Die Top 5 Hasen der Popkultur


(Backcover von Mawils Großem Supa-Hasi-Album, © Mawil)

Ostercontent: Wie man an dem Bild sieht, ist die Popkultur reich, ja überreich an Hasenfiguren. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es ist so. Hier sind meine Lieblingshäschen:

5. Roger Rabbit: Who framed Roger Rabbit? ist nach wie vor ein sehr rasanter, sehr charmanter Filmritt durch die Cartoon-Historie, der sehr viel Spaß macht und bis heute wohl der beste Real-Animiert-Mix, den’s gibt.

4. Bugs Bunny: Den gab’s im Vorabendprogramm, als es noch keine Privatsender gab. Die Anfangs- und Schlussmelodie kann bis heute wohl jeder immer noch auswendig, der in einem ähnlichen Zeitfenster groß wurde wie ich. Das Publikum war heute wieder wundervoll, und traurig klingt der Schlussakkord in Moll…

3. Lapinot: Lewis Trondheims wunderbare Comic-Albenreihe Herrn Hases haarsträubende Abenteuer (Carlsen Verlag, auf französisch bei Dargaud) schickt einen Hasen und seine Kumpels in die verschiedensten Genreumgebungen. Trotz Hasenohren und Vogelschnäbeln sind die Protagonisten eigentlich ganz normale Typen, die nicht so recht erwachsen werden wollen. Eine genialer Slacker-Soap-Opera-Comic.

2. Der Duracell-Hase: Der süße rosa Hase, der länger trommelt als alle anderen, weil er so super Batterien drin hat. Ein Sandkastenfreund von mir, dessen Onkel in einem Elektrogeschäft arbeitete, hatte tatsächlich so ein Teil Zuhause. Hier gibt’s den Original TV-Spot.

1. Der tödliche Killer Rabbit aus Ritter der Kokosnuss:

Und wer ist euer Lieblingskarnickel?

 

Falsche Zeit, falscher Ort

Nehmen wir mal an, man möchte den Silvesterabend ausnahmsweise mal nicht auf einer privaten Party verbringen, sondern mit ein paar Freunden in irgendeinem Etablissement in dieser großen Stadt. Da gilt es dann diverse Läden abzutelefonieren und zu erfragen, ob an Silvester geöffnet sei, was dort geboten werde und wieviel der Spaß denn kosten soll. Irgendwann findet man was brauchbares, einigt sich darauf und trifft sich also am Silvesterabend in der Kneipe XY.

Man selbst war dort vorher noch nie gewesen – da hätte man schon skeptisch sein sollen. Nunja, nichts ist perfekt, und wenn der Rest okay ist, dann kann man es gerne mal hinnehmen, dass

– die Musik in einer Lautstärke dröhnt, die Gespräche nur mit dem direkten Tischnachbarn zulassen
oder
– diese Musik aus den grusligsten Partyhits der 70er, 80er und 90er besteht
oder
– das versprochene „Begrüßungsgetränk“ erst nach mehrfacher Nachfrage auf dem Tisch landet
oder
– der Service unter aller Kanone ist und der Getränkenachschub extrem zu wünschen übrig lässt
oder
– die Menschen an den anderen Tischen trotzdem schon mächtig betrunken sind und sich entsprechend benehmen.

Wenn allerdings nicht einer dieser Punkte, sondern alle auf einmal zutreffen, dann ist man eindeutig zur falschen Zeit am falschen Ort. Vorherrschendes Gefühl: „Ich will hier nicht sein.“ Nächstes Jahr wird wieder privat gefeiert.

Achja: Was war gleich nochmal so toll daran, zum Jahreswechsel tonnenweise Knallkörper und Feuerwerk zu verpulvern und die Stadt erst in ein Schlachtfeld, und dann in eine Müllhalde zu verwandeln?

 

Das gute Gespräch

Was immer man von dieser einmaligen, extrem dicken Tempo-Sondernummer halten mag, sie hat dafür gesorgt, dass ich im Zeitungskiosk mehr als „Einmal die hier, bitte“ und „Danke“ gesagt habe. Die Dame im Kiosk fragte mich nämlich am Freitag morgen, als ich mir das Heft kaufte, mit ehrlichem Interesse und viel Verwunderung, was das denn eigentlich für ein Heft sei. Sie habe davon 10 Stück bestellt und nach ein paar Stunden sei sie schon die Hälfte davon los (wohlgemerkt: wir sprechen nicht vom Bahnhofskiosk, sondern von einer kleinen Zeitschriftenbude mit Lottoschein-Annahme und Kaffeeausschank). Ich versuchte also kurz zu erklären, was ich drüber wusste. Was denn so drinstehe in dem Heft, wollte sie dann noch wissen. Hier musste ich passen, das wusste ich zu dem Zeitpunkt ja auch nicht. Aber sie versprach, später selber mal reinzuschauen. Zum Schluss fragte sie mich dann noch, ob ich ’nen Becher Kaffee wolle.

Wollte ich nicht, aber ich fand das sehr charmant. Kiosk am Ostfriedhof, ich komme wieder.

 

Heute vor fünf Jahren

…bin ich abends ins Kino gegangen, in Lammbock. Alles ganz normal, war ja schon vorher abgemacht mit den Freunden. Man hat ein paar Worte gewechselt über die zwei Türme in New York, aber das war’s dann auch. Erst ein oder zwei Tage später war es soweit, dass das mediale Dauerfeuer es tatsächlich geschafft hatte, mir vorübergehend ein schlechtes Gewissen zu machen: Hätte ich an diesem Abend womöglich gar nicht ins Kino gehen dürfen? Und dann auch noch in einen lustigen Film? War es nicht eine Unverschämtheit, an diesem Tag den normalen Alltag weiterzuleben? Musste ich mich schämen?

Eine Phrase, die damals dauernd fiel, war die vom „Respekt vor den Opfern“. Aus „Respekt vor den Opfern“ wurden Fußballspiele, Konzerte und Parties abgesagt. Da waren die Opfer natürlich sehr erleichtert, dass ZSKA Sofia gegen Schachtjor Donezk erst eine Woche später angepfiffen wurde vor lauter Respekt. Damit man mich nicht falsch versteht: Es gibt manchmal gute Gründe, eine gut geölte Entertainmentmaschine mal für einen Moment auszusetzen. Und der 11. September gehört womöglich dazu. Dass ein Zirkusclown oder ein Opernsänger an einem solchen Tag mal lieber Pause macht, kann ich verstehen. Aber dass das alles dann immer lauthals mit „Respekt vor den Opfern“ begründet wird, das fand ich schon immer verlogen. Genauso verlogen wie das Absetzen bestimmter Songs im Radio nach einer Katastrophe. Meine Güte, wir wissen alle, dass Die perfekte Welle nix mit einem Tsunami zu tun hat. Steinigt mich, aber ich finde es okay, dass Pro Sieben in der Nacht, als Johannes Paul II. starb, wie geplant Die Harder gezeigt hat. War vielleicht nicht grade geschmackvoll, aber seit wann erwarten wir Geschmackvolles von kommerziellen Fernsehsendern? Das tagelange Durchhecheln von Krankenstandsmeldungen und Endlos-Live-Schaltungen nach Rom fand ich jedenfalls auch nicht viel geschmackvoller.