geguckt

Zwanzig Elf

Wie in jedem Jahr: Das Jahr im Rückspiegel per Fragebogen.

Anzahl Kinobesuche 2011: 26 (davon 5 Pressevorführungen). Niedrigste Zahl seit Jahren.

Die drei Filme des Jahres: Perfect Sense, Hanna, Rango (mit True Grit ganz knapp auf Platz vier dahinter). Und das sind alles keine Über-Filme, was wiederum einiges über die Qualität des Filmjahrs 2011 aussagt.

Den hätte ich gerne im Kino gesehen: Rise of the Planet of the Apes und Melancholia. Erst war ich im Urlaub, dann war ich im Stress.

Den hätte ich lieber nicht gesehen: Norwegian Ninja (auf dem Fantasy Filmfest), meine Gurke des Jahres. Hübsche Idee, die für einen knackigen Kurzfilm super gewesen wäre, leider auf unendliche 90 Minuten ausgewalzt.

Quälendste Filmminute: Gab es in Kidnapped (bei den Fantasy Filmfest Nights).

Entzückendste Filmminute: Die Trauerrede in Hesher (auf dem Fantasy Filmfest). Und die Albino-Alligatoren am Ende von Cave of Forgotten Dreams.

Freudigste Entdeckung: Hailee Steinfeld in True Grit.

Abspann des Jahres: Rango

Die DVD-Veröffentlichung des Jahres: Kann ich nix zu sagen. Ich glaube ich hab gar keine gekauft dieses Jahr.

Leider hierzulande ziemlich untergegangen: Arrietty aus dem Studio Ghibli. War, wenn überhaupt, nur in Kindervorstellungen am Nachmittag zu sehen.

Überraschend gut: Super 8. Hätte ich nicht erwartet.

Völlig überflüssig: Deutsche Filme mit männlichen Hauptdarstellern, deren Nachname mit “Schweig” beginnt.

Why the fucking Hype? Ich schreib hier jetzt einfach jedes Jahr “3D” rein, solange, bis das wieder weggeht.

Aus dem Film bin ich gegangen: Schon wieder aus keinem.

Aus dem Film hätte ich gehen sollen: Green Lantern. Der war echt mies.

Hier hätte ich gerne mitgewirkt: Eine große Gaudi war bestimmt der Dreh von Chillerama (lief auf dem Fantasy Filmfest). Zumindest sieht der Film so aus: Ein Geekfilm von Geeks für Geeks.

Knutschen würde ich gerne mit: Isla Fisher als Helen McDougal in Burke & Hare (lief bei den Fantasy Filmfest Nights).

Schönster Filmsatz: “I’m Irish. Racism is part of my culture.” (Brendan Gleeson als Sergeant Gerry Boyle in The Guard)

Liebste Filmkritik: Mal wieder ein “Kermodian Rant”: Mark Kermode über Transformers 3.

Ich fürchte mich vor: Ghost Rider 2.

Ich freue mich auf: The Hobbit, natürlich. Auf Moonrise Kingdom, den neuen Wes Anderson. Aber auch auf Drive, The Artist, The Muppets, The Dark Knight Rises, Iron Sky, The Pirates! Band of Misfits aus den Aardman Studios, Brave von Pixar. Und, falls er tatsächlich noch 2012 kommt, Tarantinos Django Unchained.

Die Fragebögen der Vorjahre: 2010, 2009, 2008, 2007 und 2006.

Hingehen: Comedy Film Festival in Berlin

Ich fand die Idee von Anfang an prima, trommelte ein bisschen für die Crowdfunding-Kampagne, spendete selber einen kleinen Betrag und freute mich darüber, dass die Finanzierung geschafft wurde: Nun findet vom 7. bis 14. Dezember das 1. International Comedy Film Festival (ICoFF) im Berliner Filmtheater am Friedrichshain statt.

Und eigentlich hatte ich fest vor, mir ein Zugticket und eine Dauerkarte zu gönnen und einen filmigen Winter-Kurzurlaub in Berlin einzulegen. Nun, aus Gründen (den gleichen, die auch für die derzeit extrem schlechte Update-Quote auf diesem Blog sorgen) klappt das nicht. Leider.

Stattdessen lege ich hier nochmal allen, die mehr Zeit oder weniger Distanz nach Berlin als ich haben, den Besuch des Festivals ans Herz und wünsche einen Erfolg, der für eine Neuauflage im nächsten Jahr reicht. Dann komme ich halt einfach 2012.

Das “International” im Festivaltitel ist absolut berechtigt, die 14 Langfilme im Programm kommen unter anderem aus Spanien, Argentinien, Japan, China, Rumänien und Polen. Die Titel sagen mir fast alle nichts, bis auf Morgan Spurlocks Product-Placement-Doku The Greatest Movie Ever Sold und den dänischen Animationsfilm Ronal Barbaren, der ab Weihnachten auch regulär in die deutschen Kinos kommt. Deutsche Filme sind (für mich kaum überraschend) nicht dabei, mit Ausnahme von ein paar Beiträgen in den beiden Kurzfilmprogrammen. Wenn man sich die Liste der Filme ansieht, die das Festivalteam seit Sommer 2010 in der monatlichen “Komischen Filmnacht” gezeigt hat, kann man von einem guten, geschmackssicheren Händchen ausgehen. Ich bin daher sicher, dass es auf dem ICoFF zahlreiche sehenswerte Perlen zu entdecken gibt, die man sonst womöglich nirgends zu sehen bekommen wird. Hingehen!

Im Kino: Super 8

Regisseur J.J. Abrams hatte, wie das bei seinen Projekten so üblich ist, im Vorfeld wieder eifrig virales Marketing betrieben und einen mittleren Fanboy-Hype um Super 8 entfacht, ohne dass das Publikum so recht wusste, worum es in dem Film gehen soll. Ich habe mir diese ganzen Teaser gespart und bin praktisch ohne Vorwissen in die Pressevorführung gegangen. Meine einzige Vorab-Information war, dass Super 8 wohl eine Hommage an die großen Hits von Steven Spielberg (der hier als Produzent mitwirkt) aus den 80er Jahren sei.

Und ja, Baby, das ist es auch. Super 8 fühlt sich original an wie eine Mischung aus E.T. und den Goonies: Wir sehen einer Schar von Kindern (Oder sind’s schon Jugendlliche? Naja, so an der Schwelle) zu, wie sie zu Zeugen eines verheerenden Zugunglücks werden. Der Zug transportierte ein streng geheimes Gut, das keinesfalls freigesetzt werden durfte. Wurde es jetzt aber doch, großes Chaos bricht aus, und die Kids sind mit ihrem kindlichen Blick den rationalen Erwachsenen überlegen, in deren Welt niemals sein kann, was nicht darf.

Was Super 8 stellenweise sehr schön hinbekommt (aber nicht über die volle Laufzeit) ist der sprichwörtliche sense of wonder. Jenes Staunen mit offenem Mund, jenes “Whoa!”, das einem jungen Menschen entfährt, wenn er etwas unglaubliches erlebt. Momente, wie sie Spielberg in Filmen wie Close Encounters of the Third Kind, E.T. oder Jurassic Park immer wieder auf die Leinwand zauberte. In diesen Momenten funktioniert der Film wunderbar und man fühlt sich tatsächlich in die Zeit zurückversetzt, in der der Film spielt (ein 1979, das aber schon sehr Eighties-mäßig aussieht).

Abrams würzt Super 8 durch das Retro-Setting auch mit einer Menge Nostalgie und spricht damit besonders erwachsene Zuschauer an. Diese dürfen sich auch an einer Film-im-Film-Metaebene erfreuen, denn die kleinen Racker sind gerade dabei, einen Film zu drehen, natürlich – tataa – auf Super 8. Ein schönes Handlungselement, das stark an Son of Rambow erinnert, jedoch dessen Charme leider nie ganz erreicht.

Der Teil des Publikums, der gar nicht mehr weiß, was Super 8 eigentlich war, wird mit diesen nostalgischen Elementen wenig anfangen können, aber sie – die Teens und Pre-Teens von heute – sind die eigentliche Zielgruppe. Am meisten Spaß hat man mit Super 8, wenn man den Logiksensor ausschaltet und versucht, sich von den Whoa!-Momenten mitreißen zu lassen. Und das gelingt vermutlich dann am besten, wenn man die offensichtlichen Vorbilder des Films noch nicht x-mal gesehen hat.

Super 8 ist ein klasse Film für 12-jährige und alle, die 130 Minuten lang 12 sein können. Er hat sehr satte, toll getrickste Actionszenen, die ohne überhektisches Schnittgewitter auskommen, sympathische junge Helden und, wie gesagt, ein paar gelungene sense of wonder-Momente. Er hat aber auch einiges nicht: zum Beispiel eine durchhängerfreie Dramaturgie, eine erwachsene Figur, an die man sich über den Kinobesuch hinaus erinnern könnte und einen Plot, der in Sachen innerer Logik einer genaueren Betrachtung standhalten könnte.

Aber sei’s drum: Wir haben hier einen gut konsumierbaren Blockbusterfilm, der weder Sequel noch Prequel noch Comicverfilmung ist, kein 3D benötigt und komplett auf bekannte Hollywoodstars verzichtet. Das ist im Jahr 2011 schon eine ganze Menge, weshalb ich dem Film auch Erfolg sehr gönnen würde. Dass er mich nicht hundertprozentig überzeugt hat, kann ich ihm verzeihen. Denn mein innerer 12-jähriger, der fand’s grandios.

Im Kino: Thor

Meine Besprechung zu Kenneth Branaghs Thor steht bei Comicgate und beginnt so:

Marvel läutet das Superhelden-Kinojahr 2011 ein und schickt jenen Helden auf die Leinwand, der von all den “großen” Superhelden-Figuren des Marvel-Universums vielleicht am schwierigsten in einen Film zu packen ist. Das Konzept von Stan Lee und Jack Kirby aus den Sechziger Jahren, nordische Götter in amerikanische Großstädte zu schicken und sie dort gegen allerlei Bösewichte antreten zu lassen, die Verquickung von alter Mythologie und Superheldenaction mag als Comic prächtig funktionieren, in realistischen Filmbildern könnte die Mischung jedoch schnell albern wirken. Regisseur Kenneth Branagh gelingt es, diese Peinlichkeits-Klippe zu umschiffen. Trotzdem zerfällt sein Film in zwei Teile, die sich seltsam fremd bleiben und kaum zusammenfinden.
Hier weiterlesen …

Zwei Zusatzgedanken hätte ich noch, die mir erst nach Abgabe des Textes eingefallen sind:

  • Gute Superheldenfilme brauchen starke Schurken. Da braucht man gar nicht erst in Richtung Dark Knight zu schielen – ohne einen guten (und gut gespielten) Antagonisten ist das alles nix. In Thor gibt es zwar ein paar Gegner, aber keinen echten Gegenspieler. Am ehesten ist dies Loki, der mit seinen Intrigen jedoch nur indirekt gegen den Helden agiert. Er könnte der Fiesemöpp des Films sein, aber Tom Hiddlestons Spiel enttäuscht hier leider auf ganzer Linie. Loki bleibt so blass wie nur irgendwas.
  • Auch wenn ich den Film nur halb überzeugend und unterm Strich eher enttäuschend fand – eines schafft er perfekt: Wenn es im Abspann heißt “Thor will return in The Avengers“, dann will man genau das sehen. Chris Hemsworth ist eine prima Besetzung und die Aussicht, ihn in Interaktion mit Iron Man, Captain America und den anderen zu sehen, gefällt mir. Als Appetizer auf Marvels große Film-Franchise-Zusammenführung 2012 funktioniert Thor also sehr gut. Und hat damit vielleicht seinen Hauptzweck schon erfüllt.

Auf DVD: The Disappearance of Alice Creed (Spurlos, Die Entführung der Alice Creed)

Der Debütfilm des britischen Regisseurs J Blakeson, von dem auch das Drehbuch stammt, hat einen schon in den ersten Minuten am Wickel. Knapp 10 Minuten lang sehen wir – ohne einen einzigen Dialogsatz –, wie die beiden Kidnapper Vic und Danny eine Entführung vorbereiten und durchführen: zuerst wird eine leere Wohnung akribisch präpariert (diese Sequenz könnte auch als Hornbach-Werbespot der abgründigen Sorte durchgehen), dann wird die – offensichtlich genau durchgeplante – Entführung einer jungen Frau durchgezogen. All das wird sehr tight und straff erzählt, so dass sich beim Zuschauer schon vor dem ersten gesprochenen Satz beinah atemlose Spannung einstellt.

Im Folgenden entspinnt sich dann ein Film, der immer wieder seinen Tonfall und seine Richtung ändert. Was wie ein extrem fieser Terrorfilm beginnt, mutiert zum Gefangenendrama, schnuppert zwischendurch am Genre Gangsterkomödie, um dann doch wieder zum beinharten Entführungsthriller zurückzukehren. Der Film kommt dabei mit nur drei Schauspielern aus: Eddie Marsan und Martin Compston als Entführer-Duo und Gemma Arterton als ihr Opfer (die alle drei sehr überzeugende Leistungen abliefern). Die Besonderheit des Films besteht zum einen darin, dass außer diesen drei Figuren keine einzige weitere Person auftritt und 80% des Films innerhalb einer kleinen Wohnung spielen, zum anderen in der immer wieder wechselnden Figurenkonstellation: Wie die drei Personen zueinander stehen und sich verhalten, ändert sich ständig, was den Film angenehm unvorhersehbar macht und man sich bis zum Schluss nie sicher sein kann, welche Wendung das Geschehen als nächstes nimmt.

Mehr sollte man über den Inhalt nicht erzählen – je weniger man weiß, umso besser. Der Trailer gibt da für meinen Geschmack schon viel zu viel Informationen preis. Jedenfalls stellt Blakeson ganz klar die handelnden Personen ins Zentrum, und nicht so sehr Gewalt und Action, Verbrechen und Krimihandlung. Nach und nach erfahren wir Hintergründe, Vorgeschichte und Motivation der Figuren, und zwar immer nur so viel, wie gerade nötig ist.

Die ständigen Finten und das Hakenschlagen des Drehbuchs gehen ein wenig auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Man muss als Zuschauer schon etwas guten Willen mitbringen, um J Blakeson seine überraschenden Twists abzukaufen. Wer aber zur “suspension of disbelief” bereit ist, wird mit einem sehr spannenden, äußerst effektiv inszenierten Thriller belohnt. The Disappearance of Alice Creed lief letzten Sommer auf dem Fantasy Filmfest und ist nun in Deutschland, ergänzt um den nicht so tollen Titel Spurlos, bei Ascot Elite auf DVD und BluRay erhältllich.

Ob der Film bei einer zweiten oder dritten Sichtung, wenn man die Twists schon kennt, immer noch so überzeugen kann, würde ich eher bezweifeln. Beim ersten Mal aber ist Alice Creed ein wirklich sehenswerter, sauspannender, fieser kleiner Brit-Thriller, der außerdem mit einem schlüssigen und zufriedenstellenden Ende zu überzeugen weiß.

Die miesesten deutschen Verleihtitel 2010

Alberne, unpassende und krampfige deutsche Filmtitel sind ein unausrottbares Übel der hiesigen Filmlandschaft. Das Phänomen exisitiert schon seit Jahrzehnten und ist vielleicht sogar etwas weniger schlimm geworden, seit man im Zweifelsfall gerne mal den englischen Titel einfach stehen lässt. Trotzdem gibt es immer noch genügend Beispiele für dumme deutsche Titel. Ich habe im vergangenen Jahr mal ein bisschen mitgesammelt. Hier meine Top Ten:

10. Der Kautions-Cop (The Bounty Hunter)

Abteilung bescheuerte Wort-Neuschöpfungen. “Kautions-Cop” ist ein genauso vielsagendes oder nichtssagendes, passendes oder unpassendes Wort wie die direkte Übersetzung “Kopfgeldjäger”. Und die deutsche Sprache ist wieder um einen Blödsinnsbegriff reicher.

9. Männertrip (Get Him to the Greek)

Kein leicht zu übersetzender Titel, klar. Man könnte ja versuchen, an den Film anzuknüpfen, aus dem Get Him to the Greek geboren wurde: Forgetting Sarah Marshall. Aber halt, der hieß bei uns Nie wieder Sex mit der Ex. Der Beweis dafür, dass eine Katastrophe immer gleich die nächste gebiert.

8. Verrückt nach Dir (Going the Distance)

Im Original steckt sehr schön die Tatsache drin, dass es hier um eine Fernbeziehung geht. Der deutsche Titel könnte auf jeder, wirklich jeder beliebigen Rom-Com draufstehen, ist lieblos, fantasielos und furchtbar langweilig.

7. Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft (Anvil! The Story of Anvil)

Okay, das klingt auf den ersten Blick nicht wirklich schlimm. Aber auch hier gilt: “Die Geschichte einer Freundschaft” klingt viel zu beliebig. Könnte auch ein Film über eine alte Dame und ihren Rauhhaardackel sein, oder eine Doku über Wladimir Putin und Michail Chodorkowskij.

6. Beilight – Biss zum Abendbrot (Vampires Suck)

Es gibt Leute, die sagen, der deutsche Titel sei an dem Film noch das Witzigste. Mag sein. Trotzdem ist der deutsche Kalauer so naheliegend und flach, dass er vermutlich schon auf jeder Studentenparty und in jeder Gagautoren-Konferenz des Landes gebracht wurde. Und zwar mindestens ein Jahr vor dem Filmstart.

5. Die etwas anderen Cops (The Other Guys)

“Die etwas anderen Cops”. Kann man machen. Klingt nicht scheiße. Versenkt aber leider den Witz des Originaltitels komplett. Um den zu verstehen, muss man noch nichtmal den Film sehen, es reichen schon die ersten Sekunden des Trailers: “In the toughtest city of the world nobody fights crime like these guys [nämlich The Rock und Samuel L. Jackson] … And then, there’s the other guys.” Die eben nicht “etwas anders”, also irgendwie besonders oder speziell sind, sondern langweilige Sesselfurzer.

4. Hot Tub – Der Whirlpool … ist ‘ne verdammte Zeitmaschine! (Hot Tub Time Machine)

Dem könnte man zugute halten, dass es hier ja um eine Zeitreise in die 80er Jahre geht, und der deutsche Titel tatsächlich nach jenen unseligen Zeiten klingt, in denen solche Filmnamen an der Tagesordnung waren. Trotzdem: Das ist ein beschissen blöder Titel! Und dann auch noch die Verzögerungspünktchen. Was soll das?

3. Lügen macht erfinderisch (The Invention of Lying)

Fail, fail, fail. Hallo, es geht darum, dass einer das Lügen erfindet! Nicht, dass er durchs Lügen erfinderisch wird. Andersrum wird ein Schuh draus! Setzen, Sechs.

2. Rapunzel – Neu verföhnt (Tangled)

Verföhnt – verfilmt – Haare – hihi, Riesen-Wortspiel, nicht wahr? Nein, nicht wahr. War lange mein Kandidat für die Nummer 1, aber dann kam kurz vor Jahresschluss noch diese hübsche Pretiose:

1. Immer Drama um Tamara (Tamara Drewe)

Das ist auf so vielen Ebenen falsch. Es widerspricht der Filmhandlung, klingt unpassenderweise nach Klamotte, und dann reimt es sich noch nicht einmal! Mein Kopf will gar nicht mehr aufhören mit Schütteln …

Runners-Up:
Despicable Me (Ich – Einfach unverbesserlich)
Auftrag Rache (Edge of Darkness)
Eine zauberhafte Nanny – Knall auf Fall in ein neues Abenteuer (Nanny McPhee and the Big Bang)

Weitere Vorschläge? Verteidigungsreden? Ideen für Alternativen? Immer her damit, die Kommentarsektion ist geöffnet.
(Die Bilder kommen übrigens alle von der wunderbaren Site movieposterdb.com)

Im TV: Kung Fu Panda

Da am Ersten Weihnachtsfeiertag Zeit da, aber keinerlei gespeicherte Medien vor Ort waren, waren wir ungewohnterweise vom aktuellen TV-Programm abhängig. Dieses bot erschreckend wenig akzeptable Angebote, aber mit Kung Fu Panda auf Sat.1 immerhin einen Animationsfilm, der recht unterhaltsam zu sein versprach.

Der Trickfilm aus dem Hause Dreamworks war tatsächlich eine recht spaßige Angelegenheit. Zwar ist die Story um den tollpatschigen Pandabären Po, der durch einen Zufall zum “Drachenkrieger” erklärt wird und vom Loser zum Kung-Fu-Helden mutieren muss, ziemlich vorhersehbar und unoriginell, sie wird aber sehr launig erzählt, bietet reichlich Gags (sowohl visueller als auch verbaler Art) und gefällt durch ihr charmantes Personal. Und natürlich funktioniert Kung Fu Panda auch als nette Parodie auf das Genre der Kampfkunstfilme.

Enttäuscht hat mich das Nebenfiguren-Quintett der “Furious Five”, bei denen mir schon das Charakterdesign nicht gut gefällt, und die auch sonst erschreckend blass bleiben, obwohl man mit ihnen einiges hätte anstellen können und obwohl sie im Original mit höchst prominenten Stimmen (u.a. Angelina Jolie, Jackie Chan und Seth Rogen) besetzt wurden. Umso gelungener dagegen gerieten die Figur des Ausbilders Shifoo und der weisen Schildkröte Yoda Oogway.

Kung Fu Panda lässt sich gut weggucken und ist toll gemacht, krankt aber an seiner allzu formelhaften Geschichte und den nicht besonders interessanten Figuren, weshalb der der Pixar-Referenzklasse nicht im geringsten das Wasser reichen kann. Hier sollte man im zweiten Teil, der im Sommer 2011 ins Kino kommt, dringend zulegen.

Die wunderbare Schlusstitelsequenz des Films wurde im Doofensender Sat.1 natürlich nicht gezeigt, aber dafür haben wir ja das Internet. Gezeigt hat Sat.1 dafür den Kurzfilm Das Geheimnis der Furiosen Fünf, der als Bonus für den DVD-Release des Films produziert wurde. Hier ist nur die Rahmenhandlung in der computergenerierten 3D-Optik des Hauptfilms gehalten – die einzelnen Episoden, die die Herkunft der fünf großen Kung-Fu-Helden erzählen, sind in einem sehr hübschen 2D-Stil animiert, der mir viel besser gefällt als die um möglichst großen Fotorealismus bemühte CGI-Grafik. Das hier hat mehr Seele und deutlich mehr visuelle Eigenständigkeit – das gleiche gilt für die kurze Traumsequenz zu Beginn des Hauptfilms, die im gleichen Stil gehalten ist.

Weihnachtsfilm-Blogathon 2010: A Charlie Brown Christmas (Die Peanuts: Fröhliche Weihnachten)

Ein Beitrag zum Weihnachtsfilm-Blogathon 2010, den Rochus von buttkickingbabes.de initiiert hat.

A Charlie Brown Christmas ist die allererste Trickfilmumsetzung des Peanuts-Zeitungsstrips von Charles M. Schulz, lief in den USA erstmals 1965 zur Primetime und wird seitdem jedes Jahr zu Weihnachten gesendet (im deutschen Fernsehen dieses Jahr leider gar nicht).

Zu Beginn des 25-minütigen Films beschwert sich Charlie Brown, dass alle an Weihnachten glücklich und fröhlich seien, er aber nicht. Als er seinen Kummer bei Lucys psychologischer Sprechstunde anspricht, hat diese eine Idee: Charlie Brown soll Regie beim Krippenspiel führen, das gerade geprobt wird. Außerdem soll er einen Christbaum für die Aufführung besorgen. Als das alles nicht so recht hinhaut, hält Linus eine flammende Rede, in der er den wahren Geist von Weihnachten beschwört und erklärt, worum es eigentlich geht: er zitiert die Weihnachtspassage aus dem Lukas-Evangelium.

Die Handlung ist unspektakulär und die Animation eher unbeholfen, aber diese Peanuts-Weihnachtsgeschichte ist trotzdem (oder besser: auch deshalb) wahnsinnig charmant. Kleine Zuschauer werden sich vor allem über Snoopy freuen, der für zahlreiche Slapstick-Einlagen zuständig ist. Die Erwachsenen wärmen ihr Herz an den Vorzeigelosern Charlie Brown und Linus, die hier aufs Schönste beweisen, dass große Komik ohne Tragik kaum denkbar ist. Mein Lieblingszitat kommt von Charlie Brown, als er in seinen leeren Briefkasten schaut, in dem keine Weihnachtspost liegt: “I know nobody likes me, why do we have to have a holiday season to emphasize it?”

Ein zusätzliches Plus ist der jazzige Soundtrack von Vince Guaraldi, der den Film komplett kitschfrei vertont und ihn damit meilenweit von so ziemlich allen Weihnachts- und Kindersendungen abhebt. Kein Wunder, dass sich die Leute das Jahr für Jahr aufs Neue ansehen.

Leicht paradox ist die antikommerzielle Botschaft des Films, die sich deutlich gegen die Kommerzialisierung und Säkularisierung von Weihnachten richtet, schließlich ist die Sendung selbst ein Teil dieses Trends – obendrein wurde sie von Coca-Cola gesponsert. Aber Schulz und die Peanuts kriegen es natürlich trotzdem hin, dass man ihnen ihr Anliegen mühelos abnimmt.