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Live: The Who

Eigentlich meide ich solche Konzerte. Große Hallen, teurer Eintritt. Bands, deren Mitglieder meist schon zur Hälfte tot sind, die in ihrer Geschichte mehr Besetzungs-Wechsel als Albenveröffentlichungen hatten, und die altersmäßig locker meine Eltern sein könnten. Und denen man auf der Bühne leider oft anmerkt, wie alt sie sind. Oder dass sie zu peinlichen Hampelmännern wie Mick Jagger mutiert sind.

Auf der anderen Seite haben viele dieser “Altrocker” einen Großteil der Platten aufgenommen, die ich als meine Lieblingsalben bezeichnen würde. Und so ist es dann doch immer wieder verlockend, wenn ein Neil Young, ein Bob Dylan oder ein Eric Clapton in die Stadt kommt.

Bei The Who habe ich auch gezögert. Schlagzeuger und Bassist sind tot, das letzte wirklich gute Album liegt mindestens 25 Jahre zurück. Aber sehen wollte ich sie, oder das, was von ihnen übrig ist, dann halt doch mal. Und es hat sich tatsächlich gelohnt! In der eher locker gefüllten Olympiahalle zelebrierten Pete Townshend, Roger Daltrey und ihre Begleitmusiker den Teil der Rockgeschichte, den sie maßgeblich mitbestimmt haben. Natürlich sind die ganzen Hits uralt, natürlich gibt es für neuere Songs nur höflichen Applaus statt großen Jubel, natürlich wirkt die Zeile “I hope I die before I get old” irgendwie daneben. Aber entscheidend ist: Diese Songs, so alt sie auch sein mögen, wirken unglaublich frisch. Dieses Konzert war zu meiner Überraschung keine rückwärtsgewandte Nostalgie-Show von und für ältere Herren, auch kein Best-of-CSI-Musical, sondern ein echtes, lautes Rockkonzert (mit erstaunlich gutem Sound).

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Pete Townshend und Roger Daltrey, früher mal die stylishsten Mode-Heroes der Welt, stehen in stinknormalen Alltagsklamotten auf der Bühne und machen einfach ihre Musik. Und es sieht tatsächlich so aus, als hätten sie ehrlich großen Spaß dabei. Townshend macht zwar keine Luftsprünge mehr, aber seine Windmühlen-Skills sind immer noch da. Ihre Stimmen mögen nicht mehr so hoch hinaus kommen wie früher, aber das spielt keine Rolle. Peinliche Rockopas sehen anders aus.

re:publica, Tag 3

Gemütlicher Ausklang mit Freibier auf der Straße.
Blogger A: Jetzt ist die Frauenquote doch ganz schön nach unten gesunken.
Blogger B: Ach, solange ich die Beine von Mercedes Bunz dort vorn sehe, ist das okay.

re:publica, Tag 2

Der Tag, an dem…

…ich endlich mal mein T-Shirt nicht umständlich erklären muss, sondern mehrfach drauf angesprochen werde, wie toll das sei.

Hike und ich endlich Nico und Guido von Jackpot Baby! kennenlernen.

…ich feststelle, dass Powerpoint Karaoke in der Praxis tatsächlich so funktioniert und extrem unterhaltsam ist, wie es in der Theorie klingt.

…die unglaubliche Präsentation Brotkultur in Europa für offene Münder sorgt.

…ein SMS-Kommentar, den ich beim Powepoint Karaoke absetze, mit Szenenapplaus bedacht wird.

…die re:publica ein wirklich gutes Abendprogramm bietet, das neben der schon genannten Show auch musikalisch fein ist: Toni Mahoni und seine charmante Beiläufigkeit, die Freie-Musik-Helden Jammin Inc., die zu zwölft auf der Bühne schwer einen los machen und zuletzt die Ohrbooten, die auch die Popos von Leuten wie mir, die mit Reggae und Hiphop nicht soviel anfangen können, ein bisschen zum Wackeln bringen.

…man aber auch ein paar interessante Vorträge gehört hat, z.B. ein Panel mit Udo Vetter u.a. über Rechtsfragen im Netz und die Diksussion zum Thema Werbung in Blogs, die nicht annähernd so kontrovers ausfiel, wie man sich das gewünscht hätte. Sascha Lobo kann aber auch ohne Gegner einen kämpferischen Eindruck machen.

re:publica, Tag 1

Gestern war der erste Tag der re:publica-Konferenz in Berlin. Noch nie habe ich soviele Laptops und schon gar nicht habe ich jemals soviele iBooks und MacBooks auf einem Haufen gesehen…
Sehr sympathisch: man sieht kaum Krawattenträger, die meisten Teilnehmer scheinen tatsächlich interessierte Laien, Studenten und Hobbyblogger zu sein. Mit Visitenkarten um sich werfende Businesstypen sind kaum vor Ort (was auch genau meine Erwartung und einer der Gründe dafür war, dass ich mich zur Teilnahme entschlossen habe).

Unter den Vorträgen, Workshops und Panels, die ich am ersten Tag gehört habe, war noch kein echter Knüller, aber durchaus ein paar interessante Beiträge: Nils Reiters Einführung in Yahoo!Pipes, Jan Schmidts Vortrag über die Mythen der Blogosphäre, Nicole Ebbers Einführung in die Basics von Creative Commons und das Panel zum Thema Mashups, das zuerst recht theoretisch und technisch geführt wurde, aber mit der Zeit zu einer interessanten Diskussion über Google und seine Dienste wurde. Eher ermüdend war dagegen der ziemlich trockene Vortrag von Volker Grassmuck über ein an sich interessantes Thema, die Geschichte der Wissensverbreitung von Gutenberg bis heute.

Die Kalkscheune in Mitte ist als Veranstaltungsort ideal, zumindest wenn man von der ursprünglich anvisierten Besucherzahl ausgeht. De facto sind es wohl deutlich mehr, was zwischendurch schon mal zu räumlichen Engpässen führt. Aber immerhin: das WLAN funktioniert.

Positivste Überraschung des ersten Tages ist eine kleine technische Spielerei: Mit einem Handy kann man re:publica-Veranstaltungen live per SMS kommentieren. Die Mitteilungen erscheinen direkt per Beamer im Vortragssaal und sorgen immer wieder für Lacher. Eine interessante Mischung aus SMS-Chat und Kommentartool, die man auch direkt im Web sehen kann.

Schlecht gezeichneter Junge

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War ein sehr nettes Konzert. Mehr steht hier.

Live: Bloglesung von jetzt.de

HISTORISCHES: Im Frühsommer hatte jetzt.de ein Blogstipendium ausgeschrieben, im September wurden fünf Blogs ausgewählt, die jetzt mit 300 Euro monatlich gefördert werden. Die “Stipendiaten” trafen sich am Freitag im Münchner Literaturhaus zu einer Lesung.

RÄUMLICHES: Der Saal des Literaturhauses und auch die Räumlichkeiten drumrum haben etwas sehr offizielles. Mehr Hoch- als Subkultur. Man bemühte sich zwar, mithilfe einer Bar und ein paar Tischen das sterile Neonröhrenflair eines Vortrags- und Konferenzsaales zu vertreiben, aber so recht wollte das nicht klappen. In einer kleinen, schummrigen Bar/Kneipe/Lounge/Café wäre die Veranstaltung viel besser aufgehoben gewesen.

PERSONELLES: Gelesen haben Rose, Herr Waldar, Nilzenburger, Markus Beckedahl sowie Nico, Guido und Piwi.

GEBOTENES: Ein richtig runder Abend ist es nicht geworden. Es eignet sich halt einfach nicht jedes Blog und schon gar nicht jeder Beitrag für einen solchen Rahmen. Am besten funktionierte es noch bei Nilzenburgers amüsanten Geschichten. Die anderen behalfen sich zum Teil mit dem Vorführen von Videos (Waldar, Jackpotbaby) oder mit allgemeinen, etwas ausschweifenden Ausführungen über sein Blog und dessen Anliegen (netzpolitik). Alles nicht wirklich schlecht und ganz interessant, aber so richtig ‘klick’ hat’s nicht gemacht.

LITERARISCHES: Immer wieder wurde auf dem Zusammenhang zwischen Blogs und Literatur herumgeritten. Die Chefin des Literaturhauses betonte, dass München das allererste Literaturhaus sei, das Blogs auf die Bühne bitte. Etwas entspannter nahm das zum Glück der LMU-Literaturprofessor, der als Experte die vorgelesenen Blogbeiträge kommentieren durfte und die Literatur-Kiste angenehmerweise nicht überstrapazierte.

FINANZIELLES: Es muss ja nicht gleich freier Eintritt sein, aber 8 Euro sind beim besten Willen zuviel. Zumal die Zielgruppe von jetzt.de ja auch nicht die Topverdiener sind (Die des Literaturhauses vielleicht schon – vgl. die Preisliste des Café Dukatz).

OLFAKTORISCHES: Es gab Kürbissuppe und einen asiatischen Eintopf. Eine dieser beiden Speisen verbreitete einen säuerlichen, leicht an Kotze gemahnenden Duft, der in mir als Nichtraucher den Wunsch aufkommen ließ, das Rauchverbot im Saal möge doch aufgehoben werden.

BIBLISCHES: Fast wie bei der Hochzeit in Kana: Zuerst gab’s das warme Bier, später dann auch gekühltes. Normalerweise ist das doch fast immer umgekehrt.

Edit 30.10.06: Weitere Einschätzungen zum Abend stehen bei muenchenblogger (mit Fotos), eslebedaslaster, caliban, und bei den Protagonisten selbst: Nilzenburger und Herr Waldar (mit Fotos und Videos).

Kindergeburtstag in Rock

Vorgestern in der Muffathalle: Die Flaming Lips. Mehr dazu bei den Stagediven.

WM live: Elfenbeinküste – Serbien-Montenegro (3:2)

Es geht um nichts mehr in diesem Spiel, beide Teams sind schon raus aus dem Turnier. Die Serben haben sich mit dem 0:6 gegen Argentinien eine schöne Blamage eingehandelt, die Ivorer haben gut gespielt aber zweimal knapp verloren. Ist da noch Motivation übrig für das Spiel um Platz 3 und 4 in der “Todesgruppe”? Wird das ein interessantes Spiel? Wohl kaum. Der Star der Ivorer, Didier Drogba, fehlt wegen Gelbsperre. Und dann fängt’s auch noch an, heftig zu regnen.

Aber dann: Was für ein schöner Fußballabend! Die Afrikaner stümen von Anfang an aufs Tor, liegen aber bald wegen katastrophaler Abwehrfehler und Schwächen im Abschluss 0:2 hinten. Das deutsche Publikum merkt, dass hier die Falschen führen und feuert geschlossen eine Mannschaft an: die Elfenbeinküste. Und die schafft es tatsächlich, das Spiel zu drehen. Nicht wirklich Spitzenfußball (dazu gab’s zuviele Fehler, Fouls, Elfer und Karten), aber über 90 Minuten höchst unterhaltsam. Großartige Stimmung in der vollen Münchner Arena, vielleicht eins der sehenswertesten Spiele dieser WM-Vorrunde. Begeisterung.

Hymnen

Der siegbringende Elfmeter für die Elfenbeinküste

Arena bei Nacht