es vor kurzem schon ein feines Gastspiel von Iron & Wine gab, fand gestern erneut ein schönes Akustik-Konzert statt. Zu Gast war José Gonzales, der, wie man am Namen schon eindeutig feststellen kann, aus Schweden kommt. Am bekanntesten ist er ausgerechnet für zwei Coverversionen: für die des Knife-Songs “Heartbeats” (Ihr erinnert euch an den Werbespot mit den bunten Bällen?) und für seine großartige Version von Massive Attacks “Teardrop”. Beide brachte er natürlich in der vollbesetzten Kirche zu Gehör, aber auch viele Stücke aus eigener Feder, die sich dahinter nicht verstecken müssen. Beeindruckend an der Musik von José Gonzales ist vor allem der Klangteppich, den er mit einer einzigen Akustikklampfe zu erzeugen in der Lage ist.
Feine, leise Musik also, nur gelegentlich mal unterstützt von zurückhaltender Percussion oder auch mal einer Melodika. Und die Kirche ist der perfekte Ort dafür. Hier sitzt man (leider sehr unbequem, der Kirchenbestuhler hatte wohl kein Interesse an Ergonomie), und wenn die Musik beginnt, wird andächtig geschwiegen und zugehört. Was für alle Beteiligten sicher eine angenehme Abwechslung bedeutet und das musikalische Erlebnis intensiver macht. Wenn’s nach mir geht, kann das gerne so weiter gehen mit Konzerten in St. Jakob.
Freitag, 29.06.2007

Dass es hier aufm Blog gerade etwas ruhiger zugeht, liegt nicht zuletzt an den ausgedehnten Wochenend-Beschäftigungen dieses Sommers. Live-Blogging vom Southside-Festival wäre ja wirklich nett gewesen, aber wer will schon den ganzen Technikkram mitschleppen. Eine Kamera hatte ich immerhin dabei. Nebenan bei den Stagediven lassen Hike und ich das Festival nochmal Revue passieren. In Form eines Chat-Protokolls!
Freitag, 22.06.2007

Wir brechen bald auf, zum Stagediven-Betriebsausflug aufs Southside-Festival. Die Vorfreude darauf ist seit gestern allerdings stark getrübt. Bei einem heftigen Unwetter während der Aufbauphase kam es zu einem schlimmen Unfall, bei dem ein Sanitäter ums Leben kam. Angesichts dessen kommt man sich schon sehr seltsam vor, trotzdem einfach drei Tage zu feiern. Hätten die Veranstalter das Ding komplett abgesagt, ich hätt’s okay gefunden.
Was es stattdessen gibt, ist eine Teilabsage. Die Zeltbühne ging bei dem Unwetter hops und da kurzfristig kein Ersatz zu bekommen war, fällt das dort vorgesehene Programm aus. Also kein Dendemann, Deichkind, Cold War Kids, Johnossi oder Aereogramme. Das ist wirklich verdammt bitter und ärgerlich, wenn man den Eintrittspreis auch wegen dieser Bands berappt hat. Andererseits, siehe oben, ist Lamentieren und Sich-Ärgern ja wohl völlig kleinkariert und unangebracht angesichts eines Menschenlebens.
Wir werden jetzt also mal testen, wie das so ist, wenn man das Prinzip “The Show must go on” umsetzt. Und vor allem wollen wir hoffen, dass das Wetter brav bleibt und keine weiteren bösen Dinge passieren.
Samstag, 16.06.2007
Eigentlich meide ich solche Konzerte. Große Hallen, teurer Eintritt. Bands, deren Mitglieder meist schon zur Hälfte tot sind, die in ihrer Geschichte mehr Besetzungs-Wechsel als Albenveröffentlichungen hatten, und die altersmäßig locker meine Eltern sein könnten. Und denen man auf der Bühne leider oft anmerkt, wie alt sie sind. Oder dass sie zu peinlichen Hampelmännern wie Mick Jagger mutiert sind.
Auf der anderen Seite haben viele dieser “Altrocker” einen Großteil der Platten aufgenommen, die ich als meine Lieblingsalben bezeichnen würde. Und so ist es dann doch immer wieder verlockend, wenn ein Neil Young, ein Bob Dylan oder ein Eric Clapton in die Stadt kommt.
Bei The Who habe ich auch gezögert. Schlagzeuger und Bassist sind tot, das letzte wirklich gute Album liegt mindestens 25 Jahre zurück. Aber sehen wollte ich sie, oder das, was von ihnen übrig ist, dann halt doch mal. Und es hat sich tatsächlich gelohnt! In der eher locker gefüllten Olympiahalle zelebrierten Pete Townshend, Roger Daltrey und ihre Begleitmusiker den Teil der Rockgeschichte, den sie maßgeblich mitbestimmt haben. Natürlich sind die ganzen Hits uralt, natürlich gibt es für neuere Songs nur höflichen Applaus statt großen Jubel, natürlich wirkt die Zeile “I hope I die before I get old” irgendwie daneben. Aber entscheidend ist: Diese Songs, so alt sie auch sein mögen, wirken unglaublich frisch. Dieses Konzert war zu meiner Überraschung keine rückwärtsgewandte Nostalgie-Show von und für ältere Herren, auch kein Best-of-CSI-Musical, sondern ein echtes, lautes Rockkonzert (mit erstaunlich gutem Sound).
Pete Townshend und Roger Daltrey, früher mal die stylishsten Mode-Heroes der Welt, stehen in stinknormalen Alltagsklamotten auf der Bühne und machen einfach ihre Musik. Und es sieht tatsächlich so aus, als hätten sie ehrlich großen Spaß dabei. Townshend macht zwar keine Luftsprünge mehr, aber seine Windmühlen-Skills sind immer noch da. Ihre Stimmen mögen nicht mehr so hoch hinaus kommen wie früher, aber das spielt keine Rolle. Peinliche Rockopas sehen anders aus.
Sonntag, 15.04.2007
Gemütlicher Ausklang mit Freibier auf der Straße.
Blogger A: Jetzt ist die Frauenquote doch ganz schön nach unten gesunken.
Blogger B: Ach, solange ich die Beine von Mercedes Bunz dort vorn sehe, ist das okay.
Freitag, 13.04.2007
Der Tag, an dem…
…ich endlich mal mein T-Shirt nicht umständlich erklären muss, sondern mehrfach drauf angesprochen werde, wie toll das sei.
…Hike und ich endlich Nico und Guido von Jackpot Baby! kennenlernen.
…ich feststelle, dass Powerpoint Karaoke in der Praxis tatsächlich so funktioniert und extrem unterhaltsam ist, wie es in der Theorie klingt.
…die unglaubliche Präsentation Brotkultur in Europa für offene Münder sorgt.
…ein SMS-Kommentar, den ich beim Powepoint Karaoke absetze, mit Szenenapplaus bedacht wird.
…die re:publica ein wirklich gutes Abendprogramm bietet, das neben der schon genannten Show auch musikalisch fein ist: Toni Mahoni und seine charmante Beiläufigkeit, die Freie-Musik-Helden Jammin Inc., die zu zwölft auf der Bühne schwer einen los machen und zuletzt die Ohrbooten, die auch die Popos von Leuten wie mir, die mit Reggae und Hiphop nicht soviel anfangen können, ein bisschen zum Wackeln bringen.
…man aber auch ein paar interessante Vorträge gehört hat, z.B. ein Panel mit Udo Vetter u.a. über Rechtsfragen im Netz und die Diksussion zum Thema Werbung in Blogs, die nicht annähernd so kontrovers ausfiel, wie man sich das gewünscht hätte. Sascha Lobo kann aber auch ohne Gegner einen kämpferischen Eindruck machen.
Donnerstag, 12.04.2007
Gestern war der erste Tag der re:publica-Konferenz in Berlin. Noch nie habe ich soviele Laptops und schon gar nicht habe ich jemals soviele iBooks und MacBooks auf einem Haufen gesehen…
Sehr sympathisch: man sieht kaum Krawattenträger, die meisten Teilnehmer scheinen tatsächlich interessierte Laien, Studenten und Hobbyblogger zu sein. Mit Visitenkarten um sich werfende Businesstypen sind kaum vor Ort (was auch genau meine Erwartung und einer der Gründe dafür war, dass ich mich zur Teilnahme entschlossen habe).
Unter den Vorträgen, Workshops und Panels, die ich am ersten Tag gehört habe, war noch kein echter Knüller, aber durchaus ein paar interessante Beiträge: Nils Reiters Einführung in Yahoo!Pipes, Jan Schmidts Vortrag über die Mythen der Blogosphäre, Nicole Ebbers Einführung in die Basics von Creative Commons und das Panel zum Thema Mashups, das zuerst recht theoretisch und technisch geführt wurde, aber mit der Zeit zu einer interessanten Diskussion über Google und seine Dienste wurde. Eher ermüdend war dagegen der ziemlich trockene Vortrag von Volker Grassmuck über ein an sich interessantes Thema, die Geschichte der Wissensverbreitung von Gutenberg bis heute.
Die Kalkscheune in Mitte ist als Veranstaltungsort ideal, zumindest wenn man von der ursprünglich anvisierten Besucherzahl ausgeht. De facto sind es wohl deutlich mehr, was zwischendurch schon mal zu räumlichen Engpässen führt. Aber immerhin: das WLAN funktioniert.
Positivste Überraschung des ersten Tages ist eine kleine technische Spielerei: Mit einem Handy kann man re:publica-Veranstaltungen live per SMS kommentieren. Die Mitteilungen erscheinen direkt per Beamer im Vortragssaal und sorgen immer wieder für Lacher. Eine interessante Mischung aus SMS-Chat und Kommentartool, die man auch direkt im Web sehen kann.