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Linkomat: WM Spezial

Es gibt gewiss viele Gründe, die Fußball-WM abzulehnen: Das Geschäftsgebaren der FIFA, die gesellschaftlich-politischen Umstände in Brasilien, der kommerzielle Hype, der Schland-Patriotismus, die Fanmeilen, Steffen Simon und Béla Réthy. Aber. Die Idee, auf zeitlich und räumlich begrenztem Raum ein Länderturnier auszutragen, auf das die ganze Welt gleichzeitig schaut, die hat einen schwer kaputt zu kriegenden Reiz. Und darum freue ich mich trotz allem auf diese WM. Hier ein paar Links für die kommenden Wochen:

  • St. Burnster – Blog von Berni Mayer » » Brennerpass WM-Studio 2014 (0)
    Die launigen Bundesliga-Spieltagszusammenfassungen von Berni Mayer gehören schon lange zu meinen Lieblingsfußballlektüren. Da freut mich natürlich sehr, dass er die WM auf ähnliche Weise begleiten wird.
  • Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch | Abseitige Gedanken zur Fußball-WM
    Poppte ganz unverhofft mit einem neuen Beitrag in meinem RSS-Reader auf, nachdem dort seit Ende der letzten Frauen-WM Schweigen geherrscht hatte. Jetzt schreibt Herr Inishmore dort wieder und das wird vermutlich gut.
  • Fokus Fussball
    Ist ohnehin ganzjährig schwer zu empfehlen. Schwerpunkt des Blogs ist die tägliche Link- und Presseschau, die natürlich auch während der WM gepflegt wird.
  • WM 2014 Spielplan | REKORD | Grafikdesign | Hamburg
    Der superpraktische und ultraportable WM-2014-Spielplan zum Ausdrucken und überallhin Mitnehmen und Ausfüllen.
  • The Guardian Football Weekly podcast | Football | The Guardian
    DER Podcast zur WM: In täglichen Ausgaben wird das Team von “Guardian Football Weekly” wieder mit der bewährten Mischung aus fachlicher Analyse, ironischer Distanz und gediegener Britishness glänzen. Hab ich schon 2010 und 2012 gerne gehört, werde es auch diesmal tun.
  • Der (fast tägliche) Fehlpass WM-Podcast | fehlpass.com
    Yalcin macht seit Jahren einen lauschenswerten Fußball-Plauder-Podcast, in dem meist der FC Bayern im Mittelpunkt steht. Zur WM will er täglich eine kurze Sonderausgabe produzieren. Ich bin sicher, das wird sehr gut.
  • Die Spielverlagerung WM-Vorschau | Spielverlagerung.de
    Bei Spielverlagerung bloggen die Taktiknerds mit sehr viel Fachwissen und Tiefgang. Zur WM haben sie ein E-Book gemacht, in dem sie allen 32 Teams taktisch auf den Grund gehen. Von allen WM-Sonderheften auf dem Markt sicher das fundierteste. Ich wünschte (fast), ich hätte jetzt einen Teilriss des Syndesmosebands oder ähnliches, dann hätte ich auch Zeit, diese langen, nicht ganz trivialen Texte wirklich zu lesen. So muss ich es bei einer Empfehlung belassen.
  • FourFourTwo Guide to the World Cup
    Auch das britische Hochglanz-Fußball-Magazin FourFourTwo stellt alle Teilnehmer vor. Wesentlich weniger Tiefgang, dafür fein fürs Web aufgemacht mit vielen Bildern, Grafiken und leicht verdaulichen Texten. Kommt auch gut auf dem Tablet.
  • My Travels With Brazil’s World Cup Curse – NYTimes.com
    Sehr schön gemachte Foto- und Illustrationsreportage von Christoph Niemann für das Magazin der New York Times. Über das Trauma von Maracanã 1950, Torhüter Moacyr Barbosa und die Architektur von Oscar Niemeyer.

Media Monday Spezial

7. Mein zuletzt gesehener Film ist FC Bayern München – Chelsea FC und der war unvergesslich, aufregend und niederschmetternd, weil er direkt mit einem Gänsehautmoment begann, danach unglaublich spannend und unterhaltsam war, kurz vor Ende nochmal einen sehr fiesen Twist nahm und auf einmal viel länger dauerte als angekündigt. Der Showdown war dann nicht weniger dramatisch und extrem emotional. Aber dann gewinnen am Ende die Bösen – einfach so! Geiler Film, saublöder Schluss. Bin beim Abspann nicht sitzen geblieben.

Gestern beim Nachhausekommen

Ich hole die neue 11 Freunde-Ausgabe aus dem Briefkasten. Weil ein Kalender beiliegt, ist das Heft in eine Tüte verpackt, vom Cover ist nur das obere Drittel zu sehen. Hinter dem Kalender lugt Günter Netzers Kopf hervor. Sagt die Abspannsitzenbleiberin zu mir: “Oooch, schon wieder der Netzer. War der wirklich so gut?”
Ich ziehe das Heft aus der Verpackung, lese die Schlagzeile. Anschließend großes Gelächter.

 

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In Lell we trust. Ein FC-Bayern-Saisonrückblick mit Agitpop und Abspann

Björn vom Agitpopblog ist genau wie ich FC-Bayern-Anhänger. Deshalb haben wir uns diese Woche mal über unseren Verein und seine merkwürdige Saison 2008/09 unterhalten. Ein echtes Streitgespräch ist es leider nicht geworden, dazu waren wir uns dann doch viel zu einig. Aber vielleicht möchte ja jemand in den Kommentaren für Kontroversen sorgen. Das Chat-Protokoll gibt es sowohl hier als auch bei Agitpop.

Abspannsitzenbleiber: Ich gehöre ja zu denen, die den Klinsmann von Anfang an ganz gut fanden.

Agitpop: Ich stand dem Experiment Klinsmann offen gegenüber, fand es gut, dass der FCB etwas Neues wagen wollte, habe dem Braten aber nicht so Recht getraut aus drei Gründen: Klinsmanns Abgang als Bayern-Spieler, die negative Grundstimmung der Fans wegen der Kahn-tastrophe 2006 und die Aussage, dass man nicht sofort Meister werden muss. Der Letzte der das beim FCB als Trainer gesagt hat war Erich Ribbeck.

Abspannsitzenbleiber: Ich glaube jedenfalls nicht, dass Klinsmann als Trainer total gescheitert ist. Er und der FCB sind aneinander gescheitert. Das passte einfach nicht zusammen.

Agitpop: Damit ist er aber als Trainer des FCB dann doch total gescheitert. Und scheinbar schon an Tag 1, wenn er wirklich neue Spieler wollte und sich damit nicht dem Präsidium gegenüber durchsetzen konnte.

Die Frage ist, ob es überhaupt einen Trainer gibt, der mit einem eigenen Konzept beim FC Bayern klar kommen könnte.

Abspannsitzenbleiber: Jedenfalls nicht, solange Hoeneß und Rummenigge das sagen haben. Das sieht man ja im Moment auch schon wieder sehr schön. Da wird fleißig eingekauft, und der Trainer wird, wie es scheint, erst später dazugeholt.

Agitpop: Ich bin inzwischen nicht sicher, ob Hoeneß (der den FC Bayern ja erst zu dem gemacht hat, was er heute ist) nicht derzeit auf dem Wege ist auch Totengräber des FCB zu werden.

Abspannsitzenbleiber: Ja, man fragt sich schon, ob die Bayern-Bosse auch mal überlegt haben, ob sie nicht vielleicht auch was aus der Klinsmann-Kiste lernen sollten.

Agitpop: Gut dass wir nicht Meister geworden sind, sonst hätte am Ende dieser “Wieso? Reicht doch.“-Effekt eingesetzt. Es war kriminell fahrlässig sich vor der Saison nicht sinnvoll zu verstärken, gerade da in der letzten Saison schon die ein oder andere Schwachstelle offenbar wurde.

Abspannsitzenbleiber: Sich nicht zu verstärken, wäre ja gerade noch gegangen, aber dann auch noch in der laufenden Saison zwei Spieler abzugeben…

Der Verkauf von Jansen war vielleicht der größte Fehler der Saison.

Agitpop: Einer der größten Fehler. Der andere Fehler war es, auf den Trichter zu kommen, dass man mit nur drei Stürmern auf drei Hochzeiten tanzen könnte. Hätte man einen vernünftigen Ersatzmann gehabt, dann hätte Toni diese Saison deutlich weniger Spielminuten bekommen.

Abspannsitzenbleiber: Die Frage beim Sturm ist: Wie stellt man das richtig an? Du brauchst vier gute Leute, aber von denen musst du zwei auf die Bank setzen.

Agitpop: Vier gute Leute wäre toll, aber insgesamt vier Leute hätten mir ja in dieser Saison erstmal gereicht.

Du brauchst ja keine vier Topstars. Nimm zwei Spitzenstürmer und zwei Stürmer, die sich mit einer Rolle auf der Bank zufrieden geben, aber heiß darauf sind, es Allen zu beweisen. Wichtig ist, dass jemand da ist, auf den du setzen kannst wenn sich jemand verletzt. Oder wie Podolski oder Toni die ganze Saison hinter der Form herläuft.

Abspannsitzenbleiber: Bei Podolski hatten halt alle die Hoffnung, dass Klinsmann ihn “heilen” kann. War wohl nix. Aber da haben wir schon das Grundproblem: Drei Spieler, die alle einen Stammplatz wollen. Und jedes Bankdrücken von Nationalstürmer P. ist eine BILD-Schlagzeile wert.

Wenn der Sturm 2009/10 tatsächlich Toni-Klose-Gomez-Olic heißt, dann wird es dieses Problem genauso wieder geben.

Agitpop: Da musst du als Trainer und Verein aber die Eier haben um das durchzuziehen. Wenn ein Spieler seine Leistung nicht bringt, gehört er auf die Bank. Unabhängig vom Namen. Und dann brauchst du eben jemanden, der die Lücke auf dem Platz füllen kann.

Aber du schneidest einen anderen Grund an, aus dem ich Klinsmann als Trainer des FCB doch für gescheitert halte: Die groß angekündigte Jugendoffensive war ein Totalflop. Schweini+Poldi blieben eine weitere Spielzeit weit unter ihrer Form, Lell spielte regelmäßig aber eben auch regelmäßig beschissen, für einen Toni Kroos fand sich im Kader kein Platz. Dafür hätten wir auch Hitzfeld behalten können.

Abspannsitzenbleiber: So gerne ich hier etwas Kontroverse reinbringen würde: Volle Zustimmung. Da ging überhaupt nichts. Klinsmann hat sich ja nichtmal getraut, als keine Stürmer mehr da waren, den Müller aufzustellen. Stattdessen hieß die einzige Sturmspitze in den letzten 10 Minuten gegen den KSC: Daniel van Buyten!

Agitpop: Was ich mich allerdings auch frage in dieser Spielzeit: Was war mit der Mannschaft los? Hat die zum Ende hin gezielt gegen Klinsmann gespielt oder müsste wirklich der halbe Kader achtkantig rausgeworfen werden?

Abspannsitzenbleiber: Ich weiß es auch nicht. Hat vielleicht auch wirklich mit dem fehlenden “hungrigen” Nachwuchs zu tun. Es kam nix Junges nach und die arrivierten waren bräsig und mit sich selbst zufrieden. Im Mittelfeld war es ja noch ganz okay. Aber die sogenannte Abwehr, meine Herren.

Agitpop: Fraglich ob das in der nächsten Saison besser wird: Ribery zeigt in der Bundesliga schon nach zwei Spielzeiten deutlich Abnutzungserscheinungen, hinten wird die Mannschaft bisher nur dadurch verstärkt, dass Oddo endlich geht und die Jugendoffensive besteht aus Alexander Baumjohann. Wo für den im Team Platz sein soll, wo es schon keinen Platz für Kroos gibt weiß ich natürlich nicht.

Abspannsitzenbleiber: Baumjohann! Haha, ich ich glaube, da hat sich das Team aus der Günter-Hetzer-Kolumne der 11 Freunde einen betrunkenen Telefonspaß erlaubt und mit verstellter Stimme irgendwie diesen Vertrag eingefädelt.

Wie ist deine Prognose für die nächste Saison?

Agitpop: Ganz ehrlich? Wenn sich während der Sommerpause nicht einiges tut, befürchte ich eine Wiederholung dieser Katastrophensaison. Anzeichen gibt es genug: Eine sinnige Transferpolitik findet bisher nicht statt, die Rumpelfußballer bleiben uns weitgehend erhalten und der neue Trainer scheint nicht in die Transferpolitik eingebunden zu sein. Scheinbar hat man aus der Klinsmann-Kiste wirklich nichts gelernt.

Meine Prognose ist daher nicht übermäßig positiv. In der Liga werden wir um die Meisterschaft mitspielen, aber nicht so dominieren wie in der vorletzten Saison. International sind wir auch weiterhin nicht konkurrenzfähig: Das Halbfinale werden wir nicht erreichen. Und der DFB-Pokal hat eh seine eigenen Gesetze. (Fünf Paypal-Euro ins Phrasenschwein.) Deine Prognose?

Abspannsitzenbleiber: Ich wünsche mir, dass van Gaal es schafft, sich vom Einfluss von Hoeneß & Co. ein wenig freizumachen. Der Schlüssel dazu ist klar: Punkte. Wenn er die holt, kann sich Hoeneß wie geplant ein bisschen zurückziehen und die Presse wird kein Theater veranstalten. Bleiben die Punkte aus, haben wir wieder ein Problem. Bei Bayern ist man eben zum Erfolg verdammt, das ist schon ein Kreuz.

Ich bin ja Optimist. Die bisherigen Zukäufe weisen in die richtige Richtung. Wenn wir jetzt noch einen Abnehmer für Lell und Ottl finden würden, dann wäre ich sehr zufrieden.

Und davon abgesehen: Ich bin zwar Fan, aber das Ligafinale dieser Saison hat mir doch deutlich besser gefallen als der langweilige Bayern-Alleingang im Vorjahr. 34 Spieltage Spitzenreiter langweilt doch auch.

Agitpop: Schönes Schlusswort.

Letzte Woche gelernt (5)

  • Du weißt, du hast einen Scheißtag, wenn du im Pokalspiel erst 0:5 hintenliegst, dann immerhin den Ehrentreffer erzielst (über den du dich nicht sehr freuen kannst), und du anschließend feststellen must, dass die Mannschaftskollegen beim aufmunternden Gratulieren nicht gerade zielsicher sind:

  • 2. vs 1.

    Es ist ja nicht ganz einfach, Karten für die Münchner Fußball-Arena zu bekommen (wir reden hier nicht von 60er-Spielen). Wie man an dieser Auflistung schön sehen kann, gehen pro Bundesliga-Spieltag nur sehr wenige Tickets in den freien Verkauf, und selbst da haben Mitglieder vorrang (und bei aller Liebe zum FC Bayern: Nein, Vereinsmitglied werden will ich eigentlich nicht). Seit der FC Bayern in Fröttmaning spielt, bekommt Otto Normalzuschauer bestenfalls Tickets für Spiele unter der Woche oder für Spiele gegen Teams aus der Abstiegszone.

    Um so mehr freue ich mich auf den Arena-Besuch heute abend. Denn in der Anfangsphase der Saison wurden auf der Bayern-Homepage Karten für Spiele gegen vermeintlich unattraktivere Gegner angeboten: Bochum, Bielefeld und so. Und eben auch diese TSG Hoffenheim. Und so kam ich ganz ohne Vitamin B an ganz reguläre Karten. Der Gast kommt nun als Tabellenführer, man spielt eine Art kleines Finale um die Herbstmeisterschaft und die Medien veranstalten seit Tagen einen Riesenhype um “das Duell, auf das ganz Deutschland wartet” (sagt Monsieur Ribéry laut bild.de).

    In München werden sich wohl die Hasstiraden gegen Mäzen Hopp und seine TSG in Grenzen halten. Erstens ist das hiesige Publikum ohnehin ein leises, zweitens haben Bayernfans verständlicherweise wenig Probleme mit Sportvereinen, die Geld haben. Drittens klingt der Hoffenheim-Hass allgemein langsam ab, was einfach an der sehr überzeugenden Art liegt, wie die Mannschaft in der Liga auftritt. (Und viertens müssen all die Anhänger der sogenannten Traditionsklubs ohnehin ganz kleinlaut werden, wenn sie sich ansehen, wie sich ihre Teams der Reihe nach auf europäischer Ebene blamieren — falls sie dort überhaupt teilnehmen.) Hoffenheim macht im Moment einfach halt viel genau richtig und darum scheinen viele der Mannschaft heute auch einen Sieg gegen Bayern zuzutrauen. Ich nicht, ich tippe 3:1 für Rot.

    Fußball live in der Mediathek

    oder: Warum Geotargeting ein Irrweg ist.

    Das ZDF macht da irgendwas verkehrt. Andere Websites ordnen mich klar in Deutschland ein.

    Public Viewing mal anders

    EM-Finale 2008, Deutschland – Spanien, auf Großleinwand im Market Tafarn Pub in Abergavenny (Südostwales). Interessierte Zuschauer: 2, Barkeeper: 1, mehr oder weniger unbeteiligte Stammgäste: 4.