gehört

Im Kino: Once

Zum Inhalt muss man hier gar nicht viel schreiben, vermutlich passte auch das Drehbuch auf wenige Seiten. Ein Mann und eine Frau in Dublin. Er arbeitet in der Staubsaugerwerkstatt seines Vaters und spielt Gitarre in der Fußgängerzone. Sie ist aus Tschechien nach Irland gekommen, lebt hier mit Mutter und Tochter und verkauft Rosen in der Fußgängerzone. Außerdem kann sie Klavier spielen.

Was die beiden zusammenbringt, ist die Musik. Und die ist auch die eigentliche Hauptdarstellerin des Films. Once ist Musikfilm im besten Sinne, kein Musical, sondern ein Film mit Musik, über Musik, aus Musik. Once erzählt davon, wie Musik Menschen berühren und verbinden kann. Kein Zufall, dass die beiden Hauptdarsteller, Glen Hansard und Markéta Irglová, im richtigen Leben Musiker sind, keine Schauspieler. Die Songs im Film stammen von den beiden, die auch schon vor dem Film gemeinsam Musik gemacht haben (und obendrein im echten Leben ein Paar sind). Ihre Lieder sind typische Singer/Songwriter-Nummern, getragen von der Gitarre, manchmal fast ein bisschen zu “schön”, aber insgesamt wirklich wunderbar. Manche erinnern dank Hansards Stimme an Cat Stevens. Fast jeder Song wird vollständig ausgespielt, dient nicht nur zur Untermalung und Begleitung von Szenen, sondern steht ganz klar im Vordergrund.

Bei mir hat schon die Musik für Pipi in den Augen gereicht, für andere wird es eher die Lovestory sein, die sie zu Tränen rührt. Dabei ist diese Romanze völlig frei von Hollywood-Kitsch, sondern sehr erdig und ehrlich. Der Film hat eine Unmittelbarkeit, die den Zuseher spüren lässt, dass da eine besondere Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern besteht. Ihre Rollen im Film tragen übrigens keine Namen, im Abspann heißen sie nur “Guy” und “Girl”. Überhaupt ist alles an Once betont einfach und reduziert. Der Film wurde mit extrem kleinem Budget gedreht, seine Ästhetik erinnert dank Handkamera und Verzicht auf künstliche Lichtquellen an die Ästhetik der Dogma-Filme.

Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich ist der Film ein Plädoyer für Einfachheit und Beschränkung. Die Figuren leben in sehr bescheidenen Verhältnissen, sie brauchen nicht viel, und mit Fantasie und einer Portion Glück (Stichwort Kleinkredit) kommen sie über die Runden. Es macht nichts, wenn die Gitarre vom vielen Klampfen schon löchrig gescheuert ist, es macht nichts, wenn das Klavier, auf dem man übt, nicht das eigene ist. Schöne Message, schöne Musik, schöner Film.

Kuttner und Kuttner, ab morgen bei Radio Eins

Es ist ein irgendwie logischer Schluss: Jürgen Kuttner, Meister des philosophischen Dauerlaberns, Welterklärer und seit Jahren bei Radio Fritz auf Sendung und seine Tochter Sarah, die, wie sich herausgestellt hat, fürs Fernsehen zu gut ist, machen gemeinsam eine Radiosendung. Die heißt folgerichtig Kuttner & Kuttner, läuft ab morgen Sonntagabends beim RBB-Sender Radio Eins, der für ehrliche Gebührenzahler außerhalb Berlin-Brandenburgs auch einen Stream bereithält. Insgeheim hoffe ich ja darauf, dass die Sendung anschließend als Podcast bereitgestellt wird.

Dittsche in echt

Die Leute vom Podcast Ohrenterror haben an einem Berliner Kiosk Rolf kennengelernt. Rolf kann einiges erzählen, und wer Dittsche kennt, muss unweigerlich an Olli Dittrichs Kunstfigur denken, wenn er das hier hört:

Rolf I
Rolf II

(via Trackback)

Try this at home

Sehr geil: beim Bad-Putzen Raining Blood von Slayer hören.

Am Tag, an dem ich Weltmeister wurde

Turn it up!

Die Aeronauten – Weltmeister

Neil Young: Living with War

Neil Young, die alte Hütte, packt wieder die Strom-Gitarren aus. Sein neues Album Living With War kann man komplett per Stream hören, und es ist genau die Sorte Neil-Young-Musik, die ich am liebsten mag. Nach den eher ruhigen bis winselnden letzten Platten mit viel Folk und Country wird hier wieder gerockt. Wer Mirror Ball (feat. Pearl Jam) mochte, oder das famose Feedback-Gewitter von Ragged Glory, wird hier gut bedient. Pretty old-school natürlich, das ganze. Bitte keine Innovationen erwarten. Bei Track 4 kann man sogar problemlos “My My Hey Hey” drüber singen.

Die Promo für das Album läuft komplett über die Schiene “Politisches Protest-Album”. Mit Anti-Kriegs- und Anti-Bush-Parolen ist Neil Young natürlich nicht alleine, aber nachdem er nach 9/11 sich eher auf die andere Seite gestellt hatte, ist das durchaus bemerkenswert. “Let’s Impeach The President” ist ein richtig schöner, mitsingbarer Protestsong mit simpler Melodie und simpler Botschaft. Sowas musste mal wieder sein. Trotzdem haut Young volle Pulle auf die Patriotistenpauke (nach dem Motto: “Ich liebe Amerika und muss deshalb gegen Bush sein”) und lässt als letzten Track einen Gospelchor “America, the Beautiful” singen. Das hätt’s dann doch nicht gebraucht, aber ansonsten: gutes Album, Mr. Young. Ich hör mir das jetzt gleich nochmal an. Und dreh noch ein bissl lauter auf.

Das Gerücht, dass es das komplette Album für lau zum Dowload geben würde, stimmt wohl leider nicht. Schade.

Noch ein paar Links:
Das Blog zum Album (der Meister bloggt freilich nicht selbst)
Videos: CNN-Interview zu “Let’s Impeach the President”,
Trailer zu Jim Jarmuschs Year of the Horse,
Mehrere Clips aus Rust Never Sleeps
MP3: Neil Young & Crazy Horse: Love to Burn (aus Ragged Glory)

Zündfunk: Zwischenstand

Für Nicht-Bayern wahrscheinlich ziemlich irrelevant, der Rest hat’s wahrscheinlich schon mitbekommen: Der Bayerische Rundfunk plant ein Jugendradio, das voraussichtlich nur digital senden wird, und vermutlich wird dafür der Zündfunk (täglich 90 Minuten im Kultursender B2) geopfert. Zusammenfassung hier.

So. Seit gestern gibt es also die erste offizielle Mitteilung des BR, was sie in Zukunft mit ihrem so called Jugendradio vorhaben. Klingt beim groben Drüberlesen alles ganz nett, man kann es aber auch ganz anders lesen, so wie Don Alphonso.

Wie das Endprodukt, der neue Jugendsender, schließlich aussehen wird, ist noch sehr ungewiss. Ob und wie irgendwas Zündfunk-ähnliches auf UKW bestehen bleibt, ist ebenso offen. Ich warte mal ab und melde mich wieder, wenn der Sender dann tatsächlich sendet.

Das alles sollte mich gar nicht interessieren, schließlich bin ich knapp über 30 und damit jenseits der Zielgruppe. Fakt ist aber: Ich mag den Zündfunk, höre die Sendung gerne und finde auch Aktionen wie die Bavarian Open klasse. Allerdings hab ich sehr lange dahin gebraucht. Als Jugendlicher war’s mir zu blöd, extra nachmittags B2 zu suchen, auch war mir damals die Musik oft zu seltsam. Mit Anfang 20 lebte ich nicht im Sendegebiet, später dann doch wieder, aber da war ich zur Sendezeit nicht zuhause. Seit der Verlegung auf 19 Uhr passt es: ich kann den Zündfunk hören und würde das gerne weiter tun. Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Ich hab auch gerne jetzt gelesen und Viva Zwei geschaut. Auch damals gab es Internet-Aktionen gegen die Einstellung — gebracht haben sie nichts. Die Aktion zuendfunk-retten.de ist ehrenwert — sie hat eindeutig dafür gesorgt, dem Thema Öffentlichkeit zu verschaffen — aber ihr Ziel wird sie vermutlich auch nicht erreichen.

Und jetzt? Ich hör erst mal weiterhin Zündfunk, solang es ihn gibt. Der Banner-Link zur Rettungsaktion kommt erst mal wieder weg. Die Aktion ist mir zwar sympathisch, aber in ihrer konservativ-bewahrenden Haltung auch ein bisschen unheimlich. Dann warten wir mal ab, was da im Funkhaus ausgebrütet wird. Wenn da wirklich ein 24-Stunden-Zündfunk oder ein bayerisches FM4 rauskommt: super! Wenn nicht: jammerschade, aber auch nicht schlimm. Gute Texte, gute Musik, gute (Sub-)Kultur wird’s weiterhin geben, da ist mir nicht Bange. Das ist wie Ukraut, das wuchert immer weiter. Gottseidank.

Liebe Radiomacher von M94.5,

eigentlich ist es eine gute Idee: um die großartige Schauspielerleistung von Philip Seymour Hoffman in Capote zu illustrieren, wenn man keine Bilder zeigen kann, könnte man dem Hörer ja seine “normale” und seine “Filmstimme” präsentieren und ihn vergleichen lassen. Aber wäre es da nicht sinnvoller gewesen, man hätte einen Ausschnitt aus der Originalfassung des Films genommen und nicht aus der deutschen Synchronfassung?